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Mit dem Fantasythriller Legion legte Scott Stewart ein an Versatzstücken von Genre-Klassikern nicht armes Langfilmdebüt ab. Während die Thematik um Glaube und Werteverfall in der Gesellschaft den Zeitgeist trifft, existieren auch einige Unstimmigkeiten. Dennoch handelt es sich bei Legion um weitgehend kurzweiliges Actionkino.
Die Deutschen leben in einer Gesellschaft, die immer weniger glaubt. Die Statistiken über Mitglieder insbesondere der evangelischen und katholischen Kirche verzeichnen einen kontinuierlichen Rückgang von jeweils über 200 000 pro Jahr. Dem gegenüber müsste vermeintlich der Siegeszug der Aufklärung stehen, einer Geisteshaltung, die den Menschen dazu ermutigt, althergebrachte Überzeugungen wie die Religion in Frage zu stellen und sich seines eigenen Verstandes zu bemächtigen.
Dies ist jedoch zugleich die Crux des Films: Legion bleibt fragwürdig in seinem Ausgangspunkt. Da widersetzt sich der Erzengel Michael (Paul Bettany, Tintenherz) Gottes Befehl, die Menschheit zu vernichten und schlägt sich stattdessen auf die Seite einer kleinen Gruppe von Überlebenden. Und warum? Weil er daran glaubt, dass die verdorbene und weitgehend ungläubige Menschheit doch noch alles zum Besseren wenden kann, weil einer nicht verdorben ist. Macht irgendwie trotz lobenswertem, humanistischem Denken nicht wirklich Sinn.
Zahlreiche religiöse Motive werden dabei zusammengewürfelt. Seien es die hochschwangere Charlie (Adrianne Palicki) und der sie liebende Gutmensch Jeep (Lucas Black, Jarhead - Willkommen im Dreck) als moderne Maria und moderner Josef (wer der abwesende, leibliche Vater des Kindes ist, bleibt ungeklärt), die gerne genommene Kreuz-Symbolik, eine der zehn Plagen im CGI-Anflug oder die drohende Apokalypse, bei der Heil über Unheil triumphieren soll. Da verwundert es auch nicht, dass der Schauplatz - ein kleines Restaurant inmitten der Mojave-Wüste - den bedeutungsschwangeren Namen "Paradise Falls" trägt. Dort soll der Showdown stattfinden zwischen einer kleinen, sich zufällig zusammengefundenen Gruppe von Menschen um Erzengel Michael und immer wieder angreifenden Heerscharen von den die Apokalypse herbeiführenden Engeln, die in menschliche Hüllen gefahren sind.
Letzteres ist ein nachdenkenswerter Fakt: Die Heerscharen der Engel fahren in die Hülle derjenigen Menschen, welche einen schwachen Willen aufweisen. Da das Genre des Horrorthrillers - zu welchem man Legion trotz aller dramatischer und zuweilen tränenreicher Zwischenspiele durchaus rechnen kann - immer wieder mit ähnlichen Motiven arbeitet, was die Kodierung des "Bösen" angeht, erinnern diese als "besessen" titulierten Figuren (die auch gerne mal zubeißen) nur allzu sehr an die "klassische" Bedrohung von außen: Untote, Infizierte, Zombies. Mag dieser Kritikpunkt trotz der vermeintlichen Engel-Originalität (was ja durchaus eine nette Idee darstellt) eher allgemeiner Natur sein, so offenbaren sich weitere bekannte Motive, was in einer unfreiwillig komischen Referenz an Tanz der Teufel gipfelt, wenn einer besessenen Oma nach Blut giert.
Abgesehen von diesen Schwächen funktioniert Legion aber seltsamerweise als Unterhaltungskino ganz gut. Die zunächst staubige Wüstenatmosphäre weicht einer beklemmend düster-apokalyptischen, die zahlreichen Actionsequenzen können sich durchaus sehen lassen, auch wenn hin und wieder der ein oder andere übertrieben emotionale Dialog zuviel zwischen ihnen zu finden ist. Dabei wird wohltuend auf Engel-Kitsch verzichtet, Erzengel Gabriel (Kevin Durand) als Antagonist gar ambivalent gezeichnet ohne klassischen Figurenstereotypen zu entsprechen - was man allerdings von Dennis Quaids Vaterfigur nicht behaupten kann.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen wieder glauben. Wenn es nicht der Glaube an Gott oder die Engel sein soll, dann doch der Glaube an den Siegeszug der Aufklärung oder an sich selbst. Aus der Verlorenheit oder Verirrung des Einzelnen führen zwei Pfade hinaus: Entweder über Religion oder aber über die Vernunft und mit ihr das Übernehmen von Verantwortung. |