Nicht jeder möchte ein Leben in Bevormundung und ohne die Möglichkeit, sich frei entfalten zu dürfen, führen. Drei Gruppen mit ähnlichen Motiven, die alle freie Luft ohne religiös-politische Bevormundung atmen wollen, fliehen aus ihrem Heimatland. Der beschwerliche Weg führt über die Berge in die Türkei, und dort beginnt das große Warten. Ein Augenblick Freiheit nimmt sich dem Schicksal iranischer Exilanten an, die ihrem Land den Rücken kehrten und feststellen, dass Freiheit nicht so einfach zu erringen ist. Tragik-komische Geschichte mit guten Ansätzen, aber deutlichen Schwächen im Plot.
Der Gottesstaat Iran ist alles andere als, im westlichen Sinne, eine säkulare Demokratie. Religiöses und weltliches Recht sind dort untrennbar verbunden und selbst das "frei gewählte" Parlament wird in Wahrheit von religiösen Führern aus dem Hintergrund regiert. Die meisten Iraner, die sich eine liberale und fortschrittliche Gesellschaft wünschen, in der sich das Individuum frei entfalten darf, Mann und Frau dieselben Rechte haben und der Staat in erster Linie den Bürger schützt, haben dem Land schon lange den Rücken gekehrt; für die wenigen, die blieben, möglicherweise in der Hoffnung sie könnten von innen heraus etwas verändern, wird es nun höchste Zeit.
Ein Augenblick Freiheit erzählt die Geschichte dreier Flüchtlingsgruppen, die aus ihrem Heimatland Iran fliehen und darauf hoffen, in einem westlichen Land Asyl zu bekommen. Zwei ungleiche Freunde, eine dreiköpfige Familie und zwei Junge Männer, die zwei Kinder aus dem Land schaffen, um sie mit ihren Eltern in Österreich wiederzuvereinen. Alle Schicksale und Handlungslinien kreuzen sich spätestens in Ankara, in einem kleinen heruntergekommenen Hotel; geführt von einem schmierigen, halbseidenen "Hotelier".
In der Türkei zu sein, kommt allen zunächst wie der Vorhof zum Paradies vor. Auch wenn sie ständig mit der Angst leben, von der türkischen Polizei als Illegale verhaftet und abgeschoben zu werden oder dass der iranische Geheimdienst, der heimlich im Land operiert, ihnen auf die Schliche kommt, wähnen sie sich dennoch mit einem Fuß im Westen. Selbst bis dahin war es aber mehr als eine beschwerliche Reise: über die Grenze, streng bewachte Bergpässe, durchs karge, eisige Gebirge, geführt von Schleusern, die man zuvor ordentlich hat schmieren müssen und mit der Gefahr lebend, im Freien vor lauter Kälte zu erfrieren. Diese drei Gruppen haben es geschafft. Jetzt heißt es warten und jeden Tag bei der UNO anstehen, um eine Ausreiseerlaubnis zu ergattern. Doch das ist alles andere als leicht: ein langwieriger Prozess und selbst die, welche ein Bleiberecht für die Türkei erhalten, werden auf unterschiedliche Auffanglager verteilt.
Ganze 14 Drehbuchfassungen waren für die bis dato teuerste österreichische Erstlingsproduktion nötig. Das merkt man dem Film einfach an. Genauso gut oder vielleicht besser, wären gleich mehrere Filme daraus gemacht worden oder beispielsweise ein Dreiteiler fürs Fernsehen. Dann hätte die erste Hälfte des Films, die sich mit der Flucht über die Berge ins türkische Hinterland beschäftigt, zwar landschaftlich lang nicht so gewirkt und die Verlorenheit der Protagonisten wäre nicht dermaßen greifbar geworden, aber andererseits wäre sich damit dramaturgisch ein großer Dienst erwiesen worden. Die bürokratischen Wirren in der Türkei und das endlose Warten auf Ausreise, werden so viel zu spät thematisiert, und wirken wie ein erneuter Prolog, für eine neue Geschichte.
Vielleicht war es Absicht, dieses endlose Verharren genauso zu zeigen und damit die Menschen, die gerne ein neues Leben im gelobten Westen beginnen würden, in ihrem "Gefangensein" genau zu zeichnen. Möglicherweise dehnt Regisseur Arash T. Riah den Augenblick der Freiheit endlos aus, relativiert die Figuren in ihren Wünschen, und limitiert die Hoffnung auf mehr. Womöglich passiert genau das vielen Exilanten, die diesen Schritt wagen.
Dem Film und dem Zuschauer erweist er damit nicht unbedingt einen Gefallen. Das endlose Warten auf Entwicklung, lässt über die Zeit die Intensität verblassen. Und das ständige Springen von einem Schicksal zum anderen, ermüdet einerseits und zeigt sich für den Spannungsaufbau nicht gerade förderlich. Es bleibt nichts anderes übrig, als an den Personen und deren Schicksalen zu kleben, um sich in dem anstrengend konstruierten Plot nicht zu verlieren. Etwas einfacher wäre das, wenn zumindest die Figuren zu Beginn sorgsamer eingeführt worden wären. Aber nicht einmal das schien den Machern notwendig. Gleich auf der Flucht, erfährt man - wenn überhaupt - viel zu spät etwas über die individuellen Beweggründe. Sollte man obendrein politisch kein bewanderter Mensch sein, der sich für die Zustände im Iran interessiert, könnte man möglicherweise sogar ganz ins Rätselraten verfallen.
An anderen Stellen wäre hingegen etwas weniger tatsächlich etwas mehr gewesen, und eine geradlinigere und gestraffte Erzählstruktur wäre sicherlich auch nicht abträglich. Die Darsteller mühen sich zwar eindeutig und zwischen Tragik und Humor zeichnen sich manchmal interessante Facetten in den Persönlichkeiten ab; allerdings läuft auch der Einsatz des Humors manchmal zu sehr ins Groteske und wirkt gezwungen und bemüht, die depressive Grundstimmung aufzulockern. Trotzdem bleibt Ein Augenblick Freiheit streckenweise ansehnlich, aber thematisch sicherlich auch stets etwas speziell.