Cormac McCarthy erhielt für seinen postapokalyptischen Roman "The Road" 2007 den Pulitzer-Preis und gehört damit zu den renommiertesten Autoren der Gegenwart. Es dauerte nicht lange und auch die amerikanische Traumfabrik richtete ihren geldgierigen Blick auf das überwiegend positiv rezensierte Buch. Wie schon bei McCarthys Werk No Country for Old Men hinterlässt aber auch diese Verfilmung einen durchaus positiven Eindruck, bietet sie doch erfrischende Abwechslung gegenüber oberflächlichen Genrevertretern wie The Book of Eli und geht glücklicherweise kaum von der Vorlage ab. Leider gehen dabei zwangsweise einige stilistische Mittel des Romans verloren und man wird dem Eindruck eines Meisterwerks kein zweites Mal gerecht.
Eine glückliche Familie wird durch eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes auseinandergerissen. Während die Mutter von Suizidgedanken geplagt wird und letztendlich in den eigenen Tod läuft, brechen Vater und Sohn als vermeintlich letzte Vertreter menschlicher Werte in Richtung Küste auf, reden sich selbst immer wieder Hoffnung ein, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Vorerst ist es ihr einziges Bestreben, die postapokalyptische Ödnis hinter sich zu lassen und zu überleben, nicht vor lauter Hunger als Schatten ihrer selbst dem Kannibalismus und der Plünderei verfallen. Aschfahle Bäume, verrußte Landstriche, zerstörte Städte: In ein monotones grau getaucht offenbart sich dem Zuschauer immer wieder der Schrecken einer unbarmherzigen Welt, einer Welt, in der das Recht des stärkeren gilt und in der für Nächstenliebe kein Platz mehr ist: Jeder kämpft für sich alleine. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Letzte mutlos zusammenklappt.
Der Film selbst verläuft verglichen mit anderen Endzeitfilmen sehr ruhig, wird jedoch zwischenzeitig immer wieder von Schockmomenten unterbrochen, die beinahe ausnahmslos auf das Motiv des Kannibalismus zurückgreifen. Dem entgegen stehen die religiösen Prägungen des Vaters, der weiterhin an Gott festhält, und das emotionale Band zwischen Vater und Sohn. Mithilfe dieser Leitbilder wird für den Zuschauer eine klare Grenze zwischen Gut und Böse gezogen, die vielleicht etwas zu simpel gestaltet ist, dafür aber die Sympathien ohne Probleme auf die Seite der Hauptcharaktere lenkt. Der Zuschauer selbst erfährt nie etwas über die Art oder die Ursache der Apokalypse und teilt so ihre Unwissenheit und Hoffnungslosigkeit.
Viggo Mortensen und Kodie Smit-McPhee vermitteln nahezu perfekt die für den Film enorm wichtige Vater-Sohn Beziehung. Gegenseitig machen sie sich immer wieder Hoffnung auf eine bessere Welt. Vor allem der Vater findet in seinem Sohn den nötigen Halt, um nicht den gleichen Weg wie seine Frau anzutreten, könnte dort doch alles besser sein. Geprägt von Verzweiflung, Hoffnung und Zusammenhalt, scheitert das Drehbuch hinter all den bedeutungsschweren Gesichtern jedoch an wahrer Charaktertiefe. Erfuhr der Leser des Romans noch die Welt durch die Augen des Vaters, ist man nun gezwungen einmal mehr als Außenstehender an dem Geschehen teilzunehmen. Nur durch Rückblenden werden unausgesprochene Gedanken greifbar und alles was bleibt sind 1:1 Zitate des Buches in einer sehr bruchstückhaften Erzählung.
Zeugen Bücher von einem großen Erfolg sind sie meist gefundenes Fressen für die Filmstudios. Ohne Rücksicht auf die Leser wird das Buch in Drehbuchform gepresst und oftmals unnötig und unpassend gekürzt. Dass Literaturverfilmungen jedoch auch eine andere Richtung einschlagen können, zeigt Regisseur John Hillcoat mit The Road zumindest in Ansätzen. Er selbst lässt sich dabei keine allzu großen Freiräume und so ist der Film beinahe eine 1:1 Kopie des Buches, hätte man nicht einige Kürzungen vornehmen, und die kompletten Gedankengänge des Protagonisten herausnehmen müssen. Wie schon die Vorlage vermittelt auch der Film deutlich, wie wichtig es ist, menschliche Werte nicht zu verlieren und im eigenen Überlebensinstinkt eine Welt zu erschaffen, die kaum mehr Lebenswert ist. Ebenso wie vom Buch wird man auch vom Film gefesselt sein, und es bleibt nicht ganz verständlich, warum letzterer hier erst knapp ein Jahr nach dem UK-Release in die Kinos findet. Eine unbedingte Empfehlung lässt sich jedoch nur für ersteres aussprechen.