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Der Comedian Hape Kerkeling ist ein Multitalent: 3 Mio. Exemplare seines Buches Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg wurden seit seinem Erscheinen im Jahre 2006 verkauft und auch im Fernsehen bringt er mit der Verkörperung eines erfolglosen und versoffenen Provinz-Journalisten die Menschen zum Lachen: Horst Schlämmer ist zur Kultfigur avanciert. Doch leider kann diese Figur allein keinen Film tragen, der wie ein Schnellschuss mit nur wenigen wirklich guten Ideen wirkt.
Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) ist stellvertretender Chefredakteur des "Grevenbroicher Tagblatts", um die 50, Single, Liebhaber der Farbe Ocker, Alkoholiker und: er hat alles satt. Als er im Rahmen eines Interviews mit Ursula Kwasny (CDU), der Bürgermeisterin von Grevenbroich und seiner Zusammenkunft mit der lasziven Alexandra Kamp, die eine Lesung hält, auf die Idee kommt, selbst in die Politik zu gehen (denn: "Alles sollte mehr sein!"), wird sein Ehrgeiz geboren. Er gründet die HSP, die Horst Schlämmer Partei, die zugleich liberal, konservativ und links ist und will Bundeskanzler werden.
Doch wer nun denkt, dass den Großteil des Films der urkomische Wählerfang Horst Schlämmers mit unkonventionellen Mitteln ausmacht, so wie es der Trailer mit seinem Besuch beim Rapper Bushido (eine der köstlichsten Szenen des Films) verhieß, der wird enttäuscht. Es gibt durchaus witzige Szenen, besonders zu Beginn, als er sich unter Anleitung eines Motivators vom Band fit macht für den Arbeitstag und beim Ausparken erst einmal Nachbars Auto rammt. Kerkelings Politiker-Imitationen von Angela Merkel und Ulla Schmidt oder seine launigen Interviews mit politischen Funktionsträgern wie Lale Akgün (SPD), Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) oder Jürgen Rüttgers (CDU) können sogar ein ums andere Mal satirische Spitzen für sich verbuchen. Doch über die Politik der Parteien selbst erfährt man dabei wenig. Horst Schlämmer - Isch Kandidiere! weißt keine Struktur auf, sondern erinnert nur an jene Abfolge von Gags, wie man sie im Fernsehen u.a. bei "Wetten dass?", als Schlämmer Claudia Schiffer schleimigst anbaggerte, zu sehen bekam. Das ist für eine Zeitspanne von 5 Minuten ganz in Ordnung, für 90 Minuten aber zu wenig.
Und wenn irgendwann alle fiktiven Eigenschaften der Kunstfigur Horst Schlämmer verwurstet wurden, jeder seiner Charakterzüge oder Artikulationsschwierigkeiten (Schnappatmung, Alkoholismus, Rücken- und Kreislaufbeschwerden, Notgeilheit, Missverstehen von Wörtern) thematisiert wurden, erschöpft sich der Witz um diese unmögliche Person. Dann muss plötzlich eine rein sexuelle Affäre Schlämmers mit Alexandra Kamp-Groeneveld (als sie selbst) in einer völlig ins Leere laufenden Nebenhandlung herhalten, um mit Geschlechtskrankheiten und ihren Auswirkungen Lacher beim Publikum zu erzeugen. Oder ein sächsisches Ehepaar, welches vorm Bundestag in Berlin die Fähnchen für die HSP schwingen soll.
Die semidokumentarische Machart des Films, irgendwo zwischen Inszenierung und Zufall, passt dabei nie wirklich zusammen. In der Spielhandlung sitzt Schlämmer in einer Kneipe und leert sein Bier, während er die (von Kerkeling selbst) inszenierten Nachrichten im Fernsehen sieht. Dann begibt er sich wieder auf die Straße oder zu Interviewterminen. Letzteres ist durchaus witzig, eben weil die dort gefundenen "Opfer" authentisch sind. Glaubwürdigkeit hingegen geht den eindimensional und tumb gezeichneten Figuren im Film um Kerkeling völlig ab. Allen voran dem hoffnungslos überforderten Simon Gosejohann (Die Aufschneider, 2007) als doofer Redaktions-Praktikant Ulle oder Alexandra Kamp-Groeneveld, die wie ihre eigene Parodie wirkt. Selbst die nur kurz auftretenden Gäste - die lange Liste reicht von besagten Politikern über Prominenz wie Frauke Ludowig, Jürgen Drews, Theo Koll oder eben Bushido - vermögen in ihren Auftritten mehr Charme zu versprühen als die gesamte "echte" Besetzung um Kerkeling herum.
Am Ende bleibt ein ambitioniertes Projekt, dem man allerdings die von Zeitdruck geprägten Umstände seiner Entstehung deutlich anmerkt. In nur sechs Monaten wurde der Film von der ersten Idee bis ins Kino gehievt. Bis zuletzt wurde an ihm gearbeitet. Dies ging leider deutlich auf Kosten der Ausgewogenheit sowohl in der Handlung als auch in den Gags, die sich qualitativ leider deutlich voneinander unterscheiden. Evident beispielsweise Michael Schumachers Gastauftritt am Ende aus dem Nichts heraus - unmotivierter geht es kaum. Die "Hasenpower" der HSP konnte leider nicht auf den streckenweise arg hasenfüßig zusammengeschnippelten Film übertragen werden. |