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Nachdem ich den Film in den letzten Wochen immer wieder verpaßt hatte, machte ich mich gestern abend auf den Weg ins nächstgelegene Kino, um mir Natürlich Blond! anzusehen. Bisher hatte ich ganz nette Dinge über dieses Filmchen gehört, was auf einen vergnüglichen Kinoabend hoffen ließ. Ganz ehrlich gesagt war ich nach dem mittaglichen Weil es Dich gibt-Erlebnis allerdings sowieso schon glücklich und zufrieden, weshalb ich an diesem Tag nicht unbedingt auf ein weiteres denkwürdiges Kinoerlebnis angewiesen war. Es hätte mich jetzt aber auch nicht gestört, wenn es sich bei Natürlich Blond! um einen spitzenmäßigen Film gehandelt hätte. Taktisch geschickt war zumindest meine Kinobegleitung gewählt: Vier adrette Mädels (wenngleich eine von ihnen nicht wirklich blond war) und ein männlicher Leidensgenosse, wodurch es mir möglich war, die offensichtlichen Klischees mit denen der Film (leider nicht ganz so geschickt wie er es gern gewollt hätte) jonglierte, sogleich wieder als bittere Wahrheiten bestätigt zu bekommen und mich mit einem zweiten Vertreter des männlichen Geschlechts postwendet darüber auszutauschen. Die Stimmung war auch ganz in Ordnung auch wenn ich mir erhofft hatte, bei der ersten Hauptvorstellung des Films in einem ausverkauften Saal zu sitzen. Aber man kann eben nicht alles haben.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der Abend war unterhaltsam, der Film selbst nicht. Ich fand den Film sogar ziemlich schlecht wenn ich ehrlich bin. Größter Kritikpunkt: Natürlich Blond! verfolgt einfach keine klare Linie. Auf der einen Seite stellt er viele Dinge deutlich überspitzt dar und ist dabei richtig witzig, auf der anderen Seite verliert er sich dann aber immer wieder in dümmlichen Albernheiten. Manchmal hatte man das Gefühl Natürlich Blond! wollte sich über seine Hauptfigur und den dadurch repräsentierten Typ Frau lustig machen und im nächsten Moment schien es plötzlich so, als wollte er mit Vorurteilen gegenüber diesem Typ Frau aufräumen und uns Zuschauern zeigen, daß hinter einem naiven Blondchen durchaus eine hochintelligente Frau stecken kann. Dumm nur, daß sich die von Reese Witherspoon gespielte Elle Woods während der gesamten Filmlänge kein bischen weiter entwickelt, sie ist bereits von Beginn an die eigentlich hochbegabte und mordsmäßig intelligente junge Frau, die in der Öffentlichkeit allerdings durch übermäßige Dummheit und ihre eindimensionale, fast schon extrem peinlich wirkende Persönlichkeit auffällt. Nicht einmal den Ich-seh-zwar-dumm-aus-bin-aber-in-Wirklichkeit-ordentlich-auf-Zack-Joker durfte Reese ausgiebig ausspielen. Stattdessen verhält sich Elle mal strunzdumm, mal überraschend clever, je nachdem welches Verhalten in der jeweiligen Szene eben gerade den größeren Lacher erzielt.
Die Witze selbst sind zum Großteil schon derbe ausgelutscht gewesen und konnten daher meist nicht überzeugen. Den Running Gag mit Elle's kleinem Hund fand ich beispielsweise bereits beim ersten mal absolut unlustig, beim siebten oder achten mal ging er mir dann schon gehörig auf die Nerven. Zugegeben, es waren auch ein paar wirklich nette Jokes dabei, doch die haben es letztendlich leider nicht rausgerissen. Die Nebenfiguren blieben alle recht farblos, was auch für die entsprechenden Darsteller gilt. Einzig und allein Reese Witherspoon lieferte eine akzeptable Darbietung, doch wer die Frau in Filmen wie Election gesehen hat, weiß zu wieviel mehr sie eigentlich im Stande ist. Im großen und ganzen gehört Natürlich Blond! zu den Filmen die man sich getrost sparen kann, auch wenn man den Kinobesuch hinterher nicht vollkommen bereut. |