Eigentlich kann es als ein gutes Zeichen angesehen werden, wenn die Fortsetzung viele Ähnlichkeiten zum Original aufweist. Doch Der blutige Pfad Gottes 2 offenbart insbesondere jene Schwächen von Drehbuchautor und Regisseur Troy Duffy, die der erste Teil noch so gut hinter seiner Originalität verstecken konnte. Das Ergebnis: eine technisch solide inszenierte, aber inhaltlich einfallslose DVD-Premiere.
Als Der blutige Pfad Gottes im Jahre 2000 als Videopremiere in den Verleih kam, entwickelte er sich auch in Deutschland nach und nach zum Kultfilm. Zwei tiefgläubige katholische Brüder namens Conner (Sean Patrick Flanery) und Murphy MacManus (Norman Reedus, Pandorum) und ihr Freund Rocco (David Della Rocco) ermordeten darin mit ihren Schusswaffen Mafiaschergen, denen es immer wieder gelang, durch die Netze des Gesetzes zu schlüpfen. Zahlreiche ebenso originelle wie preisgünstige Kniffe fanden im Film Verwendung. Stets wurde in bester Tarantino-Manier die Kontinuität der Geschichte unterlaufen und das "Danach" der gewaltsamen Auseinandersetzungen eher gezeigt als das Verbrechen selbst. Neben dem zeitlichen fiel jedoch auch das räumliche Kontinuum in sich zusammen: Agent Smecker (Willem Dafoe, Antichrist), der nachvollziehende FBI-Ermittler, befindet sich plötzlich mitten im Verlauf der Tat und veranschaulicht diese so. Und wenn dieser plötzlich bei der Rekonstruktion der Konfrontation der beiden "Heiligen" mit dem auf sie angesetzten Killer - die denkwürdigste Szene des Films - auf die Knie fällt und in Zeitlupe Schüsse gen Himmel abgibt, ist das Filmzitat, die Referenz an Platoon, offensichtlich.
Teil 2 verändert an diesem Schema kaum etwas. Wieder geht es weniger um das Konstruieren des Aktuellen als um das Rekonstruieren des Vergangenen der diegetischen Wirklichkeit. Dabei wird wieder wild mit Vulgärsprache und Schimpfwörtern um sich geschmissen, dabei wird wieder Film um Film zitiert. Und dabei tauchen wieder dieselben Figuren auf wie in Teil 1, wenn man einmal von dem weiblichen Willem Dafoe- und dem mexikanischen Rocco-Ersatz absieht, welche allerdings genau jene stereotypen Figuren des Vorgängers nahtlos ausfüllen. Fans des ersten Films wird auffallen, dass FBI Special Agent Eunice Bloom (Julie Benz) wie ihr Vorgänger mit einem großen Maß an Schlagfertigkeit aufwarten kann und bevorzugt Musik bei der Rekonstruktion von Tathergängen hört und Mexikaner Romeo (Clifton Collins Jr., Crank 2: High Voltage) nicht mehr ist, als der witzige Sidekick mit Macken, der schon im ersten Teil als komödiantisches Element so gut funktioniert hat. Und weil wir es hier mit einem veritablen Wiedersehen der Marke Klassentreffen zu tun haben, darf Rocco in Rückblenden ebenso "kurz vorbeischauen" wie Agent Smecker in einem Gastauftritt. Von einigen Szenen des ersten Films, die hier in Schwarz-Weiß hineingeschnippelt wurden, mal ganz zu schweigen.
Dumm nur, dass dabei Abnutzungserscheinungen deutlich zu Tage treten. Die schimpfwortlastigen Dialoge sind nur selten witzig und/oder pointiert, die Filmzitate viel zu platt und bar jeglichen passenden Kontexts vorgetragen, die neuen Figuren versprühen weniger Charme als die alten. Schon seltsam, dass ausgerechnet das Drehbuch innerhalb der sechs Jahre, die zwischen Ankündigung des Projekts 2002 und Drehbeginn 2008 vergingen, so wenig taugt. Und das, obwohl der sich selbst als Filmemacher-Wunderkind feiernde Troy Duffy sich gegen die miesen Miramax-Machenschaften behaupten musste, wie man in der Dokumentation Overnight sehen kann. Im Gegensatz zum Vorgänger fallen auch die spärlich gesäten Shoot-Outs im Vergleich zu den langen Dialogpassagen negativ auf. Dazu eine rätselhafte, sich zum Finale hin überschlagende Geschichte um einen anderen "Heiligen", der unschuldige Priester ermordet und indirekt mit der Vergangenheit des MacManus-Clans zu tun hat, was - Überraschung! - auch wieder in Rückblenden präsentiert wird. Originalität? Fehlanzeige! Dafür ein Cliffhanger am Ende, der schon den nächsten Teil dieser zynischen, ästhetisierten Gewaltorgie ankündigt, die dem dahingehend gar noch kontroverser diskutierten ersten Teil nicht das Wasser reichen kann.
Während man im ersten Teil mit guten Willen immerhin noch eine latente Kritik an Rechtssystem und Gesellschaft hineininterpretieren konnte, kommt Der blutige Pfad Gottes 2 ohne Tiefgang daher und man weiß nicht, ob man sich aufgrund des selbstgefälligen und selbstfeiernden Gestus des immerhin partiell kurzweiligen Films auf Teil 3 freuen soll oder nicht.
Den weisesten Satz zur Einordnung des Films formuliert Protagonist Rocco in einer der zahlreichen unnötigen Rückblenden gleich zu Beginn: "Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen. Du hast die Schwätzer und die Macher. Die Meisten sind bloß Schwätzer, die können nichts als labern. Aber wenn Alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die diese Welt verändern. Und wenn sie das tun, verändern sie auch uns, weswegen wir sie nie vergessen." Drehbuchautor und Regisseur Troy Duffy hat sich jedenfalls mit dieser schnell aus dem Gedächtnis verschwundenen Fortsetzung eindeutig als Schwätzer geoutet.