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American History X

(American History X, 1998)

Dt.Start: 25. Februar 1999 Premiere: 30. Oktober 1998 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 118 min Land: USA
Darsteller: Edward Norton (Derek Vinyard), Edward Furlong (Daniel "Danny" Vinyard), Beverly D'Angelo (Doris Vinyard), Jennifer Lien (Davina Vinyard), Ethan Suplee (Seth), Fairuza Balk (Stacy), Avery Brooks (Bob Sweeney), Elliott Gould (Murray), Stacy Keach (Cameron), William Russ (Dennis), Guy Torry (Lamont), Joseph Cortese (Rasmussen), Jason Bose Smith (Little Henry), Antonio David Lyons (Lawrence), Alex Sol (Mitch McCormick)
Regie: Tony Kaye
Drehbuch: David McKenna


Inhalt

Nach dem Tod seines Vaters mutiert der Jugendliche Derek Vinyard zu einem der gefürchtesten Neo-Nazis der Stadt. Eines Nachts ermordert er auf brutale Weise eine Gruppe Schwarzer, die versucht hatten sein Auto zu steheln und landet für drei Jahre im Knast. Als er wieder herauskommt ist er ein anderer Mensch geworden und versucht seinen jüngeren Bruder Danny davon abzuhalten den selben falschen Weg zu gehen, den er damals einschlug.
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Kritik

American History X hat eine Wertung von 92%
American History X ist mit Sicherheit eines der wichtigsten amerikanischen Dramen überhaupt. Die Neonaziszene in den USA wurde hier in noch nie da gewesener Weise thematisiert und auch weitgehend überzeugend umgesetzt. Edward Norton als durchtrainierter Nazi, den man als Zuschauer mal mehr mal weniger sympathisch findet und ihn aber zugleich stets für seine skrupellosen Gewalttaten verurteilt, stellt in diesem Film einmal mehr seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis. Durch seine mainstreamtaugliche, manchmal ein wenig zu emotionale, aber dennoch sehr anspruchsvolle Inszenierung erreicht American History X ein breites Publikum und regt zum nachdenken an.

Bild aus American History X Da sich um American History X zwei besonders nervige Gerüchte ranken, zwei Dinge gleich vorweg: Erstens, der Film ist FSK 16, es gibt keine 18er-Uncut-Fassung, wie so gern behauptet wird; und zweitens, was fast noch wichtiger ist, es gibt keine Fortsetzung namens "American History X 2" in der Edward Norton wieder ein Nazi ist, weswegen der Film indiziert sein soll. Nun wo auch das endlich geklärt ist, kommen wir zum eigentlichen Film.

Und der ist inzwischen ziemlich legendär, schließlich ist er der Erste und bis her einzige bekannte Film, der sich ernsthaft und überzeugend mit der Neonaziszene in den USA beschäftigt. Zu verdanken ist dies insbesondere der großartigen Leistung von Hauptdarsteller Edward Norton (Fight Club). Er trägt den Film und ist in jeder Phase von Dereks wirklich lehrbuchtauglich umgesetzter Charakterentwicklung absolut überzeugend. Er schafft es, Derek (zumindest nach seinem Wandel) einerseits zum Sympathieträger zu machen, ihn aber andererseits auch als gewalttätigen radikalen Nazi zu spielen. Mit dieser Brillanz Nortons können sicherlich nur wenige Schauspieler mithalten.

An sich ist die Story wirklich stimmig. Einziger Kritikpunkt hier ist auch das fragwürdigste am Film. Nachdem Derek aus dem Knast kommt und sich gewandelt hat, überzeugt er seinen Bruder von der Sinnlosigkeit des Rechtsradikalismus, indem er ihm von seiner Zeit im Knast erzählt. Innerhalb weniger Stunden wird das Weltbild, welches sich über Jahre hinweg in Dannys Kopf etabliert hat, umgestoßen. Hier muss man als Zuschauer wahrscheinlich einfach mit diesem Kompromiss leben, dass hier auf Kosten des Realismus ein längerer Prozess drastisch verkürzt wurde, was filmisch natürlich passend ist, vielen aber im nachhinein als unrealistisch und vielleicht sogar naiv auffallen wird. Grobe Logikfehler gibt es ansonsten nicht, die Geschichte ist abwechslungsreich, spannend und puzzelt sich am Ende zu einem großen, beeindruckenden Gesamtkunstwerk zusammen, ohne dass der Zuschauer bis dahin auch nur für einen Moment den Bezug zum Film verloren hat. Das zeugt von einem grandiosen Drehbuch und einem überaus fähigen Regisseur. Tony Kaye (Snowblind), der diesen Posten inne hatte, war jedoch mit dem Endergebnis alles andere als zufrieden. Denn sein Film wurde vor seiner entgültigen Veröffentlichung mehrfach zum Teil ohne seine Genehmigung umgeschnitten. Auch Edward Norton hatte hier seine Finger im Spiel, was zur Folge hatte, dass der Regisseur gehörig auf seinen Hauptdarsteller schimpfte. Kaye wollte sich daraufhin ganz von dem Projekt distanzieren und statt seinem Namen nur ein Pseudonym nennen. Doch sein Pseudonymsgesuch scheiterte, vielleicht auch zum Glück, denn American History X ist auch in dieser Fassung ein sehr guter Film und nebenbei Kayes mit Abstand bekanntester.

American History X ist ohne Zweifel ein sehr wichtiger Film, da er ein breites Publikum über die Neonazibewegung in den USA aufklärt und neben der Rassenfrage auch ein Film über Hass an sich ist. Besonders bekannt wurde Kayes Film durch die Bordsteinszene. Diese ist auch eine viel diskutierte und wird in der deutschen Produktion Der Kick, der sich mit dem Falle zweier Nachahmungstäter aus der deutschen Neonaziszene beschäftigt, aufgegriffen. Zur ungebremsten Wirkung von American History X tragen vor allem die erschreckend überzeugenden, von rassistischen und nationalistischen Gedankengut geprägten Reden von Derek bei. Dies trägt auch dazu bei, dass American History X zahlreiche Diskussionen anregte, weil der Film auch bei vielen Rechten Kultstatus genießt. Man kann ihn sich mit viel gutem Willen eben auch so drehen, für jeden "normalen" Zuschauer wird aber klar, dass Kayes Film eine eindeutige Position gegen Rassismus einnimmt.

von Markus Müller


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