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Kampf der Titanen

(Clash of the Titans, 2010)

Dt.Start: 08. April 2010
DVD: 10. August 2010
Premiere: März 2010 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Action, Fantasy
Länge: 106 min Land: USA, UK
Darsteller: Sam Worthington (Perseus), Liam Neeson (Zeus), Ralph Fiennes (Hades), Gemma Arterton (Io), Alexa Davalos (Andromeda), Danny Huston (Poseidon), Izabella Miko (Athena), Mads Mikkelsen (Draco), Hans Matheson (Ixas), Jason Flemyng (Acrisius), William Houston (Ammon), Polly Walker (Cassiopeia), Nathalie Cox (Artemis), Luke Evans (Apollo), Kaya Scodelario (Peshet), Vincent Regan (Kepheus), Luke Treadaway (Prokopion), Ian Whyte (Sheikh Sulieman), Jamie Sives (Commander), Martin McCann (Pheadrus), Robert Roman Ratajczak (Zealot), Tine Stapelfeldt (Danae)
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Travis Beacham, Phil Hay


Inhalt

Hades, der Gott der Unterwelt, strebt danach, die Macht von Göttervater Zeus an sich zu reißen und die Hölle auf Erden zu entfesseln. Nur Perseus, der von Menschen aufgezogene Sohn von Zeus, kann dies zusammen mit einer Gruppe von Kriegern im Kampf gegen die Wesen der Unterwelt noch verhindern.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Kampf der Titanen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 15%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Kampf der Titanen hat eine Wertung von 15%
"Das Kino wurde für das Fantasy-Genre gemacht", erklärt Ray Harryhausen, seines Zeichens ein legendärer amerikanischer Tricktechniker und Animator. Dank Harryhausen entstanden in Hollywood Filme wie Sinbads siebente Reise, Jason und die Argonauten und Kampf der Titanen. Letzterer stellte Harryhausens letzte Arbeit dar, in einem Genre, das sich von der klassischen Stop-Motion-Technik zu lösen begann. Die visuellen Effekte traten ihren Siegeszug an und dienen nun einer Reihe von Stümpern als Ausrede, um mit Kampf der Titanen ein stupides und in allen Belangen katastrophales Remake vom Stapel zu lassen.

Bild aus Kampf der Titanen Vor fast dreißig Jahren erschien Desmond Davis' Film über die Legende von Perseus, Sohn von Zeus, und seiner Liebe zu Andromeda. Wobei weder die 1981er Version, noch ihr nun erscheinendes Remake wirklich treu der ursprünglichen Geschichte folgen. "Jede Legende muss meiner Meinung nach modifiziert werden", so Harryhausen. Was bleibt, ist als Zentrum Perseus' Mission, den Kopf der Gorgonin Medusa zu ergattern, um die Prinzessin Andromenda vor dem Zorn der Götter zu bewahren. Nun ist auch Davis' Kampf der Titanen alles andere als das Gelbe vom Ei. Die Effekte sind charmant, aber in der Tat bereits zum Zeitpunkt ihrer Entstehung veraltet. Dreizehn Monate später würde Tron die Pforte zur digitalen Revolution endgültig aufstoßen.

Davis' Film verkam zur liebgewordenen nostalgischen Erinnerung vieler Menschen. Harryhausen erhielt Fan-Briefe, die erklärten, wie der Film ihr Leben verändert habe. Darunter beeinflusste er auch Regisseure wie Steven Spielberg, George Lucas, James Cameron und Peter Jackson. Alle selbst inzwischen für ihre eigenen fantastischen Kreationen verantwortlich. "Es freut mich sehr, dass wir mehr als eine Stunde Unterhaltung erschaffen haben", blickte Harryhausen nicht nur auf Kampf der Titanen, sondern alle seine Filme zurück. Eine Meinung, die nicht jeder unbedingt teilt. Sam Worthington gab im Vorfeld bekannt, dass er sich durch das Original "durchgekämpft" habe. Gut möglich, dass er Davis' Film mit seinem eigenen verwechselt hat.

Wo Harry Hamlin einst zum Opfer von Thetis' Neid wurde und sich aus Liebe zu Andromeda ins Abenteuer stürzte, gibt Worthington den grimmigen Rächer. Quasi einen Charles Bronson in Sandalen. Als Findelkind von einem Fischer entdeckt, springt der Film zwölf Jahre in die Zukunft. Das Mittelmeer ist leer gefischt, so scheint es. Grund genug für Perseus' Vater, die Göttern zu verteufeln. Irgendwann müsse man sich ihnen widersetzen - Worte, die der bullige Perseus sich hinter die Ohren schreibt. Eine Einstellung später bewundert der Fischer jedoch bereits wieder die glorreiche Statue von Zeus. Hunde, die bellen, beißen eben nicht. Die Statue landet dann kurz darauf im Meer, weil umgestoßen von einigen Soldaten aus Argos. Genug haben sie von den Göttern, wer braucht die schon? Die Statue liegt noch nicht einmal auf dem Meeresgrund, da erscheint auch schon Hades, Zeus' Bruder, und radiert die Männer aus. Und mit ihnen auch gleich Perseus' Familie. Wenn schon, denn schon.

In Argos wiederum kümmert man sich nicht um die toten Soldaten. Stattdessen geht die Gotteslästerung weiter. Solange, bis es Zeus zum Hals raushängt, und er seinen Bruder gewähren lässt, die Menschen Ehrfurcht zu lehren. Gesagt, getan. Dieser stellt den Argoniten ein Ultimatum. Entweder in zehn Tagen die Prinzessin Andromeda dem Kraken zu opfern... oder als Stadt unterzugehen. Der kleinste gemeinsame Nenner, wenn man so will, für die Argoniten und Perseus. Dieser wünscht schließlich Rache an Hades. Da hilft es ihm nicht, dass ihm sein Schutzengel Io, eine Halbgöttin, bestätigt, dass er selbst ebenfalls ein Halbgott ist. Doch Perseus will von Göttern und seinem Vater Zeus nichts wissen. Wo Hamlin im Original noch die Göttergeschenke dankend annahm, verweigert sich Worthington stets aufs Neue. Er will die Mission als Mann zu Ende bringen, ohne sich auf seine göttlichen Kräfte zu verlassen. Davon lässt er sich später auch nicht abbringen, wenn seine menschlichen Gefährten wegen dieses Verhaltens wie die Fliegen sterben.

Gab es bei Davis noch Titten, Ärsche und Kämpfe gegen Kreaturen zu bewundern, so beschränkt sich das Remake auf Letzteres. Der französische Regisseur Louis Leterrier stellt das phantastische Element noch mehr in den Vordergrund, was eine allgemeine Vernachlässigung in den übrigen Bereichen nach sich zieht. Das Motto hierbei: Höher, schneller, weiter. Ein Pegasus? In Kampf der Titanen gibt es gleich mehrere. Während diese alle weiß sind, ist Perseus' Pegasus schwarz. Warum? Weil schwarz "cool" sei, erklärt Leterrier. Erschienen die Skorpione im Original groß? Bei Leterrier sind sie noch viel größer. Und viel nützlicher, schließlich kann man die mordlüsternen Biester im Notfall zum Transportmittel umfunktionieren. Vermutlich, weil Leterrier ebenfalls Peter Jacksons Der Herr der Ringe - Die zwei Türme gesehen hat. Verwandelte der Franzose hier die Olifanten und ihre Haradrim noch in Skorpioks und Djinn, finden sich auch anderswo geborgte Elemente aus Herr der Ringe und Krieg der Sterne.

Denn Perseus ist auf seiner Mission zu den Graien - die im Übrigen sehr an die Grendler aus Earth 2 erinnern - nicht auf sich allein gestellt. Er hat eine Gruppe wild zusammen gewürfelter Gefährten um sich geschart. Von der Prätorianergarde aus Argos abgesehen, gesellen sich auch zwei wagemutige türkische Jäger zu Perseus' Gruppe, die zudem aus Io besteht und noch Ergänzung durch die Djinn erfährt. Diese sind Schamanenkrieger, die mit dunkler Magie statt aus Haut aus Baumrinde bestehen. Deren Anführer, Scheich Suleiman, darf nicht nur dann und wann Brüllen wie Chewbacca, sondern auch Wortfetzen herauspressen, die ihn wie Jar-Jar Binks wirken lassen. Und weil Perseus sein Abenteuer nicht als Gott, sondern als Mann zu Ende bringen will, ignoriert er auch ein Schwert von Zeus, dessen Klinge wie ein Lichtschwert bei Bedarf aus ihrem Griff springt.

Sieht man von den Dingen ab, die sich Leterrier bei seinen Kollegen geliehen hat, will auch seine eigene Handlung nicht sonderlich funktionieren. Die Geschichte in Kampf der Titanen widerspricht sich nicht nur an einer Stelle selbst, sondern führt sich problemlos des Öfteren ad absurdum. Was verzeihlich wäre, würde man nicht derart verbissen versuchen, dennoch irgendwie eine stringente Erzählung für den Zuschauer zusammenzuschustern. Am Ende wirkt das fertige Stück wie ein Flickenteppich, der keiner Zerreißprobe standhalten würde. Gewürzt wird die Planlosigkeit dann mit dümmlichen Dialogen und Einzeilern. Dass im Grunde alle Figuren zu keinem Zeitpunkt so etwas wie einen Charakter erhalten - am auffälligsten natürlich bei "Stiernacken" Perseus selbst -, lässt das krude Handlungsgerüst rund um den Bruderzwist zwischen Zeus und Hades nur noch anstrengender ausfallen.

In dieses narrative Kuddelmuddel werden dann hilflose Schauspieler hineingestoßen, die eigentlich nur untergehen können. Speziell Ralph Fiennes als Hades sieht aus wie jemand, den die Sowjets im Gulag vergessen haben. Der Brite liefert sich besonders zu Beginn mit Neeson ein hart umkämpftes Duell, wenn es darum geht, wer von Beiden schlechter spielt. Ein Kampf, der auch aufgrund von Neesons fehlender Präsenz irgendwann klar von Fiennes gewonnen wird, selbst wenn sein Landsmann Jason Flemyng ihm später versucht, die Stirn zu bieten. Worthington und Arterton bemühen sich redlich, mit dem schlechten Spiel ihrer Kollegen mitzuhalten, fallen jedoch ebenso zurück wie auch Danny Huston in einem sogenannten blink and you'll miss him-Auftritt. Dagegen erdreisten sich gerade die Prätorianer um Mikkelsen und Cunningham, aber auch Alexa Davalos, ihrer schauspielerischen Verpflichtung über weite Strecken gerecht zu werden.

Man mag es verzeihen, da Kampf der Titanen weder gut geschriebenes Indie-Drama noch erstklassiges Schauspielkino sein möchte. Die Effekte müssen und sollen es rausreißen, das war schon nach dem Trailer klar. Etwas, das bedauerlicherweise ebenfalls misslingt, wirken die Spezialeffekte doch wie eine Pausenspielerei eines Weta-Praktikanten. Ohnehin ist es überraschend, dass die Warner Louis Leterrier nur das halbe Budget von dessen Marvel-Abenteuer Der unglaubliche Hulk gewährt hat. Da haben es die noch startenden Iron Man 2 und Prince of Persia - Der Sand der Zeit mit doppelten finanziellen Ressourcen sehr viel einfacher gehabt. Die meiste Arbeit scheint in den Kraken geflossen zu sein, was sich in dem sehr kurz ausgefallenen Finale auch tatsächlich - und sprichwörtlich - bezahlt macht. Dagegen fallen die übrigen Effekte ab, allen voran Medusa, die wie eine Copy-Paste-Variante des Skorpionkönigs aus Die Mumie kehrt zurück wirkt. Ein Film, der nun auch bald ein Jahrzehnt zurück liegt.

In Kampf der Titanen können folglich weder die Effekte, noch die Handlung oder die Schauspieler überzeugen. Von der Regie ganz zu schweigen, untermauert Leterrier doch, dass er weiterhin zu den großen Stümpern seines Fachs zu zählen ist. Und wie so viele Filme inzwischen wartet auch Perseus' Abenteuer in 3-D auf. Eine Entscheidung, die erst nach Fertigstellung des Filmes und einem Blick auf das Einspielergebnis von Avatar - Aufbruch nach Pandora gefallen ist. Dabei sind die 3-D-Effekte hier so verschenkt, wie Schauspielunterricht für Sam Worthington. Man sieht weder im einen, noch im andern Fall ein Resultat. Desmond Davis' Film von 1981 ist, wie eingangs erwähnt, kein Meisterwerk, sondern lebt von seiner Stop-Motion-Technik, die vor dreißig Jahren bereits in ihren letzten Zügen lag. Aber immerhin war der Film dafür gut, um in den Erinnerungen zahlreicher Menschen einen nostalgischen Platz einzunehmen. Und dadurch, wie Harryhausen es formulierte, "mehr als eine Stunde Unterhaltung" zu sein. Etwas, das sich über Leterriers Remake nicht sagen lässt. Denn dieses ist nicht einmal das: Eine Stunde Unterhaltung.



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