Täglich verschwinden Kinder ohne jede Spur, ohne jeden Anhaltspunkt was mit ihnen geschehen ist. Zurück bleiben die Familien in Hilflosigkeit und im Zustand der Ohnmacht, denn sie wissen nicht, ob sie trauern oder weiter hoffen sollen. Die ideale deprimierende und trostlose Grundlage für einen spannenden Mysterythriller, dachte sich wohl Regisseur Johnny Kevorkian und liefert eine solide Arbeit ab. Der Film fängt stark an, lässt aber im Laufe der Handlung etwas nach, es fehlt ein wenig an Stringenz und Geradlinigkeit. Dennoch bietet dieser britische Film einige gute Grusel- und Schreckmomente, die aufgrund der düsteren Kulisse ein positives Gesamtbild ergeben.
Matt ist ein junger Mann, der das Leben eigentlich in vollen Zügen genießen könnte. Doch ein Abend verändert sein ganzes Leben: Mit seinen Freunden zusammen feiert er feuchtfröhlich und ausgelassen seinen Geburtstag, da ist sein kleiner Bruder Tom einfach fehl am Platz. Gelangweilt flüchtet dieser auf den nahe gelegenen Spielplatz - und verschwindet spurlos von dort. Auch die Fahndungen der Polizei bringen keinen Erfolg. Matts Schuldgefühle stürzen ihn in schwere Depressionen. Da sein Vater sich nicht anders zu helfen weiß, bringt er ihn ins Krankenhaus, wo er sich erholen soll. Nach seiner Entlassung wird Matt in der gewohnten Umgebung erneut mit Erinnerungen an seinen kleinen Bruder konfrontiert.
Als er sich eine alte Videokassette ansieht, glaubt er plötzlich die Stimme von Tom auf dem Band zu hören. Das Gleiche passiert ihm, als er eine selbst bespielte Kassette anhört, die er mit zum Spielplatz genommen hat, von dem Tom verschwunden ist. Bald ist Matt überzeugt, dass sein Bruder ihn um Hilfe bittet, damit er endlich gefunden wird. Aber niemand glaubt ihm, gerade wegen seines jüngsten Zusammenbruchs, werden seine Behauptungen als Wahnvorstellungen abgetan. Die Einzige, die ihn ernst nimmt, ist die neue Nachbarin Amy. Um ihn zu unterstützen, gibt sie ihm die Adresse einer Frau, die angeblich mit den Geistern von Toten kommunizieren kann.
Trotz des Widerspruchs des Vaters, des Betreuers und des besten Freundes, bleibt Matt den rätselhaften Erscheinungen und Stimmen auf der Spur. Seine Nachforschungen bringen ihn auf neue Fährten, die sich doch immer wieder zu verlieren scheinen. Es hat immer mehr den Anschein, als ob Matt doch kurz davor steht, seinen Verstand zu verlieren. Denn es bleibt nicht bei Toms Stimme. Er glaubt ihn immer häufiger zu sehen, träumt verstörende Dinge und taucht zudem in eine Welt ein, die es so gar nicht mehr gibt.
Eine farblose Hochhaussiedlung im Süden von London, wo offensichtlich nie die Sonne scheint, das mysteriöse Verschwinden eines Kindes und ein gezeichneter Protagonist, der versucht mit der Situation fertig zu werden. In dieser Ausgangslage startet The Disappeared durchaus gekonnt mit unheimlichen aber sparsamen Elementen. Hier eine Kinderstimme aus dem Nichts, da ein Spielzeugauto, das wie von Geisterhand den Platz gewechselt hat. Diese subtilen Ereignisse ergänzen sich hervorragend mit der trostlosen Stimmung zwischen Matt und dem distanzierten, trinkenden Vater.
Doch diese Atmosphäre schafft es leider nicht, den gesamten Film zu begleiten. Das beginnt schon damit, dass die raffinierte Erzählweise nicht beibehalten wird. Während zu Beginn der Handlung noch darauf geachtet wird, dass Matts Erscheinungen für den Zuschauer nicht eindeutig als Einbildung seinerseits oder "tatsächlich vorhanden" identifizierbar sind, verliert sich das im weiteren Verlauf immer mehr. Dafür kommen eher typische und altbekannte Mystery-Elemente dazu, die den Film langsam aber sicher in eine bestimmte Genre-Schublade fallen lassen.
Gegen Ende warten mehrere Überraschungen und Lösungen auf den gewillten Betrachter. Während ein Teil nicht sonderlich originell ist, kann der Andere für Fans von Mysterythrillern schon vorher erkennbar sein. Alles in allem liefert der britische Regisseur Johnny Kevorkian mit The Disappeared einen soliden und durchaus sehenswerten Film ab, der es immerhin auf das Fantasy Filmfest 2009 schaffte. Manko ist allerdings, dass die Handlung nach einem guten Start mehr und mehr in bereits Gesehenes abrutscht und daher nicht mit besonderer Innovation punkten kann. Wer sich aber ein bisschen erschrecken lassen will und viel auf gute Grundstimmungen gibt, der wird an diesem britischen Film sicher Gefallen finden.