Eine schwarze Familie macht Ski-Urlaub. Das hört sich nach klassischem Ethnokitsch oder gagreicher Komödie an. Triff die Elisabeths entpuppt sich aber über weite Strecken als feinsinnige Unterhaltung, die viele der hiesigen Migrations-Dramödien alt aussehen lässt. Im Mittelpunkt ein Vater, der trotz leeren Taschen versucht, seinen Kindern einen tollen Urlaub zu bescheren und gleichzeitig darum kämpft, seine Ehe zu retten. Bitter-süße Geschichte mit Gewichtung der komödiantischen Seite, welche die melancholischen Momente aber nicht ausspart und somit durchaus anrührt. Schwächen ergeben sich aber im zu simpel-plakativen Finale.
Mit Ethnokomödien a la couleur ist das Publikum hierzulande in letzter Zeit gut gesegnet. Aber auch andere Nationen haben eine "Migrationstradition" und auch dort gibt es kleinere und größere Culture-Clash-Phänomene. Die Grande Nation beispielsweise, unser französisches Nachbarland, hat als ehemalige Kolonialmacht durchaus Spuren hinterlassen. Vom zweifelhaften Ruhm dieser Zeit ist zwar nicht viel übrig, aber immer noch ist in vielen der ehemaligen Kolonialgebiete (heute alles eigenständige Nationen) die Landes- oder Verkehrssprache Französisch. Und viele, der dort Geborenen, glauben auch heute sich in Frankreich verwirklichen zu können.
Jean-Gabriel (Lucien Jean-Baptiste), aus der Karibik nach Frankreich gekommen und auf die 40 zugehend, ist im Kopf und im Herzen ein liebenswerter Chaot. Letzteres wäre nicht besonders tragisch, wenn er wenigstens sein Oberstübchen ab und zu einschalten würde; denn leider lassen sich seine beruflichen Träume nur schwer mit der Realität vereinbaren. Anstelle einer soliden Anstellung bei der Post, die ihm seine Frau Suzy (Anne Consigny) über ein paar Kontakte verschafft hat, schlägt er sich lieber mit Gelegenheitsjobs durch - meist fliegt er sogar schnell raus, da seine Arbeitsmoral von einer nonchalanten Gemächlichkeit begleitet wird. Jean-Gabriel ist für niedere Arbeit halt nicht geschaffen. Er weiß tief in seinem Herzen, dass er eigentlich für etwas Höheres bestimmt ist: Moderator beim Radio, mit eigener Sendung.
Suzy macht diese Haltung wahnsinnig. Sie geht den lieben langen Tag arbeiten und muss abends obendrein die Familie versorgen - und das ist, inklusive der drei gemeinsamen Kinder, ein Fünf-Personen-Haushalt - während Jean-Gabriel seinen Träumereien nachhängt. Zu allem Überfluss ist Jean-Gabriel regelrecht wettsüchtig. Jeder Euro, der in seiner Tasche landet, läuft Gefahr beim Pferderennen verzockt zu werden. Eines Tages, während des gemeinsamen Abendessens mit den Kindern, eskaliert die Situation: Suzy möchte ein ernsthaftes Gespräch mit Jean-Gabriel führen, dieser hat aber nur Flausen im Kopf und verspricht mit leeren Taschen einen Ski-Urlaub mit allen. Jetzt muss er auch Wort halten. Suzy will zwar nicht mitfahren und die Zeit nutzen, um über die Beziehung nachzudenken, aber sie stellt ihn auf die Probe. Wenn es mit dem Versprechen nichts wird, ist es aus mit der Ehe. Jean Gabriel weiß gar nicht worauf er sich da einlässt: Ein Ski-Urlaub ist nicht gerade günstig; vor allem, wenn man gar keine Ausrüstung hat und wie soll er alleine die Kinder eine Woche lang versorgen? Kurzerhand rekrutiert er seine Mutter, die denkt, ihr Sohn möchte ihr einen Urlaub spendieren; von Arbeiten war nicht die Rede - und überhaupt: fünf Schwarze im Schnee, wenn das mal gut geht!
Auf Anhieb denkt man vielleicht an Komödien wie Cool Runnings, aber damit hat Triff die Elisabeths rein gar nichts gemein; abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass ein Haufen Schwarzer im weißen Element immer ein etwas skurriles Bild abgibt. Und im Wesen ist der Film ein wenig auch Tragikkomödie und nicht nur locker flockige Comedy-Unterhaltung. Auch wenn es ein turbulenter temporeicher Reigen mit viel Witz und Charme ist, läuft als Nebenplot stets die Beziehungskrise mit. Es ist die Geschichte eines lebenswürdigen Träumers, den die Realität einholt und die Gravitation seiner Finanzen tüchtig auf den Hintern setzt. Jemanden zu erleben, der sein Leben so richtig an die Wand gefahren hat und nun verzweifelt versucht seine letzte Chance zu wahren, ist nicht wirklich immer ein reines Vergnügen (gelegentlich liegt da einem schon ein, Mensch! Was machst du da bloß?!, auf der Zunge). Und die Wettsucht wird dieses tragische Element noch fördern.
Vielleicht gehen die Franzosen aber mit manchen Dingen schlussendlich lockerer um; selbst wenn dieser Streifen in Grunde recht amerikanisch wirkt. Es ist nicht klassisches französisches Kino, dort wurde selbst im Komödienfach ehemals viel Wert auf durchdachte Dialoge gesetzt und die Auflösungen waren nicht simpel und plakativ. Was das betrifft, erinnert Triff die Elisabeths besonders bei den Slapstick-Einlagen reichlich an Übersee-Kino. Trotzdem aber kann der Film seine europäische Herkunft nicht ganz leugnen: Es ist der besondere Charme und eine Situationskomik, der es trotz etwas obskurer Wendungen gelingt, glaubhaft zu wirken. Das liegt vor allem an den natürlich, authentisch und frisch aufspielenden Darstellern; hier macht der französische Nachbar dem deutschen Kino halt wie immer einiges vor.
Im Umgang mit dem Migrations-, Minderheiten-, oder Mischehen-Thema kommt ebenfalls keine bleierne moralische Schwere auf. Jean-Gabriel ist schwarz seine Frau weiß - alles in bester Ordnung. Er ist deswegen auch nicht weniger Franzose. Kein einziges Mal wird sein mangelnder beruflicher Ehrgeiz (und die drohende Trennung) auf seine karibische Herkunft zurückgeführt. Dass es die Menschen dort mit der Dringlichkeit des Gelderwerbs nicht so genau nehmen, reicht vielleicht aus, um ein paar Gags abzufeuern, aber hält nicht dafür her, daraus eine Stereotype zu machen und sie wie einen ethnischen Stempel einzusetzen. Dass die Familie als Schwarze im Ski-Urlaub etwas auffallen, wird für die Pointengewinnung zwar eingesetzt - aber auf der anderen Seite wird daraus trotzdem kein Rassismusdrama. Von dieser Lockerheit und Natürlichkeit im Umgang mit Menschen anderer Hautfarben und Kulturen können sich nicht nur die Filmemacher hierzulande einiges abschauen. Dann wären auch Reportagen wie Schwarz auf Weiß in Zukunft vielleicht nicht mehr nötig. Triff die Elisabeths macht jedenfalls reichlich Laune, trotz eines sehr plakativen Finales, und dem einen oder anderen möglicherweise auch Lust mal wieder die Piste unsicher zu machen.