In der Verfilmung des SF-Romans The Repossession Mambo von Eric Garcia stehen gegen Geld beliebige Organe für Jeden zur Verfügung. Doch wehe, wenn der Kreditnehmer mit der Zahlung im Rückstand ist: "Repo Men" vollziehen dann eine Lebendentnahme. Jude Law (Das Kabinett des Dr. Parnassus) hetzt durch einen zitatereichen, kröseligen und ziemlich seltsamen SF-Thriller zweifelhaften Niveaus.
In Deutschland gibt es aufgrund der "erweiterten Zustimmungslösung" immer wieder Probleme, die benötigte Anzahl von Spenderorganen für Patienten bereit zu stellen. Wer durch Ausfüllen eines Organspendeausweises zu Lebzeiten nicht explizit darüber verfügt hat, dass ihm im Todesfall Magen, Nieren usw. entnommen werden dürfen oder über nahe Angehörige verfügt, die sich zu dieser Entscheidung durchringen können, fungiert nicht als Spender. Seit Jahren ist eine Änderung dieser gesetzlichen Regelung im Gespräch, dahingehend, dass jeder Bürger verpflichtet werden soll, sich zu Lebzeiten zu dieser Thematik zu äußern, damit sehr vielen Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, medizinisch geholfen werden kann.
Wie paradiesisch sind da scheinbar die Zustände in dieser schönen neuen Welt in Repo Men, in welcher Organe künstlich erzeugt und in den Körper eingesetzt werden können. Eine spezialisierte Firma namens "The Union" bietet diese Dienstleistung an - mit entsprechender Finanzierung, versteht sich. Der Haken an der Sache: Sollten die hohen Raten und Zinsen des Kredits einmal für drei Monate nicht gezahlt werden können, erfolgt die "Rückübereignung" des Organs. Sprich: Es wird von sog. "Repo Men" wieder aus dem Körper rausgeschnippelt, eingescannt, in eine Datenbank eingetragen und steht dann anderen Kunden zur Verfügung. Eine dank der voyeuristischen Inszenierung ziemlich viel Gekröse versprechende Angelegenheit - und Jude Law (Sherlock Holmes) als Organ-Fleischermeister Remy ist mittendrin.
Dabei kommt es, wie es kommen muss und der mit ausgelutschten Familienproblemen kämpfende Jäger wird durch eine notwendige Operation nach der Bedienung eines defekten Defibrillators und ausstehender Raten selbst zum Gejagten. Aus Remy, der sich damit rühmt, ein kleines Gehirn in einem großen Kopf zu haben, und Busenfreund Jake (Forest Whitaker, Street Kings), der mit Remy zusammen eine spaßige Zeit beim Militär und schließlich bei "The Union" verbracht hat, werden Feinde. Zusammen mit der organisch rundum erneuerten Beth (Alice Braga, Die Stadt der Blinden), zugleich seine absehbare love interest, plant Remy den Gegenangriff.
Bis hierhin klingt die Ausgangsidee erst einmal ziemlich krank, das SciFi-Szenario erst einmal ziemlich spannend. Doof ist nur, dass sich Miguel Sapochnik in seinem Kinodebüt nicht so richtig zwischen Actionthriller und absurder Komödie entscheiden kann, was den Film bei den blutigen "Rückübereignungen" nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern bei extrem - nun ja - kranken Szenen auch die Grenzen des Humors überschreiten lässt. So ist in Repo Men die wohl blutigste, "organischste" Erotikszene der Filmgeschichte zu finden, die beim weniger hartgesottenen Zuschauer ebenso wie zahlreiche klaffende Wunden durchaus Ekel hervorrufen dürfte.
Die mit zahlreichen Film-Zitaten vollgestopfte Geschichte - wovon die an das Hammer-Gemetzel in Oldboy am meisten überrascht und die an die Brazil-Auflösung am cleversten implementiert wurde - verlässt zu keiner Zeit die von anderen Genrevertretern ausgelatschten Storypfade. Das Production Design der Zukunftswelt und die Special Effects sind trotz eines vergleichsweise kleinen Budgets von 32 Mio. Dollar erwartungsgemäß nett anzuschauen, können aber nicht von den mal geschwollenen, mal tumben Dialogen ablenken. Jude Law spielt dabei seine Rolle als Systemaufbegehrer gewohnt blass herunter, während Alice Braga sich als geheimnisvolle "7 Millionen Dollar Frau" wacker schlägt und Forest Whitaker als debiler Saufkumpane sträflich unterfordert bleibt. Das sind nur einige der Gründe, weswegen Repo Men bei allem Unterhaltungswert immer so sinnfrei wirkt. Und so verwundert es in diesem merkwürdigen Stilzwitter der Marke Blade Runner goes Hostel auch kaum, dass eine tiefergehende ethisch-moralische Auseinandersetzung mit den wichtigen Themen Organtransplantation und Human Enhancement leider außen vor bleibt.