2009 war ein gutes Jahr für Science-Fiction. Sowohl Quantität, als auch Qualität stimmten: Transformers ging in die zweite Runde, Der Terminator erlebte seine Wiedergeburt, Star Trek 11 wurde von Grund auf rebootet und mit District 9 erhob sich das Genre auf den Level sozialkritischer Dramen. Am Jahresende wartet dann noch, der mit Sehnsucht erwartete Avatar - Aufbruch nach Pandora. Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, kommt mit Pandorum ein Film in die Kinos, der gleich mehrere Genres in sich zu vereinen versucht. Ein schwieriges Unterfangen, das schon des Öfteren schief ging.
Ein paar wenige Worte müssen genügen, um die Jahrhunderte vor dem Aufbruch der Elysium zu skizzieren. Ein gigantisches Raumschiff, das die Menschheit baute, um der sterbenden Erde zu entfliehen und auf einem neuen, weit entfernten, Planeten neu zu beginnen. Ende 22. Jahrhunderts leben beinahe 25 Milliarden Menschen auf der Erde, die Nahrungsmittel und Ressourcen gehen zur neige; ein paar Tausend Menschen bekommen aber eine neue Chance. Sie wurden auserwählt auf einem fernen Planeten eine neue Zivilisation aufzubauen. Die Reise dorthin dauert über 100 Jahre.
Wie viel Zeit ist vergangen, wie weit ist das Raumschiff gereist? Die beiden Astronauten Payton (Dennis Quaid) und Bower (Ben Foster), die unvermittelt aus dem Tiefschlaf erwachten, wissen es nicht. Sie können sich überhaupt nur an wenige Details erinnern und sind zunächst völlig orientierungslos. Nur langsam kehren Erinnerungsfragmente an das Ziel ihrer Mission zurück. Möglicherweise ist der lange Tiefschlaf für ihre Amnesie verantwortlich. Mehr Antworten könnte es geben, wenn sie auf die Brücke gelangen würden. Zunächst aber kommen sie nicht einmal aus der Kammer raus, in der sie erwachten. Dringende Arbeit wartet aber: Dem Schiff geht bald die Energie aus. Einer der beiden muss schnellstmöglich zum Reaktorraum, diesen initialisieren und neu booten.
Bower kriecht durch enge Kabelschächte in andere Sektionen des Raumschiffes. Payton dirigiert ihn über Funk, an einer auf Notstrom laufenden Konsole. Das Schiff ist in Dunkelheit getaucht, Bower muss sich Deck für Deck Richtung Reaktor vorarbeiten. Als er auf seinem Weg die Leiche eines Mannschaftskameraden entdeckt, verstärkt sich das bedrückende Gefühl, dass etwas bei der Mission schief gelaufen ist. Wenig später begegnet er der jungen misstrauischen Wissenschaftlerin Nadia (Antje Traue). In dem riesigen Schiffslabyrinth sind ihr mörderische Kreaturen auf den Fersen: menschenähnliche Wesen, die über enorme Kräfte verfügen und sich ausschließlich vom Fleisch der Schiffsinsassen ernähren. Gemeinsam versuchen Bower und Nadia zum Reaktor vorzustoßen, ein Unterfangen, das durch die Gegenwart der Kreaturen nicht einfacher geworden ist. Glücklicherweise hat sich ihnen zwischenzeitlich der kampferprobte Mahn (Cung Le) angeschlossen. Die Zeit läuft ihnen aber davon: Das Schiff stirbt den Energietod, weniger als eine Stunde bleibt, bevor sich alle Systeme endgültig abschalten und die Mission, die Menschheit zu retten, gescheitert sein wird.
Unheimlich, klaustrophobisch und beklemmend ist Pandorum von Beginn an, doch ist das auch spannend? Der Zuschauer erwacht gewissermaßen zusammen mit den Resten der Crew in diesem "Totenschiff". Der Überlebenskampf, der unmittelbar daraufhin einsetzt, führt durch die Katakomben eines Raumschiffes, das deutliche Anleihe am Innenleben der Nostromo aus Ridley Scotts Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt nimmt. Stakkatoartige Schnitte und Wackelkamera sollen Tempo und Intensität erzeugen, machen das Geschehen aber noch undeutlicher und wirrer: Nicht genug, dass der Zugang zur Handlung schwer fällt (gewissermaßen ist man als Zuschauer zwei Drittel des Films auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Geschehens), Dunkelheit, Stroboskop-Lichteffekte und wilde Verfolgungsjagden in engen Gängen entpuppen sich, in Kombination mit der eingesetzten Short-Cut-Technik und dem bizarren Design, als überbordende Stilmittelflut, die das Aufkommen einer stimmungsvolle Atmosphäre nahezu unmöglich macht. Hier wäre (viel) weniger deutlich mehr gewesen.
Für die Regie verantwortlich zeichnet sich Christian Alvart, der mit seiner Arbeit bei Antikörper für einiges Aufsehen sorgte. Als Produzent ist aber ein alter Könner dieses Genres an Bord: Paul W. S. Anderson hat man schließlich Filme wie die Resident Evil-Reihe und Event Horizon - Am Rande des Universums zu verdanken. Genau diese Handschrift merkt man Pandorum auch überdeutlich an. Das unheimliche Schiff, das ein Geheimnis birgt und seine Crew gefangen hält, die zombiehaften Kreaturen, die auf menschliches Fleisch ganz wild sind. All das erinnert sehr an die früheren Produktionen von Anderson.
Prominent besetzt ist der Film zugegebenermaßen: Mit Dennis Quaid (8 Blickwinkel) konnte ein alter Hase des Filmgeschäfts verpflichtet werden. Den jüngeren Zuschauern ein Begriff ist bestimmt Cam Gigandet (Twilight - Biss zum Morgengrauen). Und vom Newcomer Ben Foster (Todeszug nach Yuma) wird es in Zukunft bestimmt noch einiges zu sehen geben. Der eigentliche Star sollte aber die surreale Endzeit-Apokalyptische Stimmung der Geschichte sein. Leider tritt diese aber nur höchst beiläufig in Erscheinung.
Sci-Fi-Psychothriller, Kreaturenfilm, Horrorgeschichte, all das findet sich in Pandorum wieder und gibt sich redlich Mühe keine allzu großen Logiklücken und Plotschieflagen zu produzieren. Richtig rund wirkt das dennoch nicht: Bei allem Tempo, oberflächlichem Unterhaltungsfaktor und klaustrophobischer Situation, die nach einer Auflösung schreit und allein dadurch an den Kinosessel fesselt, entsteht einfach keine richtig packende Atmosphäre. Das zuviel an Stilmitteln und die gewagte Genreverquickung tragen ebenfalls nicht dazu bei, einen stringent erzählten Atemlos-Thriller zu produzieren. Auch wenn den Machern zugute gehalten werden muss, dass sie mit CGI-Effekten äußerst sparsam umgegangen sind und es tatsächlich nach viel guter Handmade-Action aussieht, haben sie mit dem Bildgewitter-Bombardement dafür gesorgt, dass sich kein unterschwelliger Horror einstellen kann. Das hatte Anderson in Event Horizon - Am Rande des Universums schon weitaus besser hinbekommen.