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8. Wonderland

(8th Wonderland, 2008)

Dt.Start: 12. August 2010 Premiere: 16. Mai 2008 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Thriller
Länge: 98 min Land: Frankreich
Darsteller: Matthew Geczy (John McClane), Robert William Bradford (David), Alain Azerot (César), Eloissa Florez (Isabella), Ahlima Mhamdi (Rachida), Michael Hofland (Karel), Luca Lombardi (Giovanni), Dimitri Michelsen (Dawson), Irina Ninova (Ludmila), Laetitia Noyon (Andie), Gerald Papasyan (Ahmed), Pierre-Luc Scotto (Alain), Nicolas Vayssie (Esteban)
Regie: Nicolas Alberny, Jean Mach
Drehbuch: Nicolas Alberny, Jean Mach


Inhalt

Menschen aus der ganzen Welt gründen zusammen den ersten virtuellen Staat. Damit möchten sie allen Ungerechtigkeiten in der Welt entgegentreten. Jede Woche stimmen die Bürger des "8. Wonderland" demokratisch über die nächsten Aktionen ab. So wird beispielsweise der Vatikan mit Kondom-Automaten ausgestattet oder ein Atomabkommen boykottiert. Mit diesen anarchischen Eingriffen wird auch die Ordnung in der realen Welt gestört. Als sich dann auch noch ein Hochstapler als Gründer des "8. Wonderland" ausgibt, müssen die wahren Begründer handeln, um ihr Gesicht zu wahren.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

8. Wonderland hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Julian Reischl
8. Wonderland hat eine Wertung von 75%
Ein zum Nachdenken anregendes Gedankenexperiment zur Frage, wieso man eigentlich stets ein Bürger seines Geburtslandes bleiben muss. Die globale Vernetzung ausnutzend, zeigt der Film anhand eines virtuellen Staates mit nicht wenigen Bürgern auf, dass Denken stets von Neuem die Grenzen sprengen und in diesem Falle tatsächlich "outside the box" passieren sollte. Ein absolut beeindruckendes Gedankenspiel, von der Inszenierung her obere Mittelklasse.

Bild aus 8. Wonderland Eines Morgens finden sich plötzlich lauter Kondomautomaten an den Wänden des Vatikans. Ausgerechnet! Die medienwirksame Aktion von Unbekannten spaltet schnell die Meinungen im globalen Dorf, doch die nächste Aktion lässt nicht lange auf sich warten: Eine Darwin-Bibel räumt mit den Kreationisten auf und propagiert vorurteilsfreie, beweisbasierte Forschung zur Erlangung tatsächlichen Wissens. Hinter diesen Aktionen (und nicht wenigen anderen) steckt das "8. Wonderland", eine Gruppe von Menschen, die sich als Bürger des ersten virtuellen Staates der Erde sehen. Auf dem Papier sind sie Franzosen, Italiener, Engländer, Chinesen und aus vielen anderen Nationen, leben dort und gehen normaler Arbeit nach, doch schlägt ihr Herz nicht so stark für ihr Heimatland wie für die gemeinsame Idee des achten Wunderlandes.

Wie bei einer Glaubensgemeinschaft bildet sich eine breite politische Basis, die schnell an Einfluss gewinnt. So kann zum Beispiel ein potentiell gefährlicher Atomdeal zwischen Russland und dem Iran verhindert werden, indem die Übersetzerin, eine Bürgerin des "8. Wonderland", das Gespräch durch gezielte Falschübersetzung ganz nach den Interessen der virtuellen Nation leitet.

Schon bald bekommen die Staatsoberhäupter der klassischen Nationen zu spüren, dass sie es mit einem ernstzunehmenden Gegner zu tun haben. Denn die Bürger des "8. Wonderland" sitzen in ihren eigenen Reihen, ja teilweise sogar in hohen Positionen in ihren Ämtern und Behörden. Das "8. Wonderland" hat die Regierungen und die Wirtschaft der halben Welt allein durch ein Bekenntnis seiner Bürger zu einer politischen Idee tiefer infiltriert als so mancher Geheimdienst je zu träumen wagen könnte.

Das Regie-Duo Nicolas Alberny und Jean Mach zeigt in 8. Wonderland eindrucksvoll auf, dass die nationalen Grenzen der Geschichte stark an Bedeutung verlieren können, wenn die Menschen sich nur vernetzen und in politische Überzeugungen gruppieren würden. So wie ein überzeugter Katholik in Kenia denselben Idealen folgt wie ein Katholik in Brasilien oder Schottland, so können sich die Menschen heute dank der technischen Möglichkeiten anhand ihrer politischen Überzeugung in Gruppen aufteilen, wobei die meisten dieser Gruppen von der Größe her mit Leichtigkeit nahezu jede nationale Bevölkerungszahl übersteigen würde - theoretisch, wohlgemerkt.

Was im Film mit einem einzelnen Staat, der sich durch gezielte Aktionen zunächst erstmal bemerkbar macht und im weiteren Verlauf der Handlung mit den klassischen Machtmissbrauchsproblemen zu kämpfen hat, veranschaulicht wird, gibt es jedoch schon lange in Wirklichkeit: Bereits 1996 gründeten sich in München die United Transnational Republics, eine Zahl von virtuellen Staaten, von denen man, ähnlich einer religiösen Lehre, sich einen für sich passenden aussuchen und dort Bürger werden kann. Noch hat das Projekt verhältnismäßig wenig Mitglieder, doch die Idee ist geboren und der Film wird für einiges an Aufmerksamkeit sorgen.

Unabhängig von der Frage, ob die tatsächlichen United Transnational Republics Pate für die Idee zu diesem Film standen oder nicht: 8. Wonderland ist ein hochinteressantes Gedankenexperiment zur Frage, wie Individuen an der globalen Verantwortung teilhaben können und welche Folgen diese Entscheidung haben kann.

Die Inszenierung ist ein wenig kantig und ungeschlacht, was dem Film aber Sympathien bringen wird. Eine glatte Hollywood-Perfektion wäre hier absolut fehl am Platze gewesen. Die Tricks sind in Ordnung, spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Die Hauptfiguren, allesamt Bürger verschiedener Nationen, die sich per Video-Gruppenchat austauschen, tragen den ganzen Film alleine. Sämtliche im realen Leben stattfindende Konflikte und Szenen spielen eine untergeordnete Rolle.

Besonders beeindruckend ist die Behandlung der Frage, wie sich so eine virtuelle Nation unter ihren Nachbarländern geriert. Denn dass die Kontrolle über das Konstrukt des "8. Wunderlandes" zwischendurch verloren geht, beweist bereits die Eröffnungsszene des Films, der die restliche Handlung als Rückblende folgt.

Definitv kein bequemer Film, sondern ein sozialkritischer, zum Nachdenken anregender, kratziger Streifen, der offenbar auch unter recht archaischen Umständen entstanden ist. Definitiv einer der Filme, die man gesehen haben sollte.



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