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LowLights - Eine Nacht, ein Ritual

(Artimos sviesos, 2009)

Dt.Start: 29. April 2010 Premiere: 05. Juli 2009 (Festival, Tschechien)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 92 min Land: Litauen
Darsteller: Dainius Gavenonis (Tadas), Julia-Maria Köhler (Laura), Jonas Antanelis (Linas)
Regie: Ignas Miskinis
Drehbuch: Ignas Miskinis


Inhalt

Linas vertreibt sich des Nachts die Zeit damit, als sogenannter "Night Driver" ziellos durch die Straßen zu fahren. Dabei trifft er zufällig auf seinen alten Schulfreund Tadas. Um etwas Schwung in dessen offensichtlich langweiliges Leben zu bringen, bietet Linas an, ihn mitzunehmen und in die Geheimnisse der Nacht einzuweihen. Als sie auf Laura treffen, von der Linas sofort fasziniert ist, verpasst Tadas den Moment, seinem Freund zu erzählen, dass er mit der Schönen, die das Spiel mitspielt, verheiratet ist.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

LowLights - Eine Nacht, ein Ritual hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 33%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
LowLights - Eine Nacht, ein Ritual hat eine Wertung von 33%
Der Tag geht und die Nacht kommt. Nichts Außergewöhnliches. Die braven Bürger, alles Tagmenschen, betten sich zur Ruhe, und die rast- und ruhelosen Nachschwärmer tauchen in die diese hinein und leben ihr wahres Ich aus. So ungefähr beginnen einige bedeutende Filme, welche Geschichten über die besondere Erotik der Nacht erzählen und Portraits von Menschen zeichnen, die im gedämpften Licht ein anderes Leben führen. Sollte das auch die Absicht von Low Lights gewesen sein, scheint diese durch eine sinnentleerte Inszenierung im Dunkel der Nacht verloren gegangen zu sein.

Bild aus LowLights - Eine Nacht, ein Ritual Nachdem die Sonne hinter dem Horizont abgetaucht ist, erwacht die Stadt zu neuem Leben. Sie ist für die Schlaflosen, jene, die sich gerne treiben lassen. Sie tauchen zu dieser Stunde in ihren persönlichen Rhythmus ein und leben ihre ganz speziellen Rituale. Tagmenschen sind da anders: Tadas (Dainius Gavenonis) und Laura (Julia Maria Köhler) führen eine gefühlsarme Ehe, gehen arbeiten (Robotern gleich), essen, schlafen - existieren regelrecht aneinander vorbei. Eines Tages begegnen sich Linas (Jonas Antanelis) und Tadas wieder. Linas ist ein alter Schulfreund und spürt gleich, dass Tadas ein wenig Abwechslung und Abenteuer in seinem tristen Leben nötig hätte.

Gemeinsam machen sie sich, als die Lichter den Wechsel von Tag zu Nacht besiegelt haben, mit dem Auto auf, den Puls der Stadt in der Dunkelheit zu erfühlen. Tadas ist von diesem seltsamen Trip zunächst mehr als irritiert und fühlt sich auch nicht ganz wohl bei der Tour: Sie cruisen über die Straßen der Stadt, fahren ein Stück Autobahn rauf, nächste Abfahrt wieder runter - ganz ohne Ziel. Im Tank immer nur zwei Liter, damit sie öfter Pausen machen müssen - auch so ein Ritual.

Optisch ist Low Lights nicht uninteressant. Perspektivisch stets außergewöhnlich gefilmt, werden viele teils hypnotische Kamerafahrten eingesetzt. Es gleicht dem Versuch, einen Film mit Bildern komponieren zu wollen. Doch es gibt keine Story, keinen Plot, kein warum, wieso und wohin. Die Figuren sind wie Splitter eines unbekannten Ganzen; verfügen über keine Vorgeschichte und keinen Unterbau. Selbst das wäre vernachlässigbar, wenn dieses halbherzige Roadmovie wenigstens mit starken Eindrücken aufwarten würde. Aber es passiert kaum etwas - ein ewiger sinnloser Kreislauf.

Diese Leere der Figuren war vielleicht tatsächlich dafür vorgesehen, Spannung zu erzeugen. Als leere Hüllen sind die Charaktere in ihrer Entwicklung sich vollends selbst überlassen. Es könnte also regelrecht überall hin gehen. Und als Zuschauer wartet man auch darauf, dass sich irgendwelche Abgründe auftun. Oder zumindest die Nacht dafür herhält, aus der faden eigenen Identität herauszutreten und womöglich ein paar Tabus zu brechen. Die Motivkrümel zumindest, die absichtsvoll (oder unbedacht?) vorher eingestreut wurden, lassen vermuten, dass unter der grauen Oberfläche der Charaktere etwas Geheimnisvolles schlummert oder Gefährliches lauert. Der Bürosklave Tadas wirkt zu Beginn, als würde er gar nicht richtig in das hier und jetzt hineingehören. Seine Frau Laura verheißt zunächst zwar nicht viel, versucht sich aber später regelrecht neu zu erfinden. Und scheint dann voll unerfüllter erotischer Phantasien. Schlussendlich Linus, der urplötzlich zu Beginn auftauchte, könnte alles sein: Krimineller, Chaot, Psychopath.

Low Lights verfängt sich in diesen Andeutungen, erfüllt aber im Nachhinein kaum die aufgebauten Erwartungen. Zwar gesellt sich tatsächlich eine Spur erotischer Spannung hinzu, als Laura mit in die nächtliche Fahrt eintaucht und aus der "Roadshow mit Kaffeepausen" ein pseudo-amouröses Katz-und-Maus-Spiel wird. Doch echte "Höhepunkte" bleiben auch hier aus. Etwas skurrile Komik bringen hingegen ein paar bunte Autotuner hinein, mit aufgemotzten Plastikboliden, die wie überdimensionierte Matchboxautos aussehen. Mehr als einen Spritzer Farbe in diesen spritarmen Straßentest bringt das unterm Strich aber auch nicht; da auch diese Figuren reine Staffage sind. Alles wirkt letztendlich, als hätte man es aufs Geratewohl motivisch eingeworfen. Getreu dem Motto: Vielleicht ist es am Ende noch zu irgendetwas gut. Falsch gedacht: Außer der reinen visuellen Handwerksarbeit (vielleicht interessant für Studenten des Filmfachs) bietet Low Lights kaum etwas, was der größeren Erwähnung wert wäre. Typischer Fall von Film für Menschen mit Einschlafschwierigkeiten: Spät abends einlegen (wer geht denn ins Kino für sowas?!) und schön dabei wegschlummern - und der letzte macht das Licht (ganz) aus.



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