2004 wurde dem kindlichen Kinopublikum die kleine Heldin Laura vorgestellt: Die überaus erfolgreiche Buchserie des Autors Klaus Baumgart hatte derzeit schon längst die Kinderzimmer erobert. Und auch der Film wurde gleich zu einem großen Erfolg und lockte allein in Deutschland 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos. Im neuerlichen Abenteuer reist Laura nach China und trifft dort auf Ling-Ling und einen verwunschenen Drachen. Ihr Stern ist selbstverständlich mit dabei, bei dieser Reise auf den Flügeln der Phantasie, die angenehm-kurzweilige Unterhaltung für die Kleinen liefert, pädagogisch aber recht sinnarm bleibt.
Beim ersten Kinoabenteuer vor fünf Jahren war Laura gerade neu in einer fremden Stadt und hatte dort noch keine Freunde gefunden. Zum Ersatz wendete sie sich an ihren Lieblingsstern am nächtlichen Himmel. Als der eines Tages zu Boden viel und ihm eine Zacke abbrach, versuchte Laura ihn wieder gesund zu pflegen. Doch ans Himmelszelt musste er auch schnellst möglichst zurück: Wenn er zu lange am Boden verbliebe, könnte er für immer verlöschen.
Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Warmherzigkeit sind demnach alles zugrunde liegende Botschaften, die bei Lauras Stern aber ohne wirklichen pädagogischen Imperativ, in durchgängig emotionalisierter Grundstimmung, mitschwingen. Beim Nachfolger ändert sich das natürlich nicht. Erstmal wird eine schöne kuschelige Atmosphäre gezaubert - Bild und Ton arbeiten hierfür Hand in Hand - und dann wird durch die Blume für ein wenig Softmoral gesorgt. Das funktioniert recht gut und erfreut die Kinderherzen. Etwas dünn an Aussage könnte es einem kritischen Erwachsenen aber mitunter schon vorkommen.
Diesmal verschlägt es Laura in das ferne China. Ihrer Mutter ist die Ehre zuteil geworden, anlässlich des Neujahrfestes im großen Opernhaus von Beijing zusammen mit einer chinesischen Musikerin ein Konzert zu geben. Kurz vor der Abreise schließt sich Laura natürlich auch ihr bester Freund, der Stern, an, der mit seinem magischen Sternenstaub und mittels einer kleinen Berührung Lauras Lieblingskuscheltiere, den Hasen und den Bären, zum Leben erwecken kann. Allerdings kann der Stern nicht mit ins Flugzeug. Die Gefahr ist einfach zu groß, bei der Sicherheitskontrolle entdeckt zu werden. Also fliegt er nebenher, bis er plötzlich in eine merkwürdige schwarze Wolke gerät, an Leuchtkraft verliert und zu Boden stürzt.
Auf einem Feld findet ihn die kleine Ling-Ling und "adoptiert" ihn gleich. Auch Ling-Ling ist einsam und sehnt sich nach solch einem außergewöhnlichen Freund. Doch der Stern möchte zurück zu Laura und fliegt, mitsamt Ling-Ling im Schlepptau, zum Opernhaus, bei dem Laura und ihre Eltern bereits angekommen sind. Bald schon kreuzen sich die Wege der Mädchen und während eines Gerangels um den leuchtenden Freund, erweckt der Stern aus Versehen das Kostüm eines Fabelwesens zum Leben: Es handelt sich um Nian, zur Hälfte Hund und zur anderen Hälfte Drache. Nach einer alten chinesischen Legende erscheint dieser in der Neujahrsnacht am Himmel und kann großes Unheil in Form einer dunklen Wolke, die alle Sterne am Himmel zum Verlöschen bringt, mit sich tragen. Laura und Ling-Ling sind die einzigen, die dies noch abwenden können.
Am ehesten lässt sich die Figur Lauras noch mit Prinzessin Lillifee vergleichen. In Punkto Merchandise hat natürlich letztere die Nase klar vorn, aber mit Blick auf die Zielgruppe und den transportierten Inhalt kommen die beiden sich doch recht nahe. Allerdings ist der ethisch-moralische Appell bei Prinzessin Lillifee deutlich klarer und unmittelbarer herausgearbeitet: Geht es doch um die Lösung ethnischer Konflikte, der Akzeptanz anderer Kulturen und der Förderung eines gemeinschaftlichen Gedankens. In homöopathischer Weise werden diese Werte auch bei Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian transportiert. Doch ist die implizierte Aussage lange nicht so präzise und eindeutig formuliert. Im Vordergrund steht hautsächlich eben die Unterhaltung der Kleinen und Kleinsten. Der Film ist somit ein bunter Bilderreigen, der kuschelwarm gefühlvoll inszeniert und musikalisch zusätzlich malerisch unterlegt ist. Beim Titelsong gibt sich schließlich keine geringere als Annette Humpe mit ihrem Song Vom selben Stern die Ehre - passender geht es nun wirklich nicht.
Und trotz seiner gefälligen Art und des grundsätzlich sensitiven Charakters bleibt die Befürchtung nicht aus, dem Film könnte, sogar bei einer Länge von lediglich 74 Minuten, etwas die Puste ausgehen. Verstärkt wird dieses Gefühl noch durch eine gewisse melancholische Grundnote, die lange mitschwingt. Doch diese Klippen werden halbwegs elegant mit träumerischen Einlagen umschifft, die mit schwelgerischer Musik und opulenter Farbenpracht beinahe schon etwas esoterisch anmuten, aber ihrerseits Fröhlichkeit und Tempo wieder ausreichend einbringen. Durch die Gegend geflogen wird auf dem Stern oder dem Fabeltier jedenfalls reichlich.
Die Mischung aus klassischer Animation, die ihre ost-asiatische Herkunft nicht ganz verleugnet (so sehen die Figuren immer noch etwas nach Heidi aus) und Computerdesign wirkt aber besonders befremdlich: Wie warm und lebendig die animierten Charaktere auch erscheinen mögen, umso bauklotzähnlicher und steril wirken dafür die im Computer produzierten Städtebilder und Gebäude. Hier geht eindeutig einiges an Charme und Wärme wieder verloren. Warum dies ausgerechnet so gelöst wurde, wird nicht ganz klar?! Möglicherweise waren es Budget- und Zeitengpässe, die diese Lösung als annehmbar und praktikabel erscheinen ließen. In der Schlussbetrachtung aber wird man Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian die kleinen Mankos überwiegend nachsehen können und seinen Kleinen zuliebe eine feine, aber bunt-kitschige Berieselungsstunde im Kino einlegen.