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Burma VJ

(Burma VJ, 2008)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 12. November 2008 (Festival, Dänemark)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 84 min Land: Dänemark
Darsteller: n/a
Regie: Anders Ostergaard
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

In Burma regiert seit 1962 ein repressives Militärregime, welches die Einheimischen in Freiheits- und Menschenrechten beschneidet. Als es dort im Herbst 2007 von August bis September zu einer Demonstrationswelle von buddhistischen Mönchen und der Bevölkerung kommt, gilt es für die VJs, Videojournalisten des Exil-Fernsehsenders Demokratische Stimme Burmas, nicht nur ungesehen das Geschehen zu filmen, sondern das betreffende Material auch außer Landes zu schmuggeln. Nur wenn die Ereignisse auf BBC und CNN laufen, sind die Aktivitäten von Erfolg gekrönt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Burma VJ hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 68%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Burma VJ hat eine Wertung von 68%
Burma ist seit einem halben Jahrhundert ein ausgesprochen unruhiges Land. Unter der Militärherrschaft zu einer Kleptokratie verkommen, ist Burma im Westen eine zwiespältig betrachtete Nation. Von manchen, wie von der Militärjunta gewünscht, Myanmar genannt, von anderen wiederum Birma, begutachtet man zwar den Hausarrest der Oppositionspolitikerin Ang Sun Suu Kyi mit Argwohn, weiß jedoch sonst relativ wenig aus Burma. Dies änderten einige burmesische VJs 2007 und Regisseur Anders Ostergaard mit seiner Dokumentation dieser Ereignisse.

Bild aus Burma VJ Zu Beginn wird die Brücke geschlagen zum 8888 Uprising, einem Volksaufstand burmesischer Studenten vom 8. August 1988. Schon damals hatte die Bevölkerung genug von der Militärdiktatur, eine Demonstrationswelle startete, die sogar Ang Sun Suu Kyi zurück ins Land lotste. Bis das Militär gegen die Demonstranten einzuschreiten begann. "Am Ende des Tages lagen in den Straßen 3.000 Tote... und alles war vorbei", erinnert sich "Joshua", der gesichtslose Erzähler in Ostergaards Dokumentation. 19 Jahre war dies 2007 her gewesen. Und wenn es nach Joshua und Anderen ginge, wären das 19 Jahre zu viel. Aber erneut auf die Straße, nochmals demonstrieren, das wolle er nicht für sein Volk. "Denn es sind kaum noch welche da, die man töten kann." Paradoxer Weise ist es aber dann doch das, was im folgenden Verlauf in Burma VJ geschieht. Das erneute demonstrieren auf der Straße.

"Unsere Geschichten sind stumm", erklärt Joshua. Die Burmesen wollen vor der Kamera nicht sprechen. Sie wissen zum einen nicht, ob es sich nicht vielleicht um einen Spion oder Agenten der Regierung handelt, und zum anderen kann es für sie schwerwiegende Konsequenzen haben. Wie ein stummer Demonstrant, der in der ersten Szene vor einem Gebäude ein Plakat hochhält, ehe er kurz darauf von unbekannten Männern in ein Auto verfrachtet und abtransportiert wird. Was steckt also hinter Burma VJ, wenn Joshua doch erneute Demonstrationen eigentlich ablehnt? "Es gilt, die Wahrheit über unser Land zu zeigen", lässt Ostergaard einen der VJs zu einem Kollegen sagen. Die Wahrheit also, über Burma, das sich letztlich als klassische Militärdiktatur herausstellt. So wie man das Land bereits kannte. Daher ist Burma VJ weniger das wahre Gesicht von Burma, als vielmehr eine Rekapitulation der Untergrundberichterstattung der Demonstrationen von 2007.

Im Film beginnen diese mit den Ereignissen vom 15. August 2007, als die Regierung die Benzinpreise verdoppelt hat. Dreizehn Tage später kommt es zu einer Demonstration in der Stadt, die einige der VJs mit ihren Kameras einfangen können. Eine erste Welle des Erfolgs zeichnet sich ab, als ein Taxifahrer anschließend den VJs gegenüber wie losgelöst die Aktion begrüßt. "Mit einem Fremden über Politik reden ist noch nie passiert", zeigt sich Joshua erstaunt. Der nächste Erfolg kann ein paar Wochen später am 18. September verzeichnet werden, als die buddhistischen Mönche des Landes geschlossen demonstrierten. In einer Szene beschützen sie sogar die VJs und schließen diese in ihre Mitte ein. "Nur die Mönche erreichen etwas", weiß Joshua. Sie sind in dem religiösen Land die einzige Macht, die die Militärjunta fürchten muss. So kommt es, dass auch am 26. September weiterhin Mönche und mit ihnen Zivilisten auf der Straße zu finden sind, obschon die Regierung inzwischen Ansammlungen von mehr als fünf Personen hat verbieten lassen.

Sogar nachdem in der Nacht hunderte ihrer Brüder verschleppt wurden, gingen auch am 27. September wieder zahlreiche Mönche demonstrieren. Joshua selbst muss dies inzwischen aus Thailand und über Telefon mitverfolgen, leitet er von dort doch die Zentrale der burmesischen VJs. Damit ist jedoch die Geduld der Junta überschritten. Am 28. September werden die Demonstranten - oft sprichwörtlich - niedergeschlagen, ein japanischer Journalist auf offener Straße hingerichtet. Eine Szene, die an Eddie Adams' berühmtes Foto aus dem Vietnamkrieg erinnert. Nicht die einzige Leiche, treibt am Morgen des 29. September zudem ein toter Mönch den Fluss hinab. Die Demonstrationen sind vorbei. Sowohl für die Burmesen als auch die VJs. Eine ihrer Zentralen wird von der Regierung hochgenommen, die anderen suchen ihr Heil in der Flucht. Ein jähes Ende der stillen Revolution, die wie zu erwarten war, scheitern musste, aber immerhin länger andauerte, als man sich hätte Träumen lassen.

Zwischen all die Handkameraschnipsel der VJs platziert Ostergaard dann die übernommenen Videos von CNN und BBC, dazu noch Erklärungen wie die von Ex-US-Präsident George W. Bush. Im Nachhinein politische und mediale Ressentiments, die verhallen. Burma VJ zeigt den Mut einiger Weniger, die den Mut einiger Zehntausender festhalten. Im Westen ernten sie dafür lediglich journalistischen Voyeurismus. Bush und Co. drücken ihren Unmut aus und damit hat es sich. Während ein unrechtmäßiger Krieg in Irak gefochten wird, denkt man nicht im Traum daran, Truppen nach Burma zu schicken. Für 2010 sind dort angeblich freie Wahlen geplant, was aber wohl nicht mehr als eine Charade der Regierung sein wird. Somit versanden alle Aktionen in Burma, da von Außen die Unterstützung fehlt. Ein Aspekt, der nicht nur Burma VJ, sondern vielen kritischen Dokumentationen den Wind aus dem Segel nimmt. So wird kaum anzunehmen sein, dass sich die Lage in Burma verändert, wie auch das Lebensmittelsystem in den USA durch Food, Inc. nicht erschüttert werden wird und im nächsten Jahr trotz Die Bucht - The Cove weiterhin im japanischen Taiji Delfine geschlachtet werden.

Ostergaard selbst ist mit seiner Dokumentation primär eine Art "Making Of" der Fernsehbilder vom Herbst 2007 gelungen. Wo die erste halbe Stunde noch relativ intensiv ist, da sich hier merkbar eine Bevölkerung in Aktion setzt, verliert sich Burma VJ anschließend in der Redundanz seiner Bilder. Von Brücken und Bäumen, Balkonen und aus Fenstern, die Bilder der VJs zeigen meist dasselbe und eben das, was man bereits in den Nachrichten zu sehen bekam. Dass sich die VJs hierbei persönlich in Gefahr begeben, kann man sich denken, auch ohne, dass dies explizit erwähnt oder angesprochen wird. Viel interessanter als die Arbeit der VJs wäre jedoch ein Einblick in die Organisation der Mönche gewesen. Schließlich sind die Demonstrationen im Herbst 2007 hauptsächlich ihnen zu verdanken. Doch was sie letztlich dazu bewegt hat oder was aus jenen über 200 Mönchen wurde, die nachts aus einem Kloster verschleppt wurden, bleibt offen.



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