Ein technisch beeindruckender, auch sonst ausgefeilter Actionkracher aus dem Marvel-Universum. Die Geschichte schließt an den Vorläufer Iron Man an, doch diesmal muss Tony Stark sich mit mehreren Feinden auseinandersetzen, nicht zuletzt auch aus den eigenen Reihen. Die solide Länge von 125 Minuten vergeht wie im Fluge und ohne die kleinste Durststrecke. Der perfekte Unterhaltungsfilm für Marvel- und Actionfans.
Nach seiner öffentlichen Bekanntmachung, hinter dem mysteriösen Iron Man zu stecken, musste der Hightech-Magnat Tony Stark konsequenterweise auch persönlich antreten und für Frieden an den Krisenherden dieser Welt sorgen. Und tatsächlich: Seit er als unbesiegbarer Iron Man unterwegs ist, herrscht tatsächlich Frieden. Mit einer ein Jahr dauernden Technologiemesse in seinem riesigen Forschungszentrum will Stark nun allen Forschern der Welt die Gelegenheit geben, ihre Fähigkeiten in einen Topf zu werfen, um endlich nachhaltig die Welt zu verbessern.
Doch nun will das US-Militär an die Technik hinter dem Exoskelett, denn das Gewaltmonopol steht nur dem Staat zu und niemals einem Privatmann, und sei der auch noch so linientreu. Stark stellt sich natürlich quer, denn genaugenommen handelt es sich bei seiner Rüstung eigentlich um gar keine Waffe, sondern eine Art aufwendige Gehhilfe mit gewissen Extras. Mit einer eindrucksvollen Vorführung der fehlgeschlagenen Versuche anderer Regierungen, selbst solche Kampfanzüge zu entwickeln, stiehlt Stark bei der Senatsanhörung die Show. Die eigentlich als Niederlage für ihn geplante Veranstaltung wird zum erneuten Triumphzug für den Medienliebling Tony Stark.
Was jedoch keiner weiß: Tony Stark schreitet trotz seines praktisch unermesslichen Reichtums und allem technischem Schnickschnack, den man sich nur vorstellen kann, einem baldigen Tod entgegen. Das Palladium, mit dem er seinen kleinen im Brustkorb verbauten Reaktor, und damit auch seinen Kampfanzug, antreibt, zerfällt im Betrieb und ergießt sich in seine Blutbahn. Die Konsequenz ist eine stetig steigende Konzentration des Edelmetalls in Starks Blut. Je höher der Level des Palladiums, desto benebelter ist Tony Stark.
Zum Forschen nach einer saubereren Energiequelle kommt Stark jedoch auch nicht, denn zum einen quält man ihn mit der Anhörung in Washington, dann ist da noch die Sache mit der Führungsposition für Pepper Potts bei Stark Industries (jemand muss die Geschäfte ja leiten), und zum anderen taucht auch noch ein Ivan Vanko auf, von dem Stark noch nie gehört hat.
Ivan Vanko erregt Starks Aufmerksamkeit mit einem furiosen Auftritt bei einem Autorennen in Monaco. Der Sohn des ehemaligen Geschäftspartners von Tony Starks Vater ist ebenfalls ein fähiger Physiker und hat von diesem eine Menge Baupläne und Skizzen für revolutionäre Erfindungen geerbt. Da die beiden Väter ihre Grundlagenforschung als Team betrieben haben, hat Vanko so ziemlich alle Kenntnisse zur Hand, die auch Stark zur Verfügung stehen, wenn auch deutlich geringere finanzielle Mittel. Vanko Senior wurde nämlich dereinst aus politischem Kalkül aus den USA nach Russland ausgewiesen und von den Russen wiederum nach Sibirien deportiert, was Stark Senior seinem Sohn Tony jedoch nie erzählte.
Während Tony Stark also einer Palladiumvergiftung immer näher kommt und dadurch immer irrationaler wird, das Militär nichts unversucht lässt, um an Starks Technologie zu kommen und Ivan Vanko als Whiplash zeigt, dass Iron Man eben doch nicht allem und jedem haushoch überlegen ist, agiert hinter den Kulissen auch noch der konkurrierende Waffenproduzent Justin Hammer gegen Stark. Kein Wunder, dass dessen Freunde und Verbündete sich mehr und mehr zurückziehen und Tony Stark bald ganz alleine dasteht. Und ausgerechnet diesen Moment sucht sich Ivan Vanko aus, um seinen massiven Gegenangriff auf Tony Stark zu starten: Er konnte sich nämlich mit Hilfe von Justin Hammer eine kleine Armee von Iron Man-artigen Kampfrobotern bauen, die er nun gnadenlos auf Stark loslässt.
Grundvoraussetzung für den Genuss dieses Filmes ist die Kenntnis des ersten Teils, es bedarf keiner weiteren Kenntnisse aus dem Marvel-Universum. Natürlich hält der Film für Marvel-Fans nicht wenige Anspielungen und Insidergags parat, für ein ordentliches Kinovergnügen brauchen diese aber nicht bekannt zu sein.
Dreh- und Angelpunkt des Films sind natürlich die Actionszenen, von denen es mehr als genug gibt, um Fans zufrieden schnurren zu lassen. Tatsächlich dürfen die Actionszenen als so gut wie perfekt bezeichnet werden, sind rasant choreographiert und rasend schnell inszeniert, doch verliert man - nicht zuletzt aufgrund der farblichen Unterschiede der diversen Kampfteilnehmer - nie den Überblick. Nur die Tatsache, dass es zu keinem Zeitpunkt und bei all den Schießereien Verletzte zu geben scheint, ist schon etwas befremdlich.
Was die feinen Zwischentöne betrifft, so beweist Regisseur Jon Favreau, im Film auch zu sehen als Starks Assistent Hogan, ein geschicktes Händchen. Sowohl die Liebesgeschichte zwischen Stark und Pepper Potts, als auch die Freundschaft zwischen Stark und Col. James Rhodes, als auch die Abneigung zwischen Stark und Hammer erhalten mehr als nur das absolute Minimum an Platz in der Geschichte. Hinzu kommen die absolut aufregende Anwesenheit von Scarlett Johansson als Natasha Romanoff, komplett mit einer ironisch augenzwinkernden Kampf-Performance, sowie ein getriebener, gnadenloser und dabei auch ohne viele Facetten bestens funktionierender Mickey Rourke als Ivan Vanko.
Besondere Erwähnung verdient das Schauspiel von Robert Downey jr., der einen Applaus allein dafür verdient hat, sich erfolgreich von seiner Drogensucht losgerissen zu haben und der sich danach mit viel Disziplin und frühem Aufstehen eine beeindruckende neue Filmkarriere erarbeitet hat. Downey schultert als Titelfigur praktisch den kompletten Film alleine, und erlaubt sich nicht einen Ausbrecher, nicht ein Augenzwinkern, das "jetzt nicht so gut" zur Figur passen würde. Entweder ist Favreau ein teuflischer Regisseur oder Downey ein Perfektionist.
Iron Man 2 ist ein absolut solider Unterhaltungsfilm für Actionfans, der in nicht wenigen Bereichen zeigt, wie zukünftige Technologien aussehen könnten, wenn die Frage der Energieversorgung erst einmal gelöst ist. Leseratten erkennen deutliche Parallelen zu manchem Science-Fiction-Klassiker, doch Exoskelette, Bionics und Kampfanzüge kommen ja praktisch überall vor. Definitiv ein feiner Actionknaller für den aufgedrehten Kinoabend mit den Kumpels.