Ohne Rücksicht auf Verluste zieht Mike Judge sein Ding durch und scheitert wieder an seinem üblichen Problem, dass er aus tollen Konstellationen zu wenig macht. Auch Ausgequetscht hatte durchaus das Potential, mit etwas mehr Kompromisslosigkeit eine bitterböse Komödie zu werden, jedoch fehlte es hier dem Macher letztendlich auch an dem Mut, seine Geschichte glaubwürdig zu Ende zu bringen.
Mit seinen kultigen Animationsserien King of the Hill und Beavis and Butthead konnte sich deren Creator Michael Judge eine kleine Fangemeinde aufbauen. Bislang war diese jedoch nicht groß genug, um seine ersten Gehversuche Idiocracy und Alles Routine kommerziell erfolgreich in die Kinos zu bringen. Dennoch bekamen auch diese Filme nach ihrer DVD-Auswertung einen gewissen Kultstatus, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sich in seinem neuesten Film Ausgequetscht wieder eine ganze Reihe bekannter Namen wiederfinden.
Der Besitzer einer Firma für Pflanzenextrakte, Joel Reynolds, steht vor dem großen Geld. Nächste Woche soll sein Unternehmen für einen Betrag in Millionenhöhe verkauft werden und er somit den großen Reibach machen. Doch bis dahin läuft die Produktion alles andere als reibungslos: Als sich ein Mitarbeiter schwer verletzt, wittert die Kleinganovin Cindy das große Geld und will gemeinsam mit dem Opfer die Firma für Unsummen verklagen. Gleichzeitig versucht sie ihren verheirateten Chef mit ihrem Auftreten um den Finger zu wickeln. Dieser zeigt sich dabei alles andere als abgeneigt, hat jedoch Gewissensbisse gegenüber seiner Frau und würde zuvor gerne wissen, ob sie in einer solchen Situation ähnlich reagieren würde, so dass kurzerhand ein Gigolo für sie engagiert wird...
Es vergehen nur wenige Minuten bis dem Zuschauer klar ist, dass er sich in einem typischen Mike Judge Film befindet. Seine Independentkomödien wirken so verschroben und speziell, dass seine Handschrift nahezu unverkennbar ist. Dennoch hat seine Geschichte wie so oft die dumme Angewohnheit, dass sie aus ihrem Ansatz zu wenig macht und zu sehr auf platte Gags, wie bspw. dem Vertauschen von Drogen und deren Auswirkungen, setzt. Ein weiteres Problem ist, dass viele der Situation zwar kurzzeitig zum Schmunzeln anregen, aber der Zuschauer sich nicht wirklich amüsieren kann, da die Story einfach viel zu großes Mitleid mit dem Hauptcharakter erzeugt. Zudem fehlt es dem Ganzen an Mut, die offenen Handlungsstränge kompromisslos zu Ende zu bringen, so dass sich hier alle Konflikte unglaubwürdig nahezu von selbst lösen.
Da Mike Judge für seine Filme meist nur wenig Geld zur Verfügung hat, nutzt er dies meist, um für ein reales Umfeld für die Charaktere zu sorgen, um so den Realitätsgrad nach oben zu schrauben. Dies gelingt ihm auch vorzüglich, gerade das Set von Reynolds Unternehmung sieht aus, als würde man sich tatsächlich in einer Produktion befinden. Des Weiteren ist neben dieser schlichten Gestaltung des Umfelds noch der gute Musikeinsatz zu vermerken, der vor allen Dingen zu Beginn den Zuschauer hervorragend ins Geschehen bringt.
Ausgequetscht hat das große Glück, eine Vielzahl bekannter Gesichter vorzuweisen. Dabei wurde Jason Bateman einmal mehr in seiner Paraderolle verpflichtet und spielt diese wie gewohnt zurückhaltend und glaubwürdig. Während J.K. Simmons und Saturday Night Life-Ikone Kristen Wiig (trotz einer herrlichen Szene gegen Ende) eher zu Stichwortgebern verkommen, kann Ben Affleck mit lockiger Haarpracht und Rauschebart als Bartender für die humoristischen Einlagen sorgen und überrascht den Zuschauer mit einigen durchaus gelungenen Einlagen. Mila Kunis hingegen tut genau das, wofür sie gecastet wurde: Sie ist eine Mischung aus heißer und gleichzeitig unschuldig süß wirkender Braut, die mit ihrer Stimme nahezu jeden Mann um den Finger wickeln könnte.
Insgesamt betrachtet vereint Ausgequetscht nahezu alle Stärken und Schwächen eines Mike Judge Filmes. Der Film sprüht vor schrägen Charakteren, hat ein realistisch wirkendes Szenario, mit dem sich jeder Zuschauer identifizieren kann, und strotzt teilweise vor herrlichen Ideen. Gleichzeitig werden diese Ansätze jedoch viel zu mutlos zu Ende gedacht, so dass der Zuschauer am Ende eher etwas ernüchtert auf die vergangenen 90 Minuten zurückblickt und sich des Gedankens nicht erwehren kann, dass hier doch mehr drin gewesen wäre.