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Liebe Mauer

(Liebe Mauer, 2009)

Dt.Start: 19. November 2009 Premiere: 19. November 2009 (Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Komödie, Drama
Länge: 107 min Land: Deutschland
Darsteller: Maxim Mehmet (Sascha), Felicitas Woll (Franzi), Anna Fischer (Uschi), Karl Kranzkowski (Vater Kurt), Margarita Broich (Tante Jutta), Gisela Trowe (Oma Emma), Katja Danowski (Charly), Waldemar Kobus (Schulze), Uwe Steimle (Stasi-Oberleutnant Haack), Stefan Dietrich (Leutnant Schneider)
Regie: Peter Timm
Drehbuch: Peter Timm


Inhalt

Berlin 1989: Um einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, leistet Sascha drei Jahre Dienst bei der NVA an der Mauer ab. Auf der anderen Seite, im Westteil der Stadt, wohnt Franzi. Als Studentin ist ihr die günstige Wohnung an der Mauer gerade recht. Nach einem Trip in den Osten lernen sich die beiden kennen und lieben. Heimlich kommunizieren sie über die Grenze hinweg und nutzen jede Gelegenheit, um sich zu treffen, während sich die weltgeschichtlichen Ereignisse überschlagen. Doch auch die Staatsmacht hat ein Auge auf das Liebespaar geworfen.
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Kritik

Liebe Mauer hat eine Wertung von 37%
Liebe ist immer etwas Wundervolles und Liebe passiert nun einfach mal. Kaum dass man es sich versieht, hat man sein Herz verloren. Diesem mögen zwar Flügel wachsen, dem Rest aber nicht ohne weiteres. Dass es heißt, Liebe würde alle Grenzen überwinden, entpuppt sich dann mitunter als Trugschluss. Franzi kam nach Berlin, um zu studieren. Nun liebt sie einen DDR-Soldaten und er natürlich auch sie. Aber wie soll das alles ein gutes Ende nehmen können? Eine berechtigte Frage, die sich auch der Zuschauer im Verlauf dieses grenzwertigen Gebalzes stellt. Ein Film der Gattung: je länger, desto schlechter.

Bild aus Liebe Mauer Im Jahre des 20-jährigen Jubiläums, des innerdeutschen Mauerfalls, stehen zu selbigem Thema selbstverständlich auch Filme auf dem Programm. Und die romantische Liebe über Grenzen hinweg war seit jeher beliebtes Motiv, um Geschichten zu erzählen; warum also nicht beides miteinander kombinieren? Es ist das Jahr 1989: Franzi Schubert (Felicitas Woll) ist gerade in Berlin angekommen. Sie möchte in der geteilten Stadt studieren. Zum Glück, da sie typisch Student notorisch Pleite ist, konnte ihr ihre Tante Jutta (Margarita Broich) eine günstige Wohnung verschaffen. Nur 100 DM Miete und eine Top-Aussicht inklusive: direkt auf die Mauer.

Unmittelbar vor dem Mehrparteienhaus befindet sich der gut bewachte Übergang zwischen dem Ost- und Westteil der Stadt. Auf dem Wachturm an diesem Grenzübergang, genau gegenüber von Franzis Fenster, schiebt der Volksarmist Sascha Meier (Maxim Mehmet) Dienst. Eigentlich hat er fürs Militär nicht viel übrig; viel lieber würde er Medizin studieren. Das darf er aber nur, wenn er drei Jahre bei der NVA abdient. Trotz der Trennung in zwei deutsche Staaten ist 1989 die Grenze aber durchaus nicht mehr so schwer passierbar. Zumindest nicht für die Westdeutschen, die in den Ostteil wollen, um dort einzukaufen und ein paar Devisen dazulassen.

Für Franzis knappe Haushaltskasse scheint sich damit eine Quelle für günstige Lebensmittel aufzutun. Kurzentschlossen macht sie sich also zum "Shopping" in das andere Deutschland auf und plündert dort die von der sozialistischen Planwirtschaft gefüllten Regale. Auf dem Rückweg und schwer beladen, gerade als der Schlagbaum der Ostzone hinter ihr herunterkommt, reißen ihr die Tüten und ihre, mit harter Westwährung erbeuteten Ostgüter, purzeln aufs Pflaster. Sascha, der sie die ganze Zeit von seinem Wachposten aus beobachtet, eilt ihr zu Hilfe: Todesmutig (Franzi befindet sich schließlich nicht mehr auf DDR-Territorium) hilft er ihr die Lebensmittel wieder einzusammeln, während die Kalaschnikows seiner Kameraden auf ihn gerichtet sind. Bei seinen Kommunisten-Vorgesetzten macht er sich mit dieser Aktion (auch wenn er anschließend brav auf sozialistischen Grund zurückkehrt) keine Freunde. Franzi hat die waghalsige Anmache aber mächtig imponiert. Da wird alsbald wieder ein "Ost-Einkauf" nötig sein.

Eine innerdeutsche Romanze kurz vor der Wende. Das ist im Wesen alles, was es über Liebe Mauer zu sagen gibt. Natürlich atmet der Film das Flair und den Zeitgeist dieses geschichtlich bedeutenden Augenblicks. Aber die Chance, ein Portrait der Zeit und des Lebens "drüben" zu zeichnen, wurde größtenteils verpasst oder lag womöglich gar nicht in der Absicht von Regisseur Peter Timm. Dabei hat der eigentlich reichlich Erfahrung mit Ost-West-Themen. Nach Meier (1986), Go Trabi Go (1991) und Der Zimmerspringbrunnen (2001) ist Liebe Mauer bereits seine vierte Hommage an die speziellen Befindlichkeiten in und auch aus der Ex-DDR.

Leider gerät ihm aber einiges im aktuellen Streifen allzu sehr zur Klamotte. Der gesamte Militär-Apparat, Stasi und Geheimdienst im Osten, wird auf ein albernes Niveau verharmlost und der Lächerlichkeit preisgegeben, dass es beinahe schon an einen Clever & Smart-Comic erinnert: Die Ossi-Dödel-Spione laufen mit Abhör-Equipment herum, dass selbst die ollsten Agentenfilme vergangener Tage dagegen wie Hi-Tech-Spektakel anmuten. Und die Geheimdienstler benehmen sich gleich dermaßen deppert, dass Peter Selers im Original von Der Rosarote Panther glatt als James Bond durchgehen würde. Zwar wird auch der Westgeheimdienst (sei es BND oder der amerikanische CIA) auf die Schippe genommen; doch erweckt dies allzu sehr den Eindruck einer (filmischen) "ausgleichenden Gerechtigkeit".

Etwas ins Hintertreffen gerät bei alldem, dass der Kalte Krieg zwischen den Blöcken nun gar nicht so witzig war und die Menschen hüben wie drüben sehr lange in der Angst vor einer Eskalation lebten; auf beiden Seiten waren schließlich Atomwaffen stationiert! Die Taten von DDR-Grenzern und Stasi-Mitarbeitern wecken bei den Opfern und deren Angehörigen bestimmt auch keine Assoziationen an eine alberne Staatsmacht. Wenn man also keine wirkliche Satire über die Zeit und den "sozialistischen Apparat" inszenieren wollte, sollte man sich diese Bezüge immer präsent halten. Liebenswert schrullig oder nonchalant-charmant war an der Unterdrückung der persönlichen Freiheit in diesem System und an dem Schussbefehl an der Mauer nun wirklich nichts.

Sieht man von diesen "Kleinigkeiten" ab, startet der Film zwar mit reichlich romantischem Charme; Felicitas Woll ist auch eine Darstellerin, die das gut zu vermitteln vermag; mit der Zeit geht der Story aber deutlich die Puste aus. Das reine Liebespiel hat gerade mal Potenzial für eine lang gezogene Tele-Novela-Episode. Ohne die geheimdienstlichen Ränkespielchen (so fragwürdig sie auch sein mögen), hätte es diese Geschichte nicht mal auf Spielfilmformat geschafft. Mit am schlimmsten aber - und damit vergrault man sich komplett jede ältere Zielgruppe, die mit dieser Zeit persönliche Erinnerungen verbindet - ist der unsägliche Soundtrack: So was von schmalzig nervig; nicht nur begleitend, sondern brachial gefühldusselig, dem Zuschauer immer mit dem Romantik-Presslufthammer ins Hirn schlaghämmern wollen, was er gerade in dieser oder jener Szene (mit)zu-empfinden hat. Es wird bestimmt noch andere filmische 20-Jahr-Oden geben. Liebe Mauer muss es nicht unbedingt sein, wenn man nicht gerade ein ausgesprochener Seifenopern-Fan ist.

von Dimitrios Athanassiou


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