Scott Coopers Drama erzählt die Geschichte eines einstigen berühmten Countrysängers. In die Jahre gekommen, träumt er seinem damaligen Erfolg inzwischen hinterher. Gefangen zwischen Alkohol und innerem Zerfall, versucht er sein Leben zu meistern. Die Story selbst erscheint zwar nicht sonderlich neu, überrascht jedoch durch ihre Umsetzung und herausragende Besetzung.
Kein anderer als Jeff Bridges verkörpert den in die Jahre gekommenen Bad Blake, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Seine Tage als bekannter Countrymusiker sind längst Vergangenheit. Stattdessen bespielt Bad lediglich noch kleine Clubs und heruntergekommene Lokale mit seinen einstigen Nummer-Eins-Hits. Billige Hotels dienen ihm als Absteige und sein bester Freund ist der Alkohol. Kein Wunder also, dass er so manchen Auftritt sturzbetrunken absolviert und mehr einem Häufchen Elend ähnelt, als einem ehemaligen Star. Erst als die junge Journalistin Jean Craddock in sein Leben tritt, lernt Bad langsam wieder zu leben.
In den ersten Minuten des Films wird sich manch Zuschauer fragen, in welchem Film er sich gerade befindet. Zu stark erinnert Jeff Bridges als ungepflegter Bad Blake in Schlabberklamotten an seine große Rolle in The Big Lebowski. Es werden sich noch einige Parallelen zwischen den beiden Filmen finden, insbesondere die starke Zuneigung zum Alkohol steht da wohl an erster Stelle.
Oftmals kann man Bad Blake aber auch mit Randy Robinson vergleichen, den Mickey Rourke in The Wrestler verkörperte. Beide Figuren stehen am Ende einer langen und erfolgreichen Karriere, können nicht loslassen und trauern ihrem einstigen Erfolg hinterher. Sie sind inzwischen nur noch ein Schatten ihrer selbst und erleiden Tiefschläge ohne Ende.
Jeff Bridges scheint die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Ohne ihn wäre ein Bad Blake undenkbar, genauso wie The Wrestler ohne Rourke nicht funktionieren könnte. Bridges spielt Blake nicht nur, er scheint ihn tatsächlich zu leben. Des Weiteren lebt Crazy Heart davon, dass die fiktive Geschichte ungemein berührend erzählt wird. Der stete Spagat zwischen Hoffnung, Resignation, Aufbäumen und tiefstem Mitleid geht immer wieder ineinander über und greift den Zuschauer dabei stark in seinen Gefühlen an. Zeitweise bringt man Blake unendlich viel Mitleid entgegen, manchmal ekelt man sich auch vor ihm und immer wieder hofft man, dass er doch noch einen Weg finden wird. Durch die innige Freundschaft und Liebe zu der um Jahre jüngeren Jean (Maggie Gyllenhaal) findet Blake letztlich zumindest die Kraft, sich aus der Alkoholsucht zu befreien. So bleibt dem Zuschauer wenigstens zum Ende ein gewisser Hoffnungsschimmer.
Die herausragende schauspielerische Leistung auf der einen Seite sowie die Kunst, ungeschönigt den Zerfall eines Menschen und seinen langsamen Aufstieg zu zeigen, machen Scott Coopers Drama durchweg sehenswert.