|
Ein Liebesfilm, der beobachtet, wie guter Wein zu Essig wird. Hervorragend gespielt von Kristin Scott Thomas als zwischen zwei Leben hin- und hergerissene Frau, Sergi López als Opfer, der eigentlich nur lieben will und Yvan Attal als giftig-eifersüchtiger Ehemann, dem keine Taktik zu niederträchtig ist, um den Schein einer glücklichen Ehe zu retten. Bewegend, dramatisch, und schon so oft vorgekommen.
Suzanne lebt ein schönes Leben. Sie ist glücklich mit einem Arzt verheiratet, Geld spielt fast keine Rolle, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus und das Haus in Südfrankreich ein echter Traum. Um wieder etwas mehr Schwung in ihr Leben zu bringen, beschließt Suzanne, ihren früheren Beruf wieder aufzunehmen und als Physiotherapeutin zu arbeiten. Als Praxis sollen ein paar ungenutzte Räume in dem ehemaligen Bauernhof dienen, diese müssen jedoch hergerichtet werden. Ein entfernt befreundeter Handwerker wird beauftragt, und der übergibt den Job an den absolut zuverlässigen Kollegen Ivan.
Als Suzanne Ivan einige Zeit später seinen Lohn übergeben will, kommt es zu einem Unfall, und Ivan wird verletzt. Es dauert nicht lang, und aus Schuldgefühlen und Besuchen im Krankenhaus entsteht eine handfeste Affäre zwischen der Ehefrau und dem Handwerker. Die Untreue erzählt ihrem gehörnten Gatten Samuel nichts von ihrem Fehltritt, ebensowenig ihren Kindern, doch kann sie auch nicht von Ivan lassen. Als die Sache schließlich auffliegt, reagiert der Ehemann natürlich entsprechend ungehalten. Leider merkt er nicht, dass die Liebe zwischen ihm und Suzanne ohnehin schon lang erloschen ist. Auch nutzt Samuel seine Machtposition als alleiniger Ernährer der Familie gnadenlos aus, um das Glück zwischen Ivan und Suzanne so stark wie möglich zu stören. Es wird hässlich, unglaublich hässlich.
Seinem Partner fremdzugehen ist keine Lappalie und kein von diesem einfach zu vergebendes Vergehen; dass dieser Vertrauensbruch stets eine nie ganz ausheilende Wunde in eine Beziehung reißt, ist klar. Daher ist Suzannes Verhalten, so schön das Finden einer neuen Liebe für sie auch sein mag, auf jeden Fall falsch. Wäre sie ehrlich und konsequent gewesen, hätte sie sich vor dem (absehbaren) hitzigen Matratzenkampf mit dem invaliden Ivan von ihrem Mann getrennt, immerhin ist sie kein hormongetränkter Teenager mehr.
Doch Suzannes Fehlverhalten wird bald in den Schatten gestellt vom Verhalten Samuels, denn aus dessen gesundem, verständlichen Zorn entwickelt sich nach und nach ein gnadenloser, eiskalt geplanter Rachefeldzug mit dem Ziel der größtmöglichen Vernichtung des neuen Glücks. Aus verletzten Gefühlen entsteht Hass, die Farce einer Emotion, genau wie die Ehe der beiden schon lange eine Farce war. Wie man auf diese Weise seine Frau zurückbekommen und halten will, bleibt nicht nur dem Zuschauer unverständlich.
Regisseurin Catherine Corsini betont mit ihrem Film eine einfache Tatsache: Eine Beziehung kann nur funktionieren, solange beide Parteien einander (mehr oder weniger innig) lieben. Ist einmal der Wurm drin und die Liebe nicht mehr gegenseitig, ist auch nichts mehr zu retten. Was so kühl und logisch klingt, ist natürlich für Paare in der Krise der größte Schmerz, doch was einmal zerbrochen ist, lässt sich meistens eben nicht flicken.
Ein bewegender Film über eine hässliche Angelegenheit, ein Gedankenexperiment, das ins Extrem weitergetrieben wird. Definitiv zu empfehlen, insbesondere Paaren und all jenen, die vielleicht ganz heimlich mit einem Seitensprung liebäugeln, aber keine leichte Kost. Ein Liebesfilm, der zeigt, wie die andere Seite der Liebe aussehen kann. |