Wer von Ridley Scott und seiner Handschrift noch nicht genug hat, dem wird Robin Hood sicherlich gefallen. Der Film ist groß, laut und hat einen gewissen Charme. Warum man allerdings 140 Minuten Leinwandzeit für die Geschichte braucht, ist unklar, denn gerade im Mittelteil hätte es deutlich zügiger gehen können. Hinzu kommen einige kleinere Mankos über die man zwar hinwegsehen kann, aber bei einem solchen Budget nicht muss.
Russell Crowe, Ridley Scott und Cate Blanchett - allein bei diesen Namen ist die Richtung klar: Nichts Geringeres als ein Blockbuster mit großem Budget und dem Druck, die Kinocharts anzuführen, wird erwartet. Diese Erwartungshaltung wird vor allem von den Kritikern nicht geteilt, denn schon vor den ersten Vorstellungen wurden Stimmen laut, die sich äußerst kritisch mit Scott auseinandersetzten und ihm den immer gleichen Stil vorwarfen. Genau diese Kritik scheint sich zu bestätigen, denn Robin Hood erinnert an vielen Stellen wirklich sehr an Filme wie Königreich der Himmel oder Gladiator.
Ein weiterer Kritikpunkt, lange bevor Details zu dem Streifen klar waren, bezog sich auf die schon zig Mal verfilmte Story um Robin Hood. Dass sich die Drehbuchautoren um Brian Helgeland daher auf eine Geschichte vor der bekannten Legende einigten, wirkt sehr erfrischend und sorgt auch für die nötige Spannung über die gesamte Laufzeit. Warum man sich aber bei der Landung in der Normandie, äh... der Franzosen in England so dreist bei Der Soldat James Ryan bedienen musste, bleibt unklar.
Auch sonst wirkt die Inszenierung an manchen Stellen etwas holprig. Hier ein wenig Inspiration von Gladiator, dort eine Flotte, die bei heute üblichen Dimensionen sehr lächerlich wirkt und offensichtliche Schnitte, bei denen man nur auf einen Directors Cut hoffen kann, um den Regisseur der Unfähigkeit zu entlasten.
Dass die Schauspieler ihre Sache gut machen, versteht sich bei diesen Namen von selbst, doch gerade Russell Crowe verfällt in alte Schemata, die man schon in Gladiator zu genüge sehen konnte. Auf etwas Neues darf man also nicht hoffen. Die wieder äußerst minimalistisch spielende Cate Blanchett bleibt weiterhin Geschmacksache und wird auch diesmal sicherlich wieder für Meinungsunterschiede sorgen. Dass gerade emotionale Szenen aber von ihr mit steinerner Miene "hingenommen" werden, hilft dem Film und der Glaubwürdigkeit nicht wirklich.
Insgesamt ist Robin Hood - welch Überraschung - ein handwerklich guter Blockbuster, der den Zuschauern gefallen wird. Ob allerdings wirklich der bei diesem Budget notwendige Hype ausgelöst werden kann, darf durchaus bezweifelt werden. Es gibt einfach zu viele störende Kleinigkeiten, die den Filmgenuss schmälern und bei diesen Namen nicht hätten sein müssen. Ein wenig mehr Sorgfalt und die Geschichte um 20-30 Minuten gekürzt, sowie eine Hauptdarstellerin, die sich etwas besser in ihre Rolle einfühlt und schon wäre Ridley Scott wieder ein echter Ridley Scott gewesen, den man gerne auch ein zweites Mal gesehen hätte!