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Der Vater meiner Kinder

(Le père de mes enfants, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

62%



Inhalt

Das Leben des Filmproduzenten Grégoire scheint perfekt zu sein. Er ist glücklich mit seiner Frau Sylvia verheiratet, hat drei wunderbare Kinder und geht vollkommen in seinem Beruf auf. Keiner der Menschen um ihn ahnt, dass er alles zu verlieren droht, weil seine Produktionsfirma in Schulden versinkt. Schließlich nimmt er sich verzweifelt das Leben und lässt seine ahnungslose Familie zurück. Doch seine Frau ergibt sich nicht ihrem Schicksal, sondern nimmt die Dinge in ihre eigene Hand: sie versucht seine Projekte zu vollenden.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

62%

Das Thema des tragischen Verlustes und des folgenden Verarbeitungsprozesses, ist ein im Film immer wiederkehrendes. Die erzählten Geschichten sind dabei so mannigfaltig, wie die Schicksale dahinter. Kein Verlust gleicht dem anderen, und jede Bewältigung läuft auf ganz individuellen Pfaden ab. Genau hier zeigt sich die Stärke von Der Vater meiner Kinder, der einzelne Schicksale intelligent abbildet: der Familienmitglieder, die sich nach dem Selbstmord des Vaters auf eine Sinnsuche begeben. Leider gelingt es dem Film aber nicht, das alles konsequent erzählerisch dicht zusammenzuhalten, was ihn emotional etwas stumpf wirken lässt.

Bild aus Der Vater meiner Kinder Der Freitod eines geliebten Menschen reißt immer eine gewaltige Lücke in das Leben der Hinterbliebenen. Traumatisiert bleiben die Angehörigen zurück und können das Geschehene nicht fassen. Oft geben sie sich selber die Schuld, fragen sich, warum sie es nicht kommen gesehen haben und ob sie zu abgelenkt, zu sehr auf sich selbst bezogen waren, um Signale zu deuten? Haben sie versagt, hätten sie da sein können, um den Mann, den Vater, den Bruder oder den Freund zu retten. Tatsache ist, dass diejenigen, die festen Entschlusses sind, aus dem Leben zu scheiden, in aller Regel keine Ankündigung machen. Sie tun es schlichtweg.

Grégoire (Louis-Do de Lencquesaing) ist Chef der kleinen Filmproduktions-Firma Moon Films in Paris, die auf Arthouse-Kino spezialisiert ist. In der Vergangenheit hatte er schon einige cineastische Erfolge, aktuell hat er sich aber mit seinen Projekten übernommen: Der in der Produktion befindliche Film Saturn scheint sich für Grégoires Firma zum absoluten Desaster zu entwickeln. Das Budget ist längst ausgeschöpft, aber der Dreh in Schweden kommt und kommt nicht zum Ende. Unvorhersehbare Ereignisse und die Launen des Regisseurs, des gleichsam genialen wie äußerst schwierigen Stig Larson, lassen den erfolgreichen Abschluss des Films in die Ferne rücken.

Alles Mühen, um das Projekt noch zu einem positiven Ende zu bringen, scheint vergebens. Grégoire ackert was er kann, versucht Gelder aufzutreiben, bekniet den Regisseur weiter zu machen, aber der droht mit Streik. Grégoires Familie leidet ebenfalls unter der Situation. Besonders seine Frau Sylvia (Chiara Casselli) fühlt sich extrem vernachlässigt und auch seine älteste Tochter Clémence (Alice de Lencquesaing) zieht sich immer weiter von ihm zurück. Ein kurzer Urlaub im italienischen Ravenna bringt etwas Entspannung, aber auch dort klingelt ständig das Handy - Grégoire kommt nirgends zur Ruhe. Zurück in Paris steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebenswerkes: Nichts scheint mehr die Katastrophe aufhalten zu können. Moon Films steht vor der Insolvenz. Als er sich plötzlich und für Außenstehende ganz unvermittelt das Leben nimmt, hat er selbst schon lange keinen Ausweg mehr gesehen.

Eine ganze Zeit lang weiß man als Zuschauer gar nicht, wohin der Streifen will. Er ist gut gefilmt und interessant erzählt, aber einen richtigen Plot oder eine Storyline vermag man nicht zu erkennen. Die schreckliche Tat trifft den Zuschauer damit ebenso brachial und unvorbereitet, wie auch die Film-Familie. Auf der Haupterzählebene entsteht anschließend eine Geschichte um Trauer, Verzweiflung, Verlustverarbeitung, aber auch darum, den Scherbenhaufen zusammenzukehren und wieder Hoffnung zu schöpfen. Der Vater meiner Kinder hat aber noch eine andere Seite; diese handelt von einem "unbekannten Menschen": Für seine Frau war er Gatte, Geliebter, Ernährer und Vater der gemeinsamen Kinder. Für die Kinder Bezugsperson, Vorbild und liebevoller Elternteil. Wer war aber der Mann wirklich, der sich seinen Visionen derart verschrieben hatte, dass es ihn am Ende ins Grab brachte? Wie viel weiß man überhaupt, von dem Menschen, den man tagein-tagaus immer aus einer ganz bestimmten Perspektive wahrnimmt und der immer nur dies oder das ist?

Es mag weit hergeholt klingen, aber der Film wirft einen speziellen Blick auf ein "männliches Phänomen": In Deutschland nehmen sich jedes Jahr doppelt soviel Männer wie Frauen das Leben. Oft sind das, wie auch im Film, Männer, die wichtige Positionen bekleiden und am Druck und der Verantwortung zerbrechen. Die Frage, die sich zwangsläufig anschließt, lautet, wie ist es möglich, dass jemand, der sein Leben lang gewohnt war Verantwortung zu tragen, plötzlich eine Tat begeht, welche Frau und Kinder schutzlos zurücklässt? Der Film versucht zwar nicht direkt eine Antwort darauf zu geben, zeigt aber, dass solche "starken Männer" nicht einfach bloß die Fassade sind, die sie als berufliche Funktionsebene inne haben und dass man um ihre Tat zu begreifen, als auch den Verlust verarbeiten zu können, sich mit dem Menschen als Ganzes auseinandersetzen muss.

Für die Familie in Der Vater meiner Kinder führt der Weg über diesen steinigen Pfad. Sylvia setzt sich mit dem Lebenswerk ihres Mannes, der Filmproduktions-Firma Moon Films auseinander und versucht seine Vision zu bewahren und die Firma zu retten. Und auch Clémence begibt sich auf Spurensuche und muss sich mit einem ungeahnten Teil der Vergangenheit ihres Vaters auseinandersetzen. So sehr es aber sinnig war, die einzelnen Familienmitglieder bei ihrem Bewältigungsprozess individuell zu zeichnen und Charaktere, die im Vorhinein eher im Hintergrund mitliefen, nun einen wesentlichen Part zukommen zu lassen, so sehr findet sich hier leider auch ein wesentliches Problem des Films wieder: Ohne im eigentlichen Sinne Episodenfilm zu sein, tauscht er die eine Erzähllinie gegen die Skizzierung der Individualgeschichten ein, schafft es aber nicht, ein emotional stimmiges Ganzes daraus zu erzeugen.

Diese "dramaturgische Unschärfe" deutete sich bereits zu Beginn an. Hatte sie aber da noch die Funktion, den plötzlichen Selbstmord möglichst unvermittelt in die Handlung einzuführen, lässt sie nun die Erzählstruktur etwas wirr wirken. Darüber hinaus wirkt Der Vater meiner Kinder für einen Film, der den Prozess der Verarbeitung eines tragischen Verlustes behandelt, regelrecht nüchtern. Der Streifen kommt ohne Pathos oder sentimentalen Kitsch aus, was einerseits erfreulich atypisch anmuten mag, durchaus aber auch einen leicht kühlen Eindruck vermittelt. In der Summe gestaltet sich damit ein Film, der alles andere als einfach ist: Bevölkert von authentischen Darstellern, versehen mit auseinander gerissen anmutendem Plot und Dramaturgie sowie pendelnd zwischen vordergründiger Verarbeitung und detektivischer Auseinandersetzung, stellt er eine Herausforderung an den Zuschauer dar. Die kann sich durchaus lohnen, muss aber nicht zwangsläufig rundherum zufrieden stellen.

Keine weitere Wertung


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