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Kleine, aber umso spritzigere romantische Komödie aus der Schweiz, durchtränkt mit Lokalkolorit und (problemlos verständlichem) Akzent, liebevoll inszeniert und gut gespielt. Kein Meisterwerk der Kinokunst, doch absolut lohnenswert für den netten Abend, wenn es kein Mainstream-Streifen sein soll. Der zugrunde liegende Konflikt ist hässlich und schmerzhaft, das Schauspiel dazu federleicht. Geheimtipp!
In einem idyllischen Schweizer Städtchen arbeitet die junge Rahel Hubli beim Standesamt. Ihr Job ist es, junge Paare miteinander zu verheiraten. Rahel hat einen Chef, der gern ein wenig griesgrämig ist, und eine liebevolle, sympathische Assistentin, mit der sie ein Büro teilt. Unterm Strich also ein gemütliches Berufsleben ohne viel Ärger. Doch Rahel leidet zur Zeit ein wenig unter dem vielen jungen Glück, das zu ihr ins Amt spaziert, scheinbar in nicht enden wollender Reihe, am jeweils glücklichsten Tag ihrer Beziehung. Sie selbst muss sich nämlich eingestehen, dass es in ihrer Ehe mit Thomas nicht mehr so recht funkt. Thomas kommt mit seiner Arbeit als Grafiker nicht zu Rande und bleibt lange im Büro, und so muss Rahel sich meistens ganz allein um den gemeinsamen Sohn Flo kümmern.
So kommt es, dass Rahels gute Wünsche für den Lebensweg der frisch Verheirateten bisweilen etwas säuerlich und verbittert ausfallen. Und eines Tages steht plötzlich Ben in der Tür, ihr bester Freund von früher. Ben und Rahel hingen nämlich schon als Kinder immer zusammen, als Teenager hatten sie sogar eine kleine Band. Doch bevor Rahel auch nur beginnen kann, in Erinnerungen zu schwelgen, eröffnet Ben ihr, warum er aus Berlin in die Schweiz gekommen ist: Ausgerechnet Rahel soll ihn mit seiner Freundin Tinka verheiraten.
Bald stellt sich heraus, dass Tinka ein Kamera-affines deutsches C-Starlet ist, sich offenbar für was Besseres hält und sofort einschnappt, wenn Ben sie mal fünf Minuten nicht auf Händen trägt. Was Ben nur an der Frau findet, interessiert Rahel nicht einmal, denn sie muss bald feststellen, dass ihre eigenen Beziehungsprobleme größer sind, als sie je befürchtet hatte. Und dass sie ausgerechnet ihren lieben Ben mit dieser Kuh Tinka verheiraten soll, das ist nun wirklich ein Konflikt für Rahel.
Ein sehr schöner und gelungener Beziehungsfilm, der die Konflikte, die die Monogamie so mit sich bringt, auslotet. Dass es in einem menschlichen Leben mehr als nur einmal "den Richtigen" geben kann, ist anhand der aktuellen Scheidungsrate sowieso kein Geheimnis mehr. Verschärft wird der Konflikt von Rahel, die sich zwischen Ben und ihrem eigenen Mann entscheiden muss, dadurch, dass sie selbst auch noch die Standesbeamtin ist, die die Ehe zwischen ihrer großen Liebe und einer anderen offiziell machen muss. Was in einem normalen Leben meist der beste Freund durchleben muss, und schließlich aus purer Liebe bei der Trauung eben nicht aufspringt, um seine Einwände lauthals geltend zu machen, durchleidet Rahel in dieser Geschichte in schlimmerer, erniedrigender Form.
Der Filmtitel ist leider ein wenig unglücklich gewählt, er klingt wie ein selbstgeschriebenes Schultheaterstück aus der Mittelstufe. Doch hinter dem brav-biederen Titel verbirgt sich, allerdings erst nach langsamem Anlauf, eine herzliche und sympathische Liebesgeschichte aus einer ungewohnt bergarmen Schweiz.
Die gebürtige Berlinerin Marie Leuenberger, eine versierte junge Theaterschauspielerin, gibt die Rahel in ihrem Kinodebut souverän und eher zurückhaltend. Ihr Schweizer Akzent ist entweder perfekt einstudiert oder, was viel wahrscheinlicher ist, durch Aufwachsen in der Schweiz natürlich gereift. Auch ihr Filmpartner Ben, gespielt von Dominique Jann, spricht, wie eigentlich alle außer Tinka, mit einem gepflegten Akzent. Jedoch sind sämtliche Schweizer Ausdrücke gut verständlich, offenbar wurde gezielt darauf geachtet, nicht allzu stark abzuheben und den Film so für alle verständlich zu halten.
Die Handlung entwickelt sich so zaghaft wie eine Liebesbeziehung. Der Grundkonflikt, vor dem Rahel steht, dürfte einer der härtesten Konflikte sein, die man als Freund-aber-(leider)-nicht-Liebhaber gegenüber einem geliebten Menschen je haben kann. Bravourös löst Autor und Regisseur Micha Lewinsky die Situation auf. Ein Film, der zum Nachdenken anregt, insbesondere über die Singles im eigenen Bekanntenkreis. |