Der Besucher Poster

Film-Seite zu Der Besucher
Trailer zu Der Besucher
Poster zu Der Besucher
PDF zu Der Besucher

Der Besucher

(Muukalainen, 2008)

Dt.Start: 05. November 2009 Premiere: 31. August 2008 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 103 min Land: Finnland, Deutschland, UK, Estland
Darsteller: Vitali Bobrov (Der Junge), Emilia Ikäheimo (Die Mutter), Pavel Liska (Der Besucher), Jorma Tommila (Der Vater)
Regie: Jukka-Pekka Valkeapää
Drehbuch: Jan Forsström, Jukka-Pekka Valkeapää


Inhalt

Finnland. Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein stummer 10jähriger Junge lebt alleine mit seiner Mutter, da sein Vater im Gefängnis sitzt. Die beiden leben abgeschieden und ruhig in den finnischen Wäldern, bis plötzlich ein angeschossener Mann mit einer Nachricht des Vaters auftaucht und das Leben der Familie völlig durcheinander gerät.
Shopping-Box
DVDs zu Der Besucher Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Der Besucher Poster & Merchandise
zum Film
Der Besucher bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Der Besucher bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Besucher hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 27%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Der Besucher hat eine Wertung von 27%
Es gibt Filme, die entziehen sich von Beginn an jeglicher Kategorisierung. Sie lassen sich weder gut in einen zeitlichen Kontext packen, noch dramaturgisch zu einem bestimmten Genre zuordnen. Ob sie deswegen in irgendeiner Form, gut oder schlecht, herausragend sind, ist damit noch lange nicht gesagt. Der Besucher ragt mit Sicherheit heraus. Auf jeden Fall in Punkto Purismus. Wer Filme mag, in denen nahezu nicht gesprochen wird und die mit einer Komposition aus Bild, Ton und Musik "magisch gefangen nehmen", der könnte sich, wenn schon nicht angenehm unterhalten, wenigstens kunstvoll bezirzt fühlen.

Bild aus Der Besucher Um müßigen Diskussionen vorzubeugen: Kunst muss nicht gefallen und ist natürlich nicht zur bloßen Unterhaltung gedacht. Das gilt für Film, der auch eine Kunstform ist, ebenso. Kunst bedarf auch überhaupt keiner Legitimation. Dem einen wird eine leere weiße Leinwand reichen, ein anderer fügt dem einen blauen Punkt in der Mitte hinzu, und ein dritter belässt es lieber bei der weißen Leinwand, nur macht er aus der rechteckigen Form, gleich mal zwei Dreiecke. Und alles darf sich Kunst nennen. Soviel Sarkasmus im Vorfeld eines Filmes? Wo wird das wohl hinführen? Nun, man mag sich auf die Seite der Kunst schlagen, aber Der Besucher nötigt dem Zuschauer nicht nur eine Menge Goodwill ab; der Film produziert regelrecht eine Stimmung, die den Zuschauer bleischwer in den Sessel drückt und deswegen gleich von "fesselnder Inszenierung" zu sprechen, erscheint dann mehr als gewagt.

Die Handlung ist in Finnland, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angesiedelt. Richtig klar ist das nicht; genauso gut könnte der Film ein-zwei Jahrhunderte früher spielen. Zumindest wirkt die Stimmung auf dem Hof, der im Zentrum der Geschichte steht, so, als würde er regelrecht außerhalb der Zeit existieren. Gewirtschaftet wird aber, unter ärmlichsten Verhältnissen, eindeutig beinahe wie im Mittelalter. Auf diesem Hof, inmitten der wilden finnischen Wälder, lebt ein zehnjähriger, stummer Junge (Vitali Bobrov) gemeinsam mit seiner Mutter (Emilia Ikäheimo). Sein Vater (Jorma Tommila) sitzt im Gefängnis. Dort besucht ihn der Junge gelegentlich und erhält Anweisungen. Als eines Tages ein Fremder (Pavel Liska) mit einer Notiz des Vaters und einer Schusswunde in der Seite auftaucht, beginnt alles langsam aus den Fugen zu geraten.

Doch nur, falls man überhaupt so lange ausharren konnte, um etwas davon mitzuerleben. Wenn es einem Film nach nahezu einer Stunde immer noch nicht gelungen ist, auch nur halbwegs etwas wie einen Plot aufzuweisen, kann selbst der geduldigste Cineast, der über eine noch so große Bandbreite filmischer Vorlieben verfügt, wirklich die Geduld verlieren. Da mag vorher in die puristische Realität der "Handlung" mittels Bild und Musik noch so viel surreale Stimmung hineinfabuliert worden sein. All diese "magischen Momente" wirken dann, angesichts des Fehlens eines Storytelling-Grundgerüsts, eher unfeiwillig komisch. Vielleicht sogar ärgerlich, da sie eine Dynamik in der Entwicklung des Geschehens versprechen, welche einfach nicht eintreten will.

Es fällt wirklich schwer dem Film im klassischen Sinne inszenatorisch wie dramaturgisch viel abzugewinnen. Wollte man dies partout dennoch tun, ließen sich viele Worte über die kunstvolle Ausgestaltung mit sparsamsten Mitteln, der Arbeit mit Perspektive sowie mit Licht und Schatten, verlieren. Schönreden lässt sich ja vieles. Die Frage könnte allerdings auch genauso gut lauten: geschieht dies nicht manchmal einfach des Konsens Willens, oder wird man von dieser obskuren Stimmung und Ausgestaltung wirklich berührt?

Lob oder Tadel über die Leistung der Darsteller zu verlieren, erübrigt sich größtenteils auch. Vielleicht zu Unrecht, da gerade in solch puristischen Werken die Schauspieler eine regelrecht bühnenreife Leistung abliefern müssen. Aber wie dem Respekt zollen, wenn die gesamte pseudo-kafkaeske Atmosphäre jegliche Impulse, Gefallen am Film zu Finden, im Keim erstickt. Einzig bekanntes Gesicht in Der Besucher ist ohnehin nur Pavel Liska, der zumindest, vor nicht allzu langer Zeit, in Der Dorflehrer unter Beweis stellte, dass er zu den besseren seines Fachs gehört.

So schwierig der Zugang zum Film fällt, ebenso schwierig gestaltet sich dann auch das abschließende Fazit. Schnell verfällt man auf die Plattitüde: Man wird es lieben oder hassen. Bei diesem Film kann man nicht einmal das mit Sicherheit behaupten. Sicher ist nur, dass Der Besucher absolut kein Film für eine größere Gemeinde von Filmfreunden ist und im höchsten Maße Geschmackssache sein wird.



Weitere interessante Filme


Leider haben wir derzeit keine Vorschläge zu diesem Film.
Film vorschlagen
 

© 2012 MovieMaze.de