Das atemberaubende Drama im höchsten Gebirge der Welt wirkt umso stärker, da dem Zuschauer stets gegenwärtig ist, dass es sich um die wahre Geschichte der Brüder Messner handelt. Gewaltige Landschaften, unterschnitten mit menschlichen Dramen waren schon immer ein Rezept für garantierten Kinoerfolg. Bei Nanga Parbat handelt es sich um das ergreifende Schicksal eines unserer Nationalhelden auf einem der höchsten Berge der Welt. Keine Frage, diesen Film muss man sehen.
Mit seinen 8125 Metern Höhe ist der Nanga Parbat der neunthöchste Berg der Erde. Er liegt in der pakistanischen Region Kaschmir, also im Westhimalaya, und galt wegen der vielen gescheiterten Versuche der Besteigung als "Schicksalsberg der Deutschen". Diese Bezeichnung wurde in früheren Zeiten gern zu Propagandazwecken missbraucht. Die große Besonderheit am Nanga Parbat ist dessen Südwand, die Rupalwand. Mit 4500 Metern Höhe ist sie die höchste Steilwand des Planeten.
Auch für Reinhold Messner wurde der Nanga Parbat zum Schicksalsberg. Nach der Erstbezwingung besagter Rupalwand durch ihn und seinen Bruder Günther kam jener beim Abstieg ums Leben. Die Anschuldigungen gegen Reinhold Messner, seinen Bruder zurückgelassen zu haben, gingen schon mehrfach durch die Medien, und Messner selbst kehrte immer wieder zum Nanga Parbat zurück. Dieser Film erzählt die Geschichte der schicksalhaften Expedition, der Besteigung des Berges über die Rupalwand und den Tod von Günther Messner.
Da die Motivation der Figuren in einem Bergfilm sich immer um einen Gipfel oder einen besonders schwierigen Aufstieg dreht, ist es eine besonders undankbare Aufgabe, ein funktionierendes dramaturgisches Gerüst um diese Figuren aufzubauen. Die Drehbuchautoren Reinhard Klooss und Sven Severin arbeiteten eng mit Reinhold Messner zusammen, um den Ablauf der Expedition möglichst authentisch umsetzen zu können.
Zentrales dramaturgisches Element ist, neben dem Tod von Günther Messner, die sich bildende Kluft zwischen Reinhold Messner und Expeditionsleiter Dr. Herrligkoffer, der ebenfalls von der Idee besessen war, den Nanga Parbat in die Knie zu zwingen, selbst aber nicht an der eigentlichen Besteigung teilnahm. Er stellt den Antagonisten gegenüber der Hauptfigur Reinhold Messner dar.
Regisseur Joseph Vilsmeier, der streckenweise auch die Kamera führte, fängt die eisige, lebensfeindliche Atmosphäre des Westhimalaya in jeder Einstellung ein und vermittelt den einmaligen Antrieb der Extrembergsteiger gekonnt. Seine Inszenierung der Expedition ist zwar nicht außergewöhnlich, doch die Tatsache, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird, lässt es dem Zuschauer in nicht wenigen Momenten kalt den Rücken hinunterlaufen. Gerade das Wissen um den nahenden Tod des jüngeren Bruders macht das Filmerlebnis zu einer Art meditativem Erlebnis, nicht nur für Bergsteiger.
Allein schon wegen der atemberaubenden Landschaftsaufnahmen ein sehenswerter Film, insbesondere für unseren Sprachraum jedoch gerade wegen des Bezugs zu Reinhold Messner zum Grundwissen gehörend. Geeignet auch für jüngere Zuschauer, die vielleicht mit einem Kletterkurs zu Weihnachten beschenkt worden sind.