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Beeindruckend simpel inszenierte Zukunftsvision, in der in Rückblicken auf das heutige Treiben für und wider den Klimaschutz hingewiesen wird. Nachher ist man immer schlauer, daher wirkt der Blick aus einer (exakt so prognostizierten) Zukunft besonders sachlich und nicht panikschürend, wie oft in anderen Dokumentationen. Ein absolut empfehlenswerter Grundwissen-Film über das brennende Thema globale Erwärmung, an dem man nicht vorbeigehen sollte.
Im Jahre 2055 setzt sich ein Mann vor eine Mediendatenbank, ruft alte Nachrichtenbeiträge auf und wundert sich, wie um die Jahrtausendwende niemand merken konnte, auch welche Katastrophe die Menschheit offenen Auges zusteuerte. Am Beispiel von Menschen aus aller Welt, von Indien über Jordanien, Afrika, England und Frankreich bis in die USA wird gezeigt, welches ökologische Bewusstsein in den unterschiedlichen Bevölkerungsschichten vorherrscht. Anhand der Umweltschäden der Gegenwart, die dem Klimawandel, aber auch der Gier nach Energie zuzurechnen sind, wird gezeigt, dass die Kenntnis der Sachlage und ein Bewusstsein gegenüber dem Problem durchaus global vorhanden ist.
Doch wie der einzige Schauspieler des Films, Pete Postlethwaite, so richtig sagt, dürfte dies das erste Mal in der Geschichte des Planeten sein, dass die Nachfahren diesen nicht in einem verbesserten Zustand von uns übernehmen können. Schuld daran ist zum allergrößten Teil die Verbrennung von Öl, die über Jahrhunderte gespeicherte Sonnenenergie in wenigen Tagen freisetzt, und das meist nicht aus Notwendigkeit, sondern zum Spaß, für den "Way of Life", den man sich ausgesucht hat.
Nach dem Ende des Films wird man sich zweimal überlegen, ob man wirklich einen beleuchteten Weihnachtsmann im Vorgarten braucht, und ob man wirklich nicht Leitungswasser statt abgepacktem Importwasser trinken sollte. Auch andere Themen werden angesprochen, zum Beispiel die Produktion von Nahrungsmitteln, die Hürden beim Einrichten eines Windenergieparks, die Folgen des Ölkriegs im Irak.
Man mag denken "schon wieder so eine olle Öko-Doku, die sind ja voll in zurzeit", doch im Unterschied zu den meisten anderen Filmgenres konkurrieren Dokumentationen nicht untereinander. Jede einzelne hat ihre volle Berechtigung gegenüber dem behandelten Thema, und so kann man zum Beispiel The Age of Stupid nicht vergleichen mit Eine Unbequeme Wahrheit, auch wenn das Thema exakt gleich ist.
Natürlich handelt es sich in beiden Fällen um Filme, die dem Zuschauer mehr oder weniger gefallen können, und auf diese Weise vergleichbar sind. Viel wichtiger jedoch ist die Tatsache, dass da eine Botschaft vermittelt wird, die vernommen werden sollte. Letztendlich ist der Stil einer Dokumentation nur optisches Beiwerk, das das Zuhören im Kino oder vor der Glotze leichter macht. Das wichtige ist und bleibt die Botschaft, die "Message", die einen Eindruck hinterlassen soll.
Im Falle von The Age of Stupid hinterlässt die Botschaft einen gewaltigen Eindruck. Denn neben der Zusammenfassung der brisanten Thematik, die der Öffentlichkeit schon bekannt ist (wenn auch oft vage), ermöglicht der einmalige Stil der Doku in Form eines Rückblicks aus der Zukunft, die Probleme anzuprangern, ohne mit dem Finger zu zeigen. Mit Gewissheit eine der besten drei Dokumentationen des Jahres, sicherer Oscar-Kandidat, Pflichtfilm für alle, von Schulklassen bis zum Seniorenausflug. Beim Nachspann sitzen bleiben! |