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Troubled Water

(DeUsynlige, 2008)

Durchschnittliche Redaktionswertung

67%



Inhalt

Nach acht Jahren Gefängnisstrafe kommt Thomas, der ein kleines Kind getötet haben soll, auf Bewährung aus dem Gefängnis frei. Als begnadeter Organist bekommt er eine Stelle in einer Kirche, wo auch die alleinerziehende Mutter Anna als Pastorin arbeitet. Angezogen voneinander beginnen die beiden eine vorsichtige Liebesbeziehung, wobei Thomas seine düstere Vergangenheit verschweigt. Als ihn plötzlich die Mutter des damals ermordeten Kindes entdeckt, ändert sich schlagartig alles.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

67%

Es stellt schon eine ausgewachsene linguistische Verrenkung dar, vom norwegischen Originaltitel "Die Unsichtbaren" zum internationalen zu gelangen, der da Troubled Water lautet. In diesem Falle war das, dessen ist man sich spätestens nachdem man die Story halbwegs durchschaut hat, absolut sinnig und gewinnend gewesen. Die Geschichte handelt von einem Ex-Sträfling, der versucht ein neues Leben zu beginnen, den aber seine Vergangenheit nicht loslässt. Ein überaus spannendes Stück europäischen Kinos, das sich auf dem Weg zum Meisterstück leider selbst ein Bein stellt.

Bild aus Troubled Water Das norwegische Drama Troubled Water, das mitunter vom Schnitt und seiner Erzählweise an einen Suspense-Thriller erinnert, packt ein ganz heißes Eisen an: Kann es so etwas wie Vergebung oder gar Absolution für jemanden geben, der den Tod eines Kindes zu verantworten hat oder zumindest die unheilvolle Ereigniskette auslöste, die zum Tod dessen führte?

Vor acht Jahren raubte Thomas (Pal Sverre Hagen) gemeinsam mit einem Kumpan einen von der Mutter vor einem Café kurz abgestellten Kinderwagen. Ziel der beiden war es nicht, das Kind zu entführen, wahrscheinlich haben sie es zu Beginn nicht einmal registriert. Sie wollten den Kinderwagen, samt Handtasche, Einkäufen und Verwertbarem, um alles zu Geld zu machen; möglicherweise gar, um davon anschließend Drogen zu kaufen. Während die beiden damit beschäftigt sind, den Kinderwagen nach Wertsachen zu durchwühlen, läuft der etwa dreijährige Junge davon, stürzt die Böschung zu einem kleinen Fluss herunter und schlägt sich den Kopf an. Ob der Junge zu diesem Zeitpunkt noch am Leben ist, bleibt ungewiss; Thomas trägt ihn aber in den Fluss und übergibt ihn der Strömung.

Allein die Hälfte des Films ist nötig, um Klarheit über diese Vorgänge zu bekommen. Der eigentliche Plot setzt damit ein, dass Thomas nach der Verbüßung von acht Jahren Haft vorzeitig entlassen wird. Während seines Aufenthalts im Gefängnis hat er Orgelspielen gelernt und die Gottesdienste in der Haftanstalt musikalisch begleitet. Inzwischen hat er es sogar zu einer ordentlichen Virtuosität gebracht und eine persönliche Beziehung zum Anstaltsseelsorger aufgebaut. Als Thomas in der Zeitung liest, dass in einer Kirche eine Organistenstelle samt freier Unterkunft zu besetzen ist, bittet er den befreundeten Priester, ein gutes Wort für seine vorzeitige Entlassung einzulegen. Thomas wird tatsächlich auf freien Fuß gesetzt und bekommt obendrein, nach einer Kostprobe seines Talents, auch die ersehnte Stelle. Er würde gerne alles hinter sich lassen und ein völlig neues Leben beginnen, und es bahnt sich sogar eine Romanze zwischen ihm und der attraktiven Pfarrerin der Gemeinde an, die gleichfalls einen kleinen Sohn hat. Allerdings holt ihn seine Vergangenheit in der Person der Mutter des getöteten Kindes ein.

Die wesentliche Stärke des Films liegt im ersten Akt, der die Spannung trotz der sehr anstrengenden Erzählweise, die immer wieder von Rückblenden und eingeworfenen Halbinformation begleitet wird, gleichmäßig hoch hält. Es entwickelt sich ein typisches Ex-Häftlingsdrama, das vom Versuch eines jungen Mannes handelt, der bemüht ist, ein neues Leben zu beginnen, aber immer Gefahr läuft, von seiner Tat eingeholt zu werden. Dass die Frau, in die er sich verliebt, zufälligerweise einen kleinen Sohn hat, wirkt vielleicht des puren Zufalls zuviel; allerdings etabliert dieses Element ein weiteres Unsicherheitsmotiv - und als Zuschauer darf sich fortan gefragt werden, ob die furchtbare Geschichte, die zum Tod des einen Kindes führte, sich möglicherweise noch ein zweites Mal wiederholen wird.

Das alles wäre mehr als genug, um ein atmosphärisch dichtes Drama zu produzieren. Den Machern reichte dies aber offenbar nicht aus. Am Höhepunkt der Spannung, den Zuschauer voller Erwartung zurücklassend, wird radikal die Erzählperspektive gewechselt und in der Folge entrollt sich die Geschichte auf ein Neues, diesmal allerdings aus dem Blickwinkel der Mutter, die vor acht Jahren ihren Sohn verlor. Es ist aber nicht nur der Wechsel der Ebene allein, auch der Stil der Inszenierung verändert sich: Dieser zweite Akt hat mehr von einem Familienmelodram; angesichts der vorher kumulierten Spannung fällt dieser Part aber deutlich ab. Treibendes Element dieses Strangs ist das Trauma der Mutter, die den Tod ihres Kindes niemals wirklich verwunden hat und nun, da sie den potenziellen Mörder wieder auf freiem Fuß weiß, von Ängsten geplagt wird. Ihr zunehmend destabilisierender psychischer Zustand und der manische Wunsch, dass das ihr widerfahrene Gräuel regelrecht aus der Welt getilgt wird, liefert schlussendlich aber ein nervenzerreißendes Finish, das für einige Längen entschädigt, die vorher durch Doppelungen entstanden, als sich die beiden Storylines zu berühren und vermischen begannen.

Im Nachhinein kann man sich aber kaum des Gefühls erwehren, hier zwei Filme aneinandergereiht vorgeführt bekommen zu haben. Beide handeln zwar im Prinzip von den selben Ereignissen, divergieren aber nicht nur stark in der jeweils gewählten Erzählperspektive, sondern wirken darüberhinaus als wären sie für unterschiedliche Zielgruppen gemacht. Dieser Umstand raubt dem Film einiges an Kraft, vor allem durch den starken Bruch im Spannungsbogen, der bis zur Mitte raffiniert aufgebaut wurde und durch die dem Zuschauer abgenötigte Geduld, bis wieder zu dem Punkt gelangt wird, an dem zuvor ausgestiegen wurde. Troubled Water kann aber trotzdem guten Gewissens allen ans Herz gelegt werden, die komplex erzählten, spannungsgeladenen Dramen mit Thrillertouch einiges abgewinnen können - auch wenn es bis zum Show-Down mitunter etwas dauern kann.

Keine weitere Wertung


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