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Die Frau mit den 5 Elefanten

(Die Frau mit den 5 Elefanten, 2009)

Dt.Start: 28. Januar 2010 Premiere: 11. August 2009 (Festival, Schweiz)
FSK: ab 6 Genre: Dokumentation, Biografie
Länge: 93 min Land: Schweiz
Darsteller: n/a
Regie: Vadim Jendreyko
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Die heute 85- jährige Übersetzerin Swetlana Geier erlebte die Zeit Hitlers und Stalins in ihrer ukrainischen Heimat, bevor sie 1943 in Deutschland interniert wurde. Nach dem Krieg blieb sie und begann als Übersetzerin tätig zu werden. Ihre größte Aufgabe waren fünf große Werke Dostojewskis, die sie mit der Leidenschaft und Liebe für Sprache bewältigte, die ihr ganzes Leben bestimmten.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Frau mit den 5 Elefanten hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 60%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Die Frau mit den 5 Elefanten hat eine Wertung von 60%
Lässt man sich von dem Titel in die Irre führen, könnte man vielleicht tatsächlich eine Story über eine Art Diane Fossey der Dickhäuterwelt vermuten. Doch weit gefehlt: Bei den fünf Elefanten handelt es sich um fünf Bücher - Meilensteine der Weltliteratur. Es ist die Geschichte ihrer Übersetzerin, die ihr Lebenswerk mit deren Übertragung krönt und nun zum ersten Mal seit über 60 Jahren zu ihren Wurzeln zurückreist. Interessantes Portrait, mit der authentischen Note eines Zeitzeugen einer unheilvollen Zeit versehen, aber als Film eher für einen sehr kleinen Zuschauerkreis aufbereitet.

Bild aus Die Frau mit den 5 Elefanten Fast meint man, den Geruch von deftiger Hausmannskost wahrnehmen zu können. Ein leicht gebeugtes, aber körperlich immer noch rüstiges, Großmütterchen mit schlohweißem Haar werkelt in der Küche - die Szene weckt Erinnerungen, man möchte am Tisch Platznehmen und sich frischgebackene Kekse und Schokoladenmilch servieren lassen. Die 85-jährige ist aber nicht einfach nur irgendeine ältere Dame. Swetlana Geier gilt als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Vor nicht allzu langer Zeit hat sie ihr Lebenswerk beendet: Die fünf unsterblichen Romane Dostojewskijs neu übersetzt; diese Meilensteine der Weltliteratur werden in Fachkreisen leicht scherzhaft auch als "die fünf Elefanten" bezeichnet.

Entscheidend für eine gelungene Übersetzung ist, wie wenig Verlust beim Übertrag entsteht, wieviel also jenseits des Neuentwurfs, den eine Übersetzung zwangsläufig auch immer darstellt, vom ursprünglichen Deutungsinhalt und der wahren Intention des Autors über den Transfer hinaus überlebt. Geiers Arbeit wird nachgesagt, dass sie von großem sinnlichen Sprachverständnis und kompromissloser Achtung vor Autor und Werk geprägt ist. Ihr Anspruch, dass jede Übersetzung im Kern den Geist des Werkes und das Wesen des Autors treffen und erhalten muss. Doch letztendlich ist jede Übersetzung - selbst die perfekteste - unvollkommen, da Produkt ihrer Zeit und Reflexion durch die Augen des Übersetzers.

Im Zentrum der Dokumentation steht aber nicht die Arbeit der berühmten Übersetzerin allein - so fesselnd mag das Beobachten von Lektoren nun vielleicht doch nicht sein - stattdessen lädt Filmemacher Vadim Jendreyko ein, Swetlana Geier auf eine Reise zu dem Ort zu begleiten, an dem sie geboren wurde und ihre Kindheit und Jugend verbrachte. 1923 in der Ukraine zur Welt gekommen, wurde ihr Leben vom Einmarsch deutscher Truppen entscheidend mitgeprägt. Zuvor hatte sie im Alter von 15 Jahren erleben müssen, wie ihr Vater bei einer von Stalins politischen Säuberungen verhaftet und nach 18 Monaten Haft schwer misshandelt wieder entlassen wurde, um wenig später zu sterben. Drei Jahre später verliert Geier auch noch ihre beste Freundin, als SS Kommandos 30.000 Juden in Kiew bestialisch hinrichten.

Zum ersten Mal nach dem Krieg reist sie jetzt wieder zu diesen Stätten zurück. Ein wenig Roadmovie und Zeitreise ist Die Frau mit den 5 Elefanten somit auch. Unterstrichen wird diese Seite des Films noch dadurch, dass die Reiseeindrücke mit Originalbildern und dokumentarischen Aufnahmen der damaligen Zeit verknüpft werden. So plätschert dieses ausschnittsartige Lebensportrait, das durchzogen ist von literarischen Höhenflügen, zwischen Lebensgeschichte der Protagonistin, erwecktem Zeitgeist, Lokalkolorit und chronistischer Ambition im Plauderstil über gute anderthalb Stunden dahin, was mitunter die eigene Konzentrationsfähigkeit durchaus auf den Prüfstein stellen kann. Der Film gewährt andererseits aber auch interessante Einblicke in das bewegte Leben und Werk einer Frau, die sonst wohl nur absoluten Literaturexperten ein Begriff gewesen wäre. Ehrlicher Weise muss aber dennoch hinterfragt werden, mit welcher Zielsetzung diese Dokumentation als Format für die große Leinwand eigentlich realisiert wurde?



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