Den Regisseur von Kultfilmen wie Leon - Der Profi oder Im Rausch der Tiefe hat man auf Anhieb nicht als Kinderbuchautor auf der Rechnung. Doch Luc Besson gelang es mit den Büchern um Arthur, einen 13-jährigen Jungen, der zwischen unserer Welt und einem Mikrokosmos, der von Winzlingen bevölkert wird, reisen kann, eine internationale Marke zu setzen. Nun kommt der zweite Teil der Saga in die Kinos und dass die Computer bei der Berechnung der virtuellen Welten geglüht haben, sieht man dem Werk zuweilen an. Der kreative Einfallsreichtum scheint aber eher erloschen. Richtig originell ist anders und droht nicht noch mit Fortsetzung.
Dass Luc Besson ganz eigene und manchmal etwas surreal anmutende Welten zu erschaffen vermag, ist nichts Neues. Und so haben gleich die ersten drei Bände der mehrteiligen Kinderbuch-Reihe um "Arthur und die Minimoys" weltweit die Bestsellerlisten gestürmt und gingen in über 30 Ländern mehr als eine Million Mal über den Ladentisch. Da war es für Besson regelrecht eine Pflichtaufgabe, diese neue Welt auch auf die große Leinwand zu befördern. Und der Erfolg gab ihm Recht: Allein in Frankreich sahen sich 6,5 Millionen Zuschauer den Film an, der weltweit 113 Millionen Dollar einspielte. Wundern braucht es also nicht, wenn ein zweiter Teil bereits in den Startlöchern steht.
Arthur (Freddie Highmore) verbrachte mit seinen etwas überspannt wirkenden Eltern die Sommerferien im Haus der Großeltern fernab der Stadt. Er hat gerade alle Prüfungen eines geheimen Initiationsritus erfolgreich bestanden und wurde von den noblen Kriegern vom Stamm der Bogo-Matassalai (so eine Art schwarze Öko-Indianer) als Gleicher unter Gleichen aufgenommen. Das größte Abenteuer steht ihm aber noch bevor: Der zehnte Vollmond naht, und das bedeutet für ihn, dass er endlich in das fantastische Königreich der Minimoys zurückkehren kann. Dort warten, neben all seinen kleinen Freunden, auch die wunderschöne Prinzessin Selenia und ein Willkommensfest auf ihn.
Plötzlich erreicht Arthur aber ein Hilferuf; sind die Minimoys in Gefahr? Er überlegt nicht lange und begibt sich Hals über Kopf mithilfe eines riskanten Rituals auf die überstürzte Reise zu seinen Freunden. Kaum angekommen, muss er sich auch schon mit den Truppen von Kröb, dem neuen Tyrannen der Sieben Königreiche, herumschlagen. Und das Schlimmste kommt noch: Selenia ist verschwunden - vermutlich gekidnappt - und ein alter Widersacher, der bösartige M ist zurück und hat finstere Pläne. Die Welt der Menschen wirkt ungemein reizvoll auf ihn; wenn Arthur schrumpfen kann, um zu den Minimoys zu gelangen, muss umgekehrt auch ein Weg ins Menschenreich existieren.
Man sollte in dieser Welt schon irgendwie zuhause sein oder zumindest den ersten Film gesehen haben, andernfalls könnte die Verwirrung beachtlich sein. Was da so alles passiert, wirkt nicht immer gerade plausibel. Am besten tröstet man sich damit, dass es Fantasy für Kinder ist und keiner besonderen Erklärung bedarf. Die ersten Minuten, in denen die Zwei-Millimeter-Wichte vorgestellt werden, wirken allerdings wirklich etwas befremdlich: Die Minimoys sind gerade etwas gestresst, da das Willkommensbankett für Arthurs Rückkehr unmittelbar bevorsteht; da werden unliebsame Bienen, die ihnen beim Sammeln kulinarischer Köstlichkeiten in die Quere kommen, auch schon mal mit der Beeren-Kanone vertrieben. Und Verstärkung wird prompt eingeflogen, während im Hintergrund ein Thema aus Apocalypse Now, gerade so vernehmbar, eingespielt wird; französischer Humor der etwas speziellen Besson-Art?
Dass dieses Abenteuer aber auch wirklich komplett (Drehbuch, Regie, Produktion) aus der Kreativwerkstatt des Meisters stammt, wird im Verlauf sogar noch deutlicher: Die Fahrt quer durch eine Mikrostadt, die allerlei buntes Getier beherbergt, erinnert sehr deutlich an Taxifahrten aus dem Universum von Das Fünfte Element. Und auch der Chefbösewicht sieht aus, wie einer der Söldneraliens aus ebengleichem Film - sogar samt abgeknicktem Ohr. Besson scheint hier alte Entwürfe, die ohnehin in seinen cineastischen Schubladen schlummern, einfach noch einmal zu verwursten.
Die Computerwelten in dieser etwas gewöhnungsbedürftigen Mischung aus Real- und Animationsfilm können sich aber durchaus sehen lassen. Schlechter als manch eine großambitionierte Produktion aus Übersee sehen die CGI-Einlagen hier auch nicht aus. Und damit die avisierte Zielgruppe hierzulande sich auch mit dem animierten Arthur-Wicht anfreunden kann, wird dieser in der deutschen Fassung von Bill Kaulitz, dem Leadsänger von Tokio Hotel, synchronisiert; seltsamerweise sehen sich virtuelle Filmfigur und Synchronsprecher sogar recht ähnlich, abgesehen davon, dass Arthur platinblond ist; aber wer weiß, vielleicht entscheidet sich Kaulitz demnächst mal für eine andere Haarfarbe?
Richtig gefallen möchte die ganze Inszenierung aber nicht. Die Realgeschichte wirkt zwar gar nicht so uninteressant und strahlt einen schrullig-altbackenen Charme aus, wohingegen die Reise ins Mikrouniversum aber die Geschichte zeitweise sehr überlädt; irgendwo fühlt man sich verloren zwischen diversen Deja-Vu's und einer Mischung aus Star Wars (der bunten Vielfalt der Figuren wegen), Peter Pan (der virtuelle Protagonist erinnert schon ein wenig an ihn) und der Biene Maja (schließlich befindet sich der Held miniaturisiert im Insektenreich). Hat man sich von dieser Reizüberflutung erholt, passiert in der Folge kaum noch nennenswertes. Im letzten Drittel wird dem genervten (jungen) Zuschauer die Handlung sogar nur noch erzählt, anstatt filmisch zu zeigen was da alles zwischenzeitlich passiert ist (anderseits spart das etliche lang gezogene Minuten). Getoppt wird alles aber mit einem fiesen Cliffhanger zum Schluss, der alle Fans auf Mitte 2010 und eine weitere Fortsetzung vertröstet. Nein Herr Besson, wie gemein und wie berechnend.