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Micmacs

(Micmacs à tire-larigot, 2009)

Dt.Start: 22. Juli 2010 Premiere: 15. September 2009 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 104 min Land: Frankreich
Darsteller: Dany Boon (Bazil), Dominique Pinon (Fracasse), André Dussollier (Nicolas Thibault de Fenouillet), Nicolas Marié (Francois Marconi), Yolande Moreau (Tambouille), Jean-Pierre Marielle (Canaille), Julie Ferrier (La Mome Caoutchouc), Omar Sy (Remington), Michel Crémadès (Petit Pierre), Marie-Julie Baup (Calculette), Urbain Cancelier (Nachtwächter), Patrick Paroux (Gerbaud), Jean-Pierre Becker (Libarski), Stéphane Butet (Matéo), Philippe Girard (Gravier)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant


Inhalt

Bazil hat Glück im Unglück. Er wird von einer Kugel im Kopf getroffen, überlebt aber. Da sie in keinem kritischen Teil seines Gehirns gelandet ist, belassen die Ärzte es dabei und schicken ihn nach Hause. Leider hat der arme Bazil nun kein Zuhause mehr und irrt stattdessen nur herum. Da lernt er Canaille kennen. Dieser wohnt auf einer Müllhalde mit einer Gruppe von Außenseitern. Bazil schließt sich ihnen an und findet eine neue Familie. Wie es der Zufall so will, ergibt sich sogar eines Tages die Chance, es der Waffenlobby, die für die Kugel in seinem Kopf verantwortlich ist, heimzuzahlen.
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Kritik

Micmacs hat eine Wertung von 85%
Die fantasievollen Bemühungen einer Gruppe von quasi-Obdachlosen, sich für das erlittene Unrecht am System zu rächen, laden zu einem herzerwärmenden, nachdenklich stimmenden Kinoabend ein. Regisseur Jean-Pierre Jeunet blieb seinem unnachahmlichen Stil treu und inszenierte eine durchgehend sympathische, bewegende Geschichte aus dem Leben, wie sie jedem einzelnen passieren könnte.

Bild aus Micmacs Bazil hatte nie viel Glück im Leben. Als er noch ein kleiner Junge ist, wird sein Vater von einer Mine getötet, die Mutter zerbricht über den Verlust und kommt in eine Anstalt. Bazil selbst kommt aus dem Schoß der eben noch intakten Familie in ein Heim und muss sich von da an alleine durchschlagen. Bei dieser langen Wegstrecke ist es kein Wunder, dass er es nur bis zum Videothekar ohne weiteren Ehrgeiz schafft. Als er eines Tages interessiert vor die Tür tritt, um eine echte Verfolgungsjagd auf der Straße näher zu beobachten, bekommt er auch noch eine Kugel mitten in die Stirn.

Doch Bazil überlebt. Die Ärzte können die Kugel nicht entfernen, also bleibt sie drin. Als Bazil endlich wieder entlassen wird, ist sein Job weg, und seine Wohnung ebenso. Dem jungen Mann bleibt nur die Obdachlosigkeit. Nach ein paar Nächten im Freien und ein paar erbärmlichen Versuchen, sich etwas Geld zu verdienen, erbarmt sich der fliegende Händler Canaille seiner. Bazil wird auf einen Schrottplatz geführt, wo, unter einem Haufen Altmetall, eine gemütliche Behausung für eine kleine Gruppe vom Schicksal gestreifter verborgen steht.

Nachdem Bazil sich eingelebt hat und Teil der Gruppe geworden ist, kommt er an einem schicksalhaften Tag an der Zentrale des Waffenproduzenten vorbei, der die Mine hergestellt hat, die seinen Vater auf dem Gewissen hat. Und gleich gegenüber liegt die Konkurrenz, diesem Unternehmen hat Bazil die Kugel in seinem Kopf zu verdanken. Mit einem Schlag wird Bazil klar, dass er eine Mission hat, jahrzehntelang ungenutzte Energien fluten plötzlich Bazils Leben.

Mit Hilfe der anderen von der Gesellschaft Verstoßenen bereitet Bazil einen gewaltigen Coup vor, der Rache an den geldgierigen Geschäftsmännern üben soll, und zwar nicht nur für Bazil, sondern für alle, die unter Waffengewalt zu leiden haben. Die kleine Truppe erfindungsreicher (aber bettelarmer) Außenseiter kompensiert mit Entschlossenheit und Kreativität, was ihnen an Mitteln fehlt.

Dreh- und Angelpunkt des Films ist natürlich die unverschuldet katastrophal verlaufende Biographie von Bazil, für den sich erst spät im Leben die wohlverdiente Gelegenheit zur Rache ergibt. Dass diese nicht persönlich, sondern verdient ist, wird sichergestellt durch die Tatsache, dass die Antagonisten Waffenproduzenten sind, das Destillat aus Geldgier und moralischer Flexibilität, die sowieso keinerlei Sympathien verdient haben.

Das französische "Micmac" lässt sich am einfachsten als "kleine Intrige" übersetzen. Tatsächlich ist diese Bezeichnung absolut passend für die Filmhandlung, denn gerade durch die den Außenseitern nicht zur Verfügung stehenden Mittel sind diese zu kleinen, gemeinen Tricksereien gezwungen. Gefahr besteht keine, denn tiefer können sie sowieso nicht sinken, ein Gefängnisaufenthalt käme einer Vollpension gleich.

Jean-Pierre Jeunet, der so großartige Filme gemacht hat wie Delicatessen und Die fabelhafte Welt der Amélie (aber auch Alien - Die Wiedergeburt), landet seinen Hit allein schon durch die Besetzung des Bazil: Danny Boon ist ein Riesenstar, seit ganz Frankreich bei Willkommen bei den Sch'tis vor Lachen auf dem Boden gerollt ist. Mit an Bord sind außerdem Dominique Pinon, Hausdarsteller bei Jeunet und Yolande Moreau, deren Louise Hires a Contract Killer einem auch Monate nach dem Kinoerlebnis noch das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Die Geschichte, die Jeunet erzählt, ist der Inbegriff des Traums des kleinen Mannes: Einmal auf seine Kosten kommen, auf der Gewinnerstraße sein, jemandem heimleuchten. Es muss auch keiner erfahren. So kommt es, dass gerade die von der Gesellschaft am stärksten verachteten ihre Chance auf dieses unnachahmliche Hochgefühl zu nutzen versuchen. Eine großartige, verträumte Geschichte zum Schmunzeln für jedermann.

von Julian Reischl


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