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Kühler Thriller vom Lande, basierend auf dem bekannten Kriminalroman von A. Schenkel und geeignet für Kenner des Buches, aber auch für den Filmabend zu zweit. Die Tatsache, dass der zugrunde liegende Mordfall bis heute ungelöst ist, lässt es den Zuschauern sowieso kalt den Rücken hinunterlaufen. Eine der letzten Rollen der unvergleichlichen Monica Bleibtreu, die an der Seite einer stets gefassten Julia Jentsch spielt.
Nur wenige Stunden, nachdem sich die neue Magd auf dem einsam gelegenen Tannödhof vorgestellt hat, wird die ganze Bauersfamilie Danner brutal erschlagen. Auch die Magd entkommt dem Täter nicht, erst einige Tage später werden die Leichen gefunden. Wie das passieren konnte, fragen sich alle im Dorf, doch das warum interessiert kaum einen. Denn der alte Danner war ein Tyrann, die ganze Familie verschroben und schräg. Selbst die Kinder waren Außenseiter in der Schule. Wahrscheinlich, weil eigentlich keiner so recht wusste, wer denn nun deren Väter sind.
Zwei Jahre nach der Bluttat kommt die junge Krankenschwester Kathrin ins Dorf, um ihrer verblichenen Mutter das letzte Geleit zu geben. Die alte Frau hatte sich stets einem Besuch ihrer Tochter verweigert, und in die Stadt zu ihrer Kathrin hat sie es nie geschafft. Schnell brechen die Fragen rund um den Tannödhof wieder auf, das schreckliche Verbrechen ist noch immer ungelöst und ungesühnt. Und nach nur wenigen Gesprächen muss Kathrin feststellen, dass sie mehr mit der Sache zu tun zu haben scheint, als ihr lieb ist.
Tannöd ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andrea Maria Schenkel, der in den 1950er-Jahren spielt und wiederum auf dem realen Mordfall von Hinterkaifeck von 1922 basiert. Liest man sich in den echten Mordfall ein, so kommt einem der Film durchgehend völlig anachronistisch vor, da man ständig an den Beginn des 20. Jahrhunderts denken muss und nicht an die Wirtschaftswunderzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nichtsdestoweniger vermag die Regisseurin Bettina Oberli (Die Herbstzeitlosen) die eisige, trostlose Stimmung rund um den Mordhof gekonnt einzufangen. Die herbstliche Nebelstimmung scheint allgegenwärtig in dem Film, und schleicht sich so auch in die Seelen der Zuschauer.
Die Erzählung springt zwischen verschiedensten Perspektiven hin und her, man läuft Gefahr, die Übersicht zu verlieren. Doch wer dranbleibt, wird belohnt mit einem schaurig-schönen Gruseldrama mit hervorragenden Schauspielern.
Leider macht das schaurige Wetter dem Film aber auch einen dicken Strich durch die Rechnung. Denn erst, wenn man gruselige Kälte auch bei schönstem Sonnenschein aufkommen lassen kann, ist man ein wahrer Meister des Filmemachens. Auch konkurriert der Film stimmungs- und landschaftsmäßig mit dem hervorragenden Jennerwein, an dem er sich, zumindest im oberbayerischen Raum, messen lassen muss. Trotzdem kann Tannöd nicht nur jedem Kenner des Buches nur ans Herz gelegt werden. |