The Horse Boy Poster

Film-Seite zu The Horse Boy
Trailer zu The Horse Boy
Poster zu The Horse Boy
Offizielle Seite
PDF zu The Horse Boy

The Horse Boy

(The Horse Boy, 2009)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: Januar 2009 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 93 min Land: USA
Darsteller: n/a
Regie: Michel O. Scott
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Nachdem der fünfjährige Autist Rowan beim Aufsitzen auf ein Pferd des Nachbars plötzlich seine Wutanfälle verliert, beginn sein Vater und Reisejournalist Rupert Isaacson Recherchen anzustellen. Gemeinsam mit seiner Frau Kristin und Rowan macht er sich auf in die Mongolei, dem Heimatland des Reitens. Hier sollen zahlreiche Schamane dazu beitragen, dass sich Rowans Gesundheitszustand verbessert.
Shopping-Box
DVDs zu The Horse Boy Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu The Horse Boy Poster & Merchandise
zum Film
The Horse Boy bei eBay Artikel bei eBay
zum Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

The Horse Boy hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 68%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
The Horse Boy hat eine Wertung von 68%
Autismus zählt zu den menschlichen Krankheiten, die nicht einheitlich diagnostizierbar sind. Glaubt man der Weltgesundheitsorganisation, gibt es keine zwei Autisten, die exakt dieselben Symptome haben. Dies macht Autismus einerseits schwer nach dem Buch behandelbar, andererseits vergrößert es jedoch die Wahrscheinlichkeit für andersartige Therapierungen. Wie im Fall der texanischen Familie Isaacson, deren autistischer Sohn nach einem Ausflug zu Schamanen Besserungen zeigte. Inwieweit diese Dokumentation manipuliert wurde, um die richtigen Dinge zu zeigen, kann nicht gesagt werden. Die Inszenierung jedenfalls ist durchaus emotional und mitreißend.

Bild aus The Horse Boy Rupert Isaacson vergleicht die Autismus-Diagnose seines Sohnes Rowan mit dem Gefühl von Schlägen mittels eines Baseballschlägers. Autisten haben Kommunikationsprobleme, sowie Schwierigkeiten mit anderen Sozialeigenschaften. Rowan antwortet Regisseur Michel O. Scott nicht auf die Frage, wie sein Name lautet. Er lebt in seiner eigenen kleinen Welt, die immer wieder von teilweise stundenlangen Wutanfällen durchschüttelt wird. Es ist kein einfaches Leben für Rupert und seine Frau Kristin. Weil sie ihren Sohn nicht ein Leben lang in Windeln herumlaufen lassen wollen, putzen sie lieber jedes Mal die Exkremente aus seiner Hose. In der Hoffnung, dass es Rowan eines Tages selbst lästig wird, in die Hose zu machen.

Dann kam aber die Wende, nachdem Rowan auf den Hof des Nachbarn gerannt war und dort auf einem der Pferde aufsaß. Die Wutanfälle waren weg, Rowan wurde plötzlich zugänglich. Ein Gefühl, wie ein sonniger Tag nach dem Winter, beschreibt Rupert Isaacson. Auch die anderen Tiere spüren, dass Rowan anders ist. Dass vom ihm keine Gefahr ausgeht. Seelenruhig sitzt ein Zicklein mit dem Jungen in einer Box, während er es am Hals zieht. Dass Rowans Wutanfälle auf dem Pferd ablassen, erklärt sich Temple Grandin, selbst Autist und Professor für Tierkunde, in dem Rhythmus und der Balance, die durch das Reiten ausgelöst werden. Rowans Vater recherchiert nach, stößt auf die Mongolei als Heimatland des Reitens und liest von mächtigen Schamanen, die über Heilkräfte verfügen.

Daher macht sich die Familie auf eine Reise jenseits der Wüste Gobi und beginnt eine Odyssee von Erfolgserlebnissen und Geduldspielen. Wo sich das Elternpaar auspeitschen lassen und die Genitalien waschen muss. Und wo Rowan zum ersten Mal in seinem Leben aktiv mit einem anderen Kind spielt. Neun Schamane, einen heilenden Fluss und ein legendäres Rentiervolk später presst Rupert Isaacson dann die Worte "Vielen Dank für die Heilung" hervor. Wobei hier mehr Höflichkeit als aufrichtiger Dank mitschwingt. Natürlich ist Rowan am Ende nicht geheilt vom Autismus, das wäre auch abwegig. Aber sein Verhalten hat sich gebessert, vielleicht weniger wegen den Schamanen, denn durch die Aktion an sich. Eine derartige Reise voll von neuartigen Erlebissen könne ein guter Stimulus für die Entwicklung eines autistischen Kindes sein, meint Simon Baron Cohen, Direktor für Autismus Forschung.

Insofern verspricht The Horse Boy für Eltern von autistischen Kindern eventuell zum falschen Propheten zu werden. Denn nur weil bei Rowan der Mongolei-Trip zu den Schamanen zur Verbesserung geführt hat, muss dies noch lange nicht auf jedes oder überhaupt ein zweites autistisches Kind zutreffen. Für den Dokumentarfilm ist es natürlich von Vorteil, dass eine Besserung eingetreten ist. Exemplarisch in der Szene, in der Rowan zum ersten Mal selbst sein Geschäft verrichtet. Die ganzen Qualen, die sowohl die Isaacsons als auch Rowan in den Tagen zuvor erleiden mussten, von ununterbrochenen Wutanfällen bis hin zu austretenden Pferden, machen sich hier letztlich bezahlt. Manchmal, so erzählt Rupert Isaacson einige Tage nach der Ankunft in der Mongolei, habe er gezweifelt, ob er das Richtige tue, indem er seinen Sohn all diesen Strapazen aussetzt. Ein leichter Anflug von kritischer Hinterfragung und Selbstzweifel - doch eventuell nur klug platziert.

Denn die Hintergründe zu dieser Dokumentation sind weitaus kalkulierter als man annehmen möchte. So ging The Horse Boy ein gleichnamiges Buch voraus, welches Rupert Isaacson geschrieben hat. Für dieses Buch erhielt er von seinem Verlag eine Million Dollar - bevor er überhaupt in die Mongolei gefahren war und sich Rowans Zustand verbessert hat. Verleger Michael Pitsch war sich sicher, dass "unabhängig vom Ergebnis" das Buch "bewegend, dramatisch und interessant" ausfallen würde. So erklärt sich auch die Finanzierbarkeit dieser außergewöhnlichen Heilungsmethode. Und es nährt sich der Verdacht, dass Reisejournalist Isaacson vielleicht seinen Sohn dazu missbrauchte, um an einen Buchvertrag zu kommen. Die Dokumentation von Scott, deren Drehbuch Isaacson schrieb und bei deren Inszenierung er als Co-Regisseur fungierte, finanzierte der Vater dann selbst. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten scheinbar, profitierten doch sowohl der Verlag wie auch Jungregisseur Scott und die Isaacsons selbst.

Seit dem Trip in die Mongolei, der vor zwei Jahren stattfand, besuchte Rupert Isaacson mit Rowan auch noch Schamanen in Namibia. Ob für dessen Entwicklung oder um neuen Erzählstoff zu sammeln ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass Isaacson bereits an einem neuen Buch und einem neuen Film arbeitet. So kalkuliert das ganze Projekt The Horse Boy wohl auch sein mag, es funktioniert über weite Strecken des Filmes. Man fühlt mit den Eltern und lacht mit Rowan, wenn es ihm gelingt aus seiner Versunkenheit auszubrechen und gemeinsam mit seinen Eltern zu spielen. Der Grad zwischen Wissenschaft und Esoterik wird dabei meist gekonnt beschritten. Man weiß nicht, ob die Schamane Rowan "geheilt" haben. Sicher sei nur, dass sich seine Situation gebessert habe. Nichts Genaues weiß man eben nicht. Auch nicht, inwieweit Isaacson den Film manipuliert hat, damit er so wurde wie er ist. Solange Rowan aber nicht unter all dem zu leiden hat, bleibt es eine Win-Win-Situation für alle. Auch für die Zuschauer.



Weitere interessante Filme


Leider haben wir derzeit keine Vorschläge zu diesem Film.
Film vorschlagen

 

© 2012 MovieMaze.de