Katzen und Hunde, das ist nur selten eine gelungene Kombination: Reckt Waldi seine Rute in die Höhe, freut er sich, macht Miezi das, hat sie gerade ihre fünf Minuten. Legt Wuschel seine Ohren an, unterwirft er sich seinem Menschen, macht Kitty das, sollte man ihr ganz schnell aus dem Wege gehen. Wer so unterschiedlich kommuniziert, wird sich kaum anfreunden können. Doch genau das ist bei Cats & Dogs - Die Rache der Kitty Kahlohr nötig, um die Menschheit vor der Rache einer haarlosen Katze zu bewahren. Weitgehend sinnfreier, doch harmloser Spaß, bei dem glatt mehr drin gewesen wäre, wenn man vielleicht gekonnt, wie man gewollt hätte.
Seit tausenden von Jahren ringen sie um die Gunst des Menschen. Der Wolfabkömmling, der in seinen diversen und zuweilen schräg anmutenden Zuchtvarianten mitunter nur noch gering an seinen wilden Vetter erinnert, hat sich sein Terrain durch devotes Verhalten und bedingungslose Loyalität erkämpft. Nicht so die Samtpfoten, deren direkte Ahnherrin die nubische Falbkatze (Felis libyca) ist: Sie hat sich in ihrer Gestalt nicht nur weitaus weniger von der Stammform entfernt, darüber hinaus weigert sie sich strikt, ihre wilde Natur (ganz) aufzugeben. Wer meint, dem wäre nicht so, dem sei angeraten, zu versuchen mit seiner Katze "hol das Stöckchen" oder Dergleichen zu spielen. Wenn eine Katze sich also anbiedert, dann nicht deshalb weil sie sich unterwirft, sondern weil sie gelernt hat, dass Anbiederung beim Menschen (im Katzenjargon auch als Dosenöffner bezeichnet) bestimmte Verhaltensweisen fördert. Sie erzieht ihren Menschen - nicht etwa umgekehrt!
Diese ausgeprägten Unterschiede zwischen den beiden Haustieren, die sich um den ersten Platz in der Beliebtheit streiten und natürlich die "Missverständnisse", welche entstehen, wenn Hund und Katz aufeinander treffen, machten sich schon eine ganze Reihe von Real- und Animationsfilmen für ihre Geschichten zunutze. Cats & Dogs - Wie Hund und Katz kombinierte vor inzwischen satten neun Jahren das Thema mit dem Agentengenre. Warum diese beiden Spezies lediglich um die Gunst des Menschen wetteifern lassen? Da die Miezen ohnehin danach trachten, dem Homo Sapiens ihren Willen aufzuzwingen, warum nicht gleich eine filmische Weltverschwörung daraus machen?
Von langer Pfote planen die Katzen, sich den Menschen und die ganze Welt Untertan zu machen und haben dafür eine weit verzweigte Geheimorganisation gegründet, gegen die FBI, CIA, Secret Service oder sonst ein menschlicher Geheimdienst wie Vorstadtsheriffs aussehen. Nur der Geheimdienst der Hunde, die sich dem Schutz ihrer Herrchen und Frauchen bedingungslos verschrieben haben, kann dieses Vorhaben vereiteln. Nahtlos geht es nun in der Fortsetzung Cats & Dogs - Die Rache der Kitty Kahlohr zunächst thematisch ähnlich weiter. Anstelle des Welpen-Agentenazubis aus dem ersten Teil - der inzwischen zum leitenden Angestellten im Innendienst avanciert ist - tritt nun ein Schäferhund als Rookie in dessen Pfotenstapfen. Diggs ist eigentlich Polizeihund und arbeitet bei der K-9 Hundestaffel, allerdings bringt er seinem menschlichen Partner (ein paar Minuten lang, ist man sich angesichts der ersten Szenen sicher, bei Kommissar Rex gelandet zu sein) mehr in Schwierigkeiten, als dass er eine große Hilfe darstellt. Er meint es einfach zu gut und schießt damit immer weit übers Ziel hinaus.
Solches Engagement und Aufopferungsbereitschaft - inklusive abgrundtiefem Katzenhass - ist für den hündischen Geheimdienst genau richtig. Prompt wird Diggs aus seinem Zwinger raus für ganz spezielle Missionen rekrutiert. Eben zur rechten Zeit, schließlich braut sich gerade gewaltiges Unheil zusammen: Die Machtbesessene Kitty Kahlohr (die in ihrem haarlosen Dasein starke Assoziationen an einen Nacktmull weckt) hat sich Zugang zu einer Menge Hi-Tech besorgt - sogar einen Satelliten im Orbit kontrolliert sie - und beabsichtigt damit, ein Signal zu übertragen, auf einer Frequenz, die ausschließlich Hunde hören können. Das Signal soll die Hunde verrückt spielen lassen, so dass ihre menschlichen Besitzer sie nicht mehr an ihrer Seite dulden, und dann ist die Stunde der Katzen gekommen. Allerdings ist dieser megalomanische Plan schon derart boshaft, dass sogar der Katzengeheimdienst MEOWS bereits eine Agentin entsandte, um der Kahlohr das Handwerk zu legen. Es scheint fast, als müssten die beiden verfeindeten Spezies zusammenarbeiten, damit die Menschheit gerettet werden kann. Und weil den Machern offensichtlich zwei Spezies in dieser 3D-CGI-Klamotte zuwenig waren, gibt es obendrein als "Bonus" noch eine extrem plapprige und auch halbdebile Taube zu bestaunen.
War Cats & Dogs - Wie Hund und Katz nicht gerade der Kritiker Liebling, erfreuten sich die lieben Kleinen aber sichtlich an diesem tierischen Abenteuer, was zumindest die Kassen des Studios ordentlich klingeln lies. Da verwundert es regelrecht, dass nicht gleich darauf versucht wurde, die Kuh noch einmal zu melken. Sollte man sich tatsächlich neun Jahre Zeit mit einer Fortsetzung gelassen haben, um an einem Drehbuch zu tüfteln, das Jung und Alt umhauen wird? Kurzgesagt: Nein! Cats & Dogs - Die Rache der Kitty Kahlohr wartet mit einer flachen Story und (wieder mal) überwiegend platten Gags auf. Selbstverständlich wird aber das Agentenmotiv nicht nur stringent fortgeführt, der ganze Film ist eine einzige Hommage an Bond & Co.; allerdings schleichen sich auch Versatzstücke aus anderen Filmen hinein. Die Dynamik zwischen dem Rookie Giggs und seinem direkten Chef erinnert beispielsweise deutlich an Men in Black und Mission: Impossible wird gelegentlich auch grüßen lassen.
Anders als sein Vorgänger, fährt Cats & Dogs - Die Rache der Kitty Kahlohr den Niedlichkeitsfaktor aber ein Stufe runter. Der Protagonist ist nun nicht mehr ein tapsiger Welpe, sondern ein etwas rauflustiger Schäferhund. Ob das allerdings die ideale Vorgehensweise ist, um Kinderherzen zu erobern, sei dahingestellt. Vielleicht stellt es aber den Versuch da, irgendwie "erwachsener" zu wirken und somit die ganze Familie ins Kino zu bekommen. Dafür sprechen eine Reihe augenzwinkernder Sidekicks, die tatsächlich das Gemüt eines älteren Kinofreunds erfreuen können (und die natürlich hier nicht verraten werden). Kleine Kinder werden von diesen aber leidlich wenig haben.
Unausweichlich und dem Zeitgeist entsprechend, wurde allerdings nicht darauf verzichtet, in die dritte Dimension zu gehen. Beschert hat das nennenswert, außer den üblichen Kontrastproblemen in sehr dunklen Szenen, eine Flug-Verfolgungsjagd mit dem Jet-Pack, die stark an die 3D-Fahrten aus diversen Vergnügungsparks erinnert und alles andere als State-of-the-Art ist. Ohne sich jetzt darüber allzu sehr auszulassen: Man hätte sich den Zirkus auch wirklich sparen können. Unterm Strich bleibt ein Film, der phasenweise Spaß machen kann, wenn man bereit ist, das Oberstübchen für knapp anderthalb Stunden auf Stand-By zu schalten und sich an einem Humor erfreuen kann, der über weite Strecken zwischen harmlos und sinnfrei durch die Hirnwindungen poltert, ohne dass Denkkapazitäten zu aktivieren wären. Erstaunlicherweise wäre aber tatsächlich mehr drin gewesen: davon zeugen nicht nur die Referenzen auf Genreklassiker, die durchaus noch weiter ausbaufähig gewesen wären, als auch beispielsweise Szenen mit durch-Katzenminze-bekifften-Katzen; die der Familienfreundlichkeit halber natürlich nicht zu derbe getrieben werden können. Das ist halt die Crux, wenn man es jedermann recht machen möchte.