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Humpday

(Humpday, 2009)

Dt.Start: 09. September 2010 Premiere: 16. Januar 2009 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 16 Genre: Komödie
Länge: 94 min Land: USA
Darsteller: Mark Duplass (Ben), Joshua Leonard (Andrew), Alycia Delmore (Anna), Lynn Shelton (Monica), Trina Willard (Lily)
Regie: Lynn Shelton
Drehbuch: Lynn Shelton


Inhalt

Als Andrew, der lange auf Reisen gewesen ist, mitten in der Nacht seinen mittlerweile verheirateten Kumpel Ben überrascht, ist die Wiedersehensfreude groß. Auf einer Party beschließen sie aus einer Laune heraus, an einem Amateurpornofestival teilzunehmen - als Hauptdarsteller in einem selbst gedrehten Schwulenporno. Doch wie kann Bens Frau von diesem Projekt überzeugt werden?
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Humpday hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 79%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
Humpday hat eine Wertung von 79%
Zwei heterosexuelle Freunde planen etwas Originelles: Sie wollen zusammen einen Schwulenporno drehen, um an einem Amateurpornofestival teilzunehmen. Doch abseits der mangelnden Begeisterung der Ehefrau des Einen und urkomischer Situationen offenbart das Drehbuch von Lynn Shelton eine weitere, dramatische Ebene um tiefer liegende Konflikte. Diese Ebene würde man bei der Ausgangsidee, die platten Sex-Klamauk vermuten lässt, nicht erwarten.

Bild aus Humpday Seit dem großen kommerziellen Erfolg von Jungfrau (40), männlich, sucht ... und Beim Ersten Mal hat sich die amerikanische Geschlechterkomödie in eine Richtung bewegt, die fernab platten Klamauks und derben Sex-Späßen à la American Pie durchaus ernstere Töne anschlägt. Dies hat weniger mit dem Verzicht auf schlüpfrigen Humor zu tun als vielmehr mit dessen Einbettung in ein Szenario, das durchaus Tiefgang erkennen lässt, wenn es sich mit den Hindernissen beim Aufbau heterosexueller Paarbeziehungen beschäftigt. Judd Apatows Filme haben also nachhaltig auf diese Veränderung im amerikanischen Genre-Film gewirkt. Dies offenbart sich auch bei Humpday, der fernab der zutiefst klamaukigen Ausgangsidee auch die sich daraus ergebenden Konflikte thematisiert.

Zwei heterosexuelle Freunde wollen dabei zusammen Sex vor der Kamera haben - miteinander. Diese Minimal-Synopsis allein hätte schon genügend Potenzial vorgegeben für albernes und schwulenfeindliches Herumgeblödel - am besten vorgetragen vom "Stiff-Master" Seann William Scott. Doch dankenswerter Weise schlägt Regisseurin und Drehbuchautorin Lynn Shelton in dieser Independent-Produktion subtilere Töne an. Dabei geht es um die Ehe von Ben (Mark Duplass), der seiner Frau irgendwie seine Teilnahme an einem "Kunst-Projekt" im Amateurpornobereich beibringen muss, freilich seine wahre "Funktion" dabei verheimlichend. Allein diese Szene ist schon köstlich. Und es geht um Andrew (Joshua Leonard, Hatchet), der eines Nachts - nach Jahren des Umherreisens - wie aus heiterem Himmel vor der Tür seines besten Kumpels Ben steht. Als Ben den Freigeist und Single Andrew im Rahmen einer Party in seiner hippieähnlichen Wohngemeinschaft besucht, fassen beide unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen den Entschluss, mit einem eigenen Beitrag am Amateurpornofestival "Humpfest" teilzunehmen. Doch auch später - nüchtern - stehen sie zu ihrem Wort. Die Motive, die dahinter stehen, scheinen zunächst offensichtlich: Ben will Andrew beweisen, dass er trotz Ehe noch "frei" ist und autonom entscheiden kann, Andrew findet die Idee spaßig. Doch sollen sich mit zunehmender Filmlänge weitere Motive hinzugesellen - allerdings stets im angedeuteten oder spekulativen Rahmen, welcher verbunden ist mit der Interpretation des Handelns und der Mimik der beiden Männer.

Vordergründig bekommt man eine frivole Buddy-Komödie mit einigen schrulligen Charakteren präsentiert, die im Kern durchaus einige Anknüpfungspunkte an Zack and Miri Make a Porno erkennen lässt. Darunter versteckt sich jedoch ein menschliches Drama um unterdrückte Wünsche und Sehnsüchte, welches von Lynn Shelton durch teilweise minutenlange Dialogszenen durchaus ernst genommen wird. Die authentisch wirkende Inszenierung verstärkt dabei die Intensität von Humpday: Durch die vielen Großaufnahmen und die Handkamera ist der Zuschauer stets mittendrin im Geschehen, auf eine Untermalung mit Filmmusik wurde verzichtet. Dass dieser realistische Stil ab und an dazu neigt, auch klischeehafte Konflikte aufzuzeigen (nachdem Ben zu spät heimkommt und seine Frau mit dem Essen sitzen lässt, besteht erst einmal Klärungsbedarf), ist dabei neben der etwas zu sehr zum Kammerspiel neigenden Inszenierung der einzige Schwachpunkt, der auffällig zu Tage tritt.

Humpday ist in Anbetracht der prüden amerikanischen Gesellschaft ein mutiger und in jedem Falle sehenswerter Film mit origineller Ausgangsidee. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass der Film beim Sundance Filmfestival 2009 ausgezeichnet wurde. Dabei ist es vor allem der Verdienst von Lynn Sheltons komplexem Drehbuch, welches nicht nur oberflächliche Charakterzeichnungen bereit hält, sondern tiefer schürft, so dass man über ihren Independent-Film ebenso lachen wie nachdenken kann. So ist Humpday ein weiterer Beweis dafür, dass gute Filme nicht teuer sein müssen.



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