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Sonic Mirror

(Sonic Mirror, 2008)

Dt.Start: 15. Oktober 2009 Premiere: 25. April 2008 (Finnland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 79 min Land: Schweiz, Finnland, Deutschland
Darsteller: Big Band Espoo, Randy Brecker, Bill Cobham, Debalê Malê, Peu Meurray, Percussion Okuta, Brito Rasta
Regie: Mika Kaurismäki
Drehbuch: Uwe Dresch, Marco Forster


Inhalt

Billy Cobham ist einer der besten Jazzdrummer der Welt und saß schon für Miles Davis am Schlagzeug. Ob ein Auftritt in Finnland, der Besuch bei seinen Eltern in New York oder eine Session mit autistischen Musikern in seiner Wahlheimat der Schweiz - Filmemacher Mika Kaurismäki hat ihn begleitet. Eine Reise in die Welt der Musik auf mehreren Kontinenten ist dabei entstanden, die nicht nur das Leben Cobhams, sondern auch die Bedeutung der Töne und Klänge für den Menschen ergründet.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Sonic Mirror hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Sonic Mirror hat eine Wertung von 75%
Musik hat die Macht Menschen zu einen, ihnen die Möglichkeit eines Ausdrucks zu verleihen und über viele Grenzen hinweg, soziale wie kulturelle, Brücken zu bauen. Und Musik kann auch eine heilsame Kraft entfalten. Der finnische Filmemacher Mika Kaurismäki stellt in seinem dritten Film, der sich der Welt der brasilianischen Rhythmen und ihrer Klangvielfalt annimmt, einen der herausragenden Schlagzeuger der Gegenwart in den Mittelpunkt. Seinem Schaffen rund um den Globus und dem, was er mit der Musik bewirkt, ist dieser ebenso fetzige wie berührende Film gewidmet.

Bild aus Sonic Mirror Sonic Mirror, wörtlich "Klangspiegel", beschreibt den elementaren Zusammenhang von Musik und Tanz, von Musik und Bewusstsein, von Rhythmus und Leben. So fühlt und denkt es Billy Cobham, einer der bedeutendsten Schlagzeuger und Perkussionisten der Gegenwart. William C. Jr. Cobham wurde am 16. Mai 1944 in Panama geboren und zog 1947 zusammen mit seinen Eltern nach New York City. Sein Bühnendebüt gab er bereits mit acht Jahren an der Seite seines Vaters, einem renommierten Pianisten. Cobhams Stil und seine musikalische Vielfalt sind legendär: Er kombiniert afrikanische und karibische Rhythmen mit Blues und Jazz und hat schon mit Größen wie Miles Davis und Horace Silver zusammengearbeitet.

Cobham bildet auch das Herzstück dieser Doku. Sein Wirken als Musiker, Arrangeur, Lehrer und Produzent. Er gibt nicht nur Konzerte auf der ganzen Welt, sondern arbeitet gleichermaßen mit Slumkindern in Südamerika, als auch mit Autisten in der Schweiz. Einige davon sind dermaßen in sich gekehrt, dass sie sich nur durch Klänge ausdrücken und mit der Außenwelt kommunizieren können. Die Reise beginnt aber in New York, dort wo Cobham aufgewachsen ist und seit seiner frühesten Kindheit Musik ausgesetzt war. Er hatte gar keine andere Wahl, als selber eine Größe der Szene zu werden. Vater und Sohn schwelgen in Erinnerungen: Der Vater führt die Musikalität seines Sohnes auf seinen eigenen Einfluss als Pianist zurück, Cobham meint es läge doch eher am Radio, das ständig lief - beide lachen herzhaft.

Weiter geht die Reise nach Brasilien: Cobham arbeitet dort mit jungen Talenten. Die Musik kann ein Weg raus aus den Slums sein. In afroamerikanischen Musikgruppen organisieren sich die Musiker und Tänzer und trainieren hart jeden Tag, um beim Karneval ihr Können zum Besten zu geben. Wenn dann alle bei diesem gewaltigen Event in Rhythmus und Takt verschmelzen, ist es schon wirklich ein berauschendes Erlebnis. Da fällt es mitunter schwer ruhig im Kinosessel zu verharren. Die letzte Station der Doku ist dann wieder in der Schweiz bei den Autisten, die gemeinsam ein Stück einstudiert haben. Hier offenbaren sich auch die heilenden Kräfte der Musik und ihre Universalität als Kommunikationsmittel. Es ist eine bewegende Symphonie derer, die sonst in ihrem Selbst gefangen sind. Man hätte sich im Vorfeld nur etwas mehr Hintergrundinformationen über den genauen Einsatz der "musiktherapeutischen Mittel" und den Verlauf der erzielten Fortschritte gewünscht. So wirkt alles etwas Versatzstückhaft.

Mika Kaurismäki ist der ältere, weniger bekannte, der beiden Brüder, aber ebenso wie sein berühmter Bruder auch Regisseur. Seit dem Jahr 2000 lebt der Filmemacher in Brasilien und hat bereits mehrere Filme gedreht, welche die musikalische Vielfalt Brasiliens zum Thema haben (Moro no Brasil, Brasileirinho). Sonic Mirror ist sein drittes Projekt diesbezüglich und obwohl diesmal eine Berühmtheit der Schlagzeugerszene im Mittelpunkt steht, ist doch wieder die Musik an sich der "heimliche Star" und natürlich das, was sie zu bewirken in der Lage ist.

Sensibel und mit Raffinesse fügt der Finne Bild und Ton zueinander. Kombiniert ruhige erzählerische Passagen mit schnellen und mitreißenden Sequenzen. Die Botschaft ist eindeutig. Und der zutiefst menschelnde Musiker Billy Cobham leistet seinen Teil, diese zu transportieren: Musik schafft Zusammenhalt, auch über die Grenzen von Ethnizität und Kultur hinweg; sie gibt den Menschen Kraft und eine Perspektive; sie kann dem Anspruch auf soziale Gerechtigkeit und Bildung einen Ausdruck verleihen und vermag autistischen Menschen als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel zu dienen. Sonic Mirror ist ein positivistischer und kurzweiliger Film ohne pathetisch oder kitschig zu sein, der dem Musikschaffen viele Facetten hinzufügt und einen großen Musiker unserer Zeit portraitartig einfängt.



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