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M. Butterfly

(M. Butterfly, 1993)

Dt.Start: 09. Dezember 1993
DVD: 12. Mai 2006
Premiere: 09. September 1993 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: USA
Darsteller: Jeremy Irons (René Gallimard), John Lone (Song Liling), Barbara Sukowa (Jeanne Gallimard), Ian Richardson (Botschafter Toulon), Annabel Leventon (Frau Baden), Shizuko Hoshi (Chin), Richard McMillan (Botschaftskollege), Vernon Dobtcheff (Agent Etancelin)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Henry Hwang


Inhalt

René Gallimard ist französischer Diplomat in China. Eines abends lernt er die chinesische Schauspielerin Song Liling kennen und ist sogleich von ihr fasziniert. Als er sie in der Peking Oper auf der Bühne wiedersieht, verliebt er sich endgültig in sie, obwohl er verheiratet ist. Sein plötzliches Interesse an der fernöstlichen Kultur bringt ihm eine Beförderung zum Berater des Botschafters ein. Da er seine Liebe zu der Chinesin geheim hält, schöpft keiner seiner Kollegen Verdacht. Doch besagte Chinesin ist gleich in zweierlei Hinsicht nicht das, was sie vorgibt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

M. Butterfly hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
M. Butterfly hat eine Wertung von 82%
David Cronenbergs Adaption des Theaterstücks von David Henry Hwang hebt sich deutlich von anderen Werken des Kultregisseurs ab. Gelungen ist M. Butterfly trotz kleiner Schwächen auf jeden Fall, was er vor allem seinen beiden Hauptdarstellern zu verdanken hat. Auch wenn sich Cronenberg ein wenig bei dem Versuch übernimmt, die Geschichte in engen Bezug zur damaligen Kulturrevolution in China zu stellen, ist die eigentliche Story um den französischen Diplomaten René Gallimard und seine eigenartige Liebe spannend und faszinierend, gleichfalls aber auch befremdlich und abstoßend.

Bild aus M. Butterfly David Cronenberg, seines Zeichens nicht nur der wahrscheinlich bekannteste Filmemacher Kanadas, sondern auch unangefochtener Meister des Bodyhorrors, distanzierte sich in seinen letzten beiden Filmen A History of Violence und Tödliche Versprechen - Eastern Promises deutlich von seinen vorherigen eher surrealen Werken wie Naked Lunch, eXistenZ oder Videodrome. Doch zwischenzeitlich widmete sich Cronenberg auch in früheren Zeiten ab und an durch und durch realistischen Szenarien. Einer dieser wenigen Filme ist M. Butterfly von 1993.

David Henry Hwang, der als bedeutendster asiatisch-amerikanischer Dramatiker der USA zählt, schrieb das gleichnamige Theaterstück, welches von Giacomo Puccinis legendärer Oper "Madame Butterfly" inspiriert wurde und diese mit einer realen Geschichte verbindet. Später verfasste er auch das Drehbuch für David Cronenbergs Verfilmung. Die Geschichte wurde inspiriert durch den realen Fall des Bernard Boursicot, einem französischen Diplomaten der sich als 20 jähriger tatsächlich in China in einen Sänger der Peking Oper verliebte und auch nach langer Zeit glaubte, eine Frau zu lieben. Darüber hinaus gibt es sehr viele Parallelen zwischen der realen Figur und dem von Hwang erfundenen und im Film von Jeremy Irons (Inland Empire) verkörperten René Gallimard.

Body Horror im cronenbergschen Sinne ist M. Butterfly höchstens auf den zweiten Blick. Primär schuf Cronenberg ein Liebesdrama mit engem historischem Bezug zur chinesischen Kulturrevolution. Dabei versucht der Kanadier seine Geschichte immer wieder in Zusammenhang zu den politischen Geschehnissen im damaligen China zu stellen, was ihm zum größten Teil gelingt. Allerdings nimmt er dafür oft sehr große Zeitsprünge in Kauf, die dem Zuschauer nicht direkt suggeriert werden, wodurch die Handlung in ihren zeitlichen Abläufen ab und an etwas unlogisch wirkt. Leider oder auch glücklicherweise widmet sich M. Butterfly nur relativ kurzzeitig der historischen Aufbereitung, wodurch man einerseits nicht ausreichend über die Kulturrevolution erfährt, um sich wirklich informiert zu fühlen, aber andererseits auch nicht die eigentliche Geschichte aus den Augen verliert. Der Background der Geschichte wird ausreichend etabliert und der Zuschauer kann sich in die Zeit und ihre politischen Umstände grob hineindenken, historisches Bildungsprogramm ist M. Butterfly allerdings keinesfalls. Ein wenig mehr Intensität könnte man sich hier durchaus vorstellen, um den Aufprall der verschiedenen Kulturen und die Wirren im damaligen China den Zuschauer deutlicher spüren zu lassen. Ideal ist also eine gewisse Vorkenntnis der damaligen Umstände in China, um die Story voll erfassen zu können.

Die Geschichte ist spannend inszeniert und lebt vor allem von ihrer Musik und den fantastischen Schauspielern. Denn neben der starken musikalischen Untermalung vom vielfach ausgezeichneten Filmkomponist und Landsmann des Regisseurs Howard Shore (Musik zur Der Herr der Ringe-Trilogie) ist M. Butterfly vor allem schauspielerisch ein Meisterstück. Mit Jeremy Irons als Gallimard und John Lone (Der letzte Kaiser) in der Rolle der Song Liling treffen zwei absolut hervorragende Schauspieler aufeinander, die in ihren überaus anspruchsvollen Rollen perfekt miteinander interagieren. Einziger Kritikpunkt hierbei sind die sehr künstlich wirkenden Dialoge, wobei hier nicht klar ist, inwiefern der ursprüngliche rhetorische Stil des Theaterstücks gewahrt werden sollte.

M. Butterfly ist ein schönes Stück Film aber, auch wenn das Potential dazu sicherlich da gewesen wäre, leider noch lange kein Meisterwerk. Sehenswert ist dieses für David Cronenberg doch eher untypische Werk in jedem Fall.



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