Angesichts des Kinofilmes Im Fadenkreuz - Allein gegen alle wird mir Angst und Bange, wenn ich an die nun bevorstehenden Filme zum Thema Osama Bin Laden, Taliban oder Afghanistan denke. Dabei beginnt der Film zunächst recht vielversprechend und macht Hoffnung auf einen ernstzunehmenden Film mit gewissenhaft dargestelltem politischen Hintergrund. Doch anstatt den Krieg im ehemaligen Jugoslawien in irgendeiner Form aufzuarbeiten oder auch nur ansatzweise sein Zustandekommen und die komplexen Vorgeschichte zu erklären, wird die Krisenregion am Balkan einfach nur als billiger Russen-Feindbild-Ersatz missbraucht. Man hätte genauso gut ein Drogenkartell oder irgendetwas anderes als Feindbild benutzen können, aber nein man wurstet einfach die Geschehnisse in Bosnien-Herzegowina irgendwie zusammen und herauskommt das einfach gestrickte Feindbild des kaltschnäuzigen und brutalen Serben.
Eigentlich ist Im Fadenkreuz - Allein gegen alle kaum mehr als ein schlecht getarnter Werbefilm für die Streitkräfte der USA. Denn während des Films wird ein ums andere mal deutlich gemacht, dass man beim Militär nie im Stich gelassen wird, wenn da nicht die Diplomaten wären. Diese werden im Film von NATO Admiral Piquet repräsentiert, der politische Interessen und Stabilität im Krisengebiet einer Rettungsmission des Piloten vorzieht. Selbstverständlich bekommt er für diese Einstellung den schwarzen Peter zugeschoben und bekommt nur für wenige Sekunden die Möglichkeit, besagten an US Admiral Reigart weiterzuschieben. Reigart ist es letztendlich, der ohne Genehmigung von oben, einigenmächtig die Rettungsmission initiiert. Das wird aber im Film keineswegs als falsch dargestellt, sondern vielmehr als Heldentat, die aber, um den Statuten zu genügen, mit Strafversetzung geahndet werden muß.
Das einzige was den Film ansatzweise sehenswert macht, sind die teilweise atemberaubenden Bilder von Regiedebütant John Moore. Der ehemalige Werbefilmer konnte vor allem zu Beginn des Films mit seinen Kamerafahrten und Einstellungen überzeugen. Dabei überzeugte vor allem die Sequenz, in der ein US-Kampfjet von zwei Abwehrraketen verfolgt wird und ein ums andere mal die beiden hartnäckigen Verfolger abschütteln kann. Doch je länger der Film dauert, desto öfter schlägt er mit seinen Zeitlupen und seinne hastigen Schnitten über die Stränge und tut damit dem Projekt keinen Gefallen.
Selbst wenn man den die verkorkste Rahmenhandlung von Im Fadenkreuz - Allein gegen alle einfach außen vor läßt, bleibt von der Story des Film kaum positives zu berichten. Zum einen sind die Figuren alle samt einfallslos und spiegeln das klassische Standard-Repertoire eines schlechten Actionfilms wieder. Zum anderen ist die Story teilweise dermaßen undurchdacht und unlogisch, dass man teilweise aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herauskommt. Beispielsweise bleibt einer der abgeschossenen Piloten nach der Landung mit seinem Fallschirm mitten in der saftig grünen bosnischen Wiese liegen und kommt überhaupt nicht auf die Idee, sich zu verstecken. Man muß ihm natürlich zu gute halten, dass er eine schwere Beinverletzung hat, aber andererseits ist er soeben von feindlichen Raketen abgeschossen worden, was ihm doch irgendwie Kopfschmerzen bereiten sollte. Des weiteren kamen ein paar unglaubwürdige Szenen mit Tretminen vor, sowie der blamable auftritt des Balkan-Elvis.
Mit Owen Wilson erleben wir einen Hauptdarsteller, der seine Rolle als unfreiwilliger Einzelkämpfer ganz ordentlich auf die Leinwand bringt. Dabei entwickelt er sich vom verängstigten davonlaufenden Soldaten zum abgekochten Rambo-Verschnitt, der dann am Ende in seinem übertriebenen Showdown seinen Verfolger zu Strecke bringt. Sein Leinwandkollege Gene Hackman spielt seine Rolle als gespaltener Admiral in gewohnt souveräner Manier herunter. Unterm Strich ist Im Fadenkreuz - Allein gegen alle kaum mehr als ein klassischer Kriegsfilm mit aufgepäppelter Optik. Dabei wird dem Zuschauer nicht besonders viel abverlangt, denn man bekommt außer einfachen Feindbildern, viel Geballere, rasanter Action und einen Schluß amerikanischen Heldentum kaum etwas zum Denken geboten. Kurz um: Der vollkommen falsche Film für Zeiten wie diese.