|
Wer sich bei Gegen jeden Zweifel auf einen spannenden und packenden Justizthriller gefreut hat, der kann den Kinosaal eigentlich direkt wieder verlassen. Wer "Justizthriller light" mit geradliniger und simpler Geschichte sucht und mit einer stellenweise zu sehr konstruierten Story und wenig Tiefe kein Problem hat, der ist bei dem Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1965 goldrichtig. Was Peter Hyams da präsentiert, kann man sich aber auch getrost sparen.
Der Anwalt Mark Hunter konnte in seinen letzten 17 Verhandlungen, bei denen es um Mord ging und es kaum stichhaltige Beweise gab, jeweils den Mörder überführen. Von der Bevölkerung wird er dafür gefeiert, da sie die vermeintlichen Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt sehen. Doch einer zweifelt gehörig an der Ehrlichkeit des ehrgeizigen Mannes. Seines Zeichens Enthüllungsreporter, wittert C.J. Nicholas eine riesen Story, die ihm sogar den Pulitzer Preis einbringen könnte. Er vermutet gefälschte Beweise, mit denen die Verdächtigen überführt werden und hat es sich zum Ziel gesetzt, die unmoralischen Machenschaften aufzudecken. Hierfür möchte er sich selbst unter Mordverdacht bringen, um Mark Hunter bei frischer Tat zu ertappen. Einziger Eingeweihter und damit auch der einzige, der C.J. im Ernstfall entlasten können wird, ist sein Kollege und guter Freund Corey Finley. Dieser hält alles auf Film fest. Doch im entscheidenden Moment geht etwas schief und so muss Nicholas plötzlich darum kämpfen, seine Unschuld doch noch beweisen zu können.
Angesichts der Geschichte hätte Gegen jeden Zweifel ein ganz interessanter Film werden können. Man denkt sofort an andere bekannte, intelligente und fesselnde Justizthriller, die mit so vielen Verschwörungen und hinterlistigen Machenschaften aufwarten, dass man nur noch mit den Ohren schlackern kann. Meist sind diese Filme so intelligent gestrickt, dass man als Zuschauer äußerst aufmerksam bleiben muss, um wirklich jedes Detail mitzubekommen und dann im Endeffekt den Clou zu verstehen. Bei dem vorliegenden Remake von Peter Hyams ist dies nicht so. Die Geschichte verläuft dermaßen geradlinig und einfach, dass man ohne Probleme folgen kann. Von "intelligenten Täuschungsmanövern" oder ähnlichem kann hier aber auch nicht die Rede sein. Da das im Normalfall die Faszination ausmacht, bleibt bei Gegen jeden Zweifel nicht mehr viel übrig, was den Zuschauer dann zu begeistern vermag.
Vor allem die erste Hälfte zieht sich enorm in die Länge, denn hier werden die Charaktere eingeführt und die Grundvoraussetzungen geschaffen. C.J. Nicholas, gespielt von Jesse Metcalfe (Desperate Housewives, Rache ist Sexy), misstraut Mark Hunter, wiederum verkörpert von Altmeister Michael Douglas. Mit von der Partie sind außerdem noch dessen Mitarbeiterin Ella, mit der C.J. anbandelt, sowie dessen Freund und Kollege Corey Finley. Normalerweise sollte dieser Teil des Films den Zuschauer einführen, in die richtige Stimmung bringen und ihn in das Geschehen einbinden. Leider bleibt dies völlig aus und man kann sich zu keinem Zeitpunkt mit einer der handelnden Figuren identifizieren. Auch baut man weder Hass noch Sympathie für irgendjemanden auf. Es ist einem schlicht und ergreifend egal, was da mit den Personen passiert. Dies zieht sich leider auch weiter durch den Rest des Films. Zu unemotional und ohne jegliche Spannung sind die Vorkommnisse erzählt. Den Schauspielern kann man hierbei keine echte Schuld zuschreiben, denn sie scheinen überhaupt keine Chance gehabt zu haben, mehr aus ihren flach angelegten Figuren herauszuholen.
Zu allem Überfluss stellt sich auch die Geschichte in ihrem Fortgang als wenig kreativ dar. Nicht nur einmal kommt das Gefühl auf, dass hier viel konstruiert werden musste, um alles "glatt laufen" zu lassen. Genau diese unkreativen und meist einfach nur realitätsfremden Stellen sind es, über die man immer wieder stolpert und sich die Laune zusätzlich verderben lassen muss. Das Geschehen ist an sich sauber in die heutige Zeit transferiert worden, so spielen moderne Analyseverfahren und neueste Techniken eine wichtige Rolle. Leider wurde hier aber nicht konsequent bis zum Schluss gedacht, was das ganze sehr durchschaubar und wenig überraschend macht.
Eigentlich sollte dieser Film den Zuschauer zum Nachdenken bewegen. Immerhin geht es darum, dass unschuldige Menschen durch Justizfehler bzw. Manipulationen des Mordes für schuldig befunden und verurteilt werden. In den USA heißt das nach wie vor eventuell Todesstrafe. Ein heißes Thema, welches von Gegnern der besagten Bestrafungsform nur allzu gern als Argument in den Ring geworfen wird. Doch irgendwie geht es in der hier vorliegenden schön zusammengebastelten Geschichte komplett unter. Man hatte wohl zu viel Angst, um sich auch nur ansatzweise auf eine Auseinandersetzung einzulassen. Schade eigentlich, denn so hätte man sich auch gleich den ganzen Film sparen können. Intelligente und spannende Justizthriller gibt es einige, Gegen jeden Zweifel gehört definitiv nicht dazu. |