Reine Geldmache oder ein gut gemeinter Einblick für alle Fans? Als sehr umstritten kam Michael Jackson This Is It für lediglich zwei Wochen in die Kinos und spaltete damit die Filmfreunde. Sicherlich nur für ein spezielles Publikum ist diese Biografie von Interesse. Aber für die bietet sich ein einmaliger Blick in die Tourneeproben von Michael Jackson und einer begeisterten Crew. Dabei geht es nicht nur darum, die grandiose Show in Grundzügen zu visualisieren, sondern auch den Menschen Michael Jackson näher zu bringen. Wird ihn dieser Film auch nicht entschlüsseln, so gibt es doch faszinierende Einblicke in die Vorbereitungen zu einer Show, von der niemand weiß, wie Sie tatsächlich geworden und angekommen wäre.
Es kann durchaus vorkommen, dass Dokumentationen am Pranger stehen. Weil sie brisante Themen ansprechen oder weil sie eine Sichtweise präsentieren, die manche lieber unter Verschluss gehalten hätten. Anders liegt der Fall bei Michael Jackson This Is It, der Doku über die Konzertproben von Michael Jackson, kurz vor seinem tragischen Tod. Denn der Film ist deshalb so umstritten, weil er als letzte, würdigende Hommage an den King of Pop gilt und gleichzeitig auch als reines Profitobjekt der Menschen, die mit dem Verstorbenen noch so viel Geld wie möglich machen wollen. Die Einstufung des Filmes als das Eine oder das Andere bleibt wohl jedem Kinogänger selbst überlassen, aber wer sich diesen Film ansieht, der hat sich höchstwahrscheinlich bereits entschieden.
Die Konzert-Doku beginnt mit kleinen Interviewsequenzen von jungen Tänzern, die kurz vor dem Auswahlverfahren stehen. Die Aussicht darauf, dass sie bald mit dem King of Pop auf der Bühne stehen könnten, macht sie nervös, ängstlich und vor allem glücklich. Dann nehmen die Tourproben seinen Lauf und Michael Jackson ist mittendrin, seine alten und seine uralten Hits singend, tanzend, planend. Schnell wird deutlich, dass dem Zuschauer nicht nur gezeigt werden soll wie MJ probte, in welcher Verfassung er dabei war und was er vor hatte, sondern auch welches Spektakel die Abschiedstour des Ausnahmekünstlers geworden wäre. Kleine Filmsequenzen und Animationen, die bei der Tour auf einer Leinwand gezeigt worden wären, geben einen Eindruck von den Plänen der großen Crew.
Dabei achtet man vor dem tragischen Hintergrund natürlich auf jeden Schritt des King of Pop, auf seine Worte und sein Verhalten. Es ist ein Hin- und Hergerissen sein zwischen Mitleid mit dem mitgenommenen, schlanken Mann der seine Augen meist hinter einer dicken Sonnenbrillen verbirgt, und wahrscheinlich zu diesem Konzertmarathon gezwungen wurde und Bewunderung für einen Künstler, der nichts dem Zufall überlässt und perfektionistisch jeden Schritt des Konzerts durchplant. Jeder Ton muss stimmen, der Übergang perfekt sein und er allein gibt das Kommando. Seinem Stand als Mittelpunkt des Ganzen ist er sich also durchaus bewusst und dennoch gibt er ein schwer durchschaubares Bild von sich ab. Auch in diesen letzten Aufnahmen bleibt Michael Jackson ein geheimnisvoller Mann, der mal verunsichert und schüchtern wirkt, und dann wieder selbstbewusst den Ton angibt.
Der Konzertfilm entschlüsselt diesen umstrittenen Menschen nicht und gibt natürlich auch keinen entscheidenden Hinweis darauf, wie gut oder schlecht es ihm vor seinem Tod ging. Aber das war sicher auch nie Sinn des Filmes, dessen Umsetzung Regisseur Kenny Ortega (High School Musical) kurz nach Jackos Tod in die Hand nahm. Alle Interessierten erhalten einen besonderen Einblick in die Proben zu einer Tournee, die nie wirklich begann. Mit dem Wissen um Jacksons bevorstehenden Tod, schaut man diesen Film wie keinen anderen. Es erscheint wie ein letzter Blick auf etwas unwiederbringliches, eine letzte Kostprobe seines Könnens. Der 50-Jährige ist nicht mehr der unverbrauchte Superstar wie vor Jahrzehnten, aber er beweist Stimme, Gefühl und natürlich sein unverwechselbares Tanztalent. Diese Begabungen will er vor allem nutzen, um auf die Umweltprobleme hinzuweisen und auf die Unabdingbarkeit etwas zu tun, um den Planeten vor Zerstörungen zu retten.
Im Rahmen des Konzerts hätte Jackson seine Karriere noch einmal durchlaufen, angefangen bei den Jackson 5 bis hin zu seinen unvergessenen Solo-Erfolgen. Der Abschied von der Bühne wurde zum vorweggenommenen Abschied für immer und der biografische Film ermöglicht Fans einen Blick auf das musikalische Schaffen des King of Pop. Das gepaart mit emotionalen Momenten, mit Einblicken in den Michael, wie er als Mensch war oder zumindest gewesen sein könnte. Für Fans ist diese Dokumentation schon allein vom emotionalen Wert her ein absolutes Muss, für Nicht-Fans gibt es sicher wenig Gründe dafür ins Kino zu gehen. Egal ob Geldmache oder Hommage an den großen Star: Der Film zeigt einen hart arbeitenden Jackson, der von allen Seiten Bewunderung erfährt obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht der glorifizierte Verstorbene ist. Gerade diese wahre Würdigung seiner Arbeit ist es wert, dass dieser Film seinen Weg in die Öffentlichkeit fand.