Alan Parkers Drama über die ungewöhnliche Freundschaft eines Straßenrowdys und eines vogelbesessenen Sonderlings geizt nicht mit interessanten Einfällen und obskuren Momenten, bringt aber im selben Zug auch einen endlosen Rattenschwanz von unlogischen Storyentwicklungen und unfreiwilliger Komik mit sich. Insgesamt ein ansehbares, aber leider keinesfalls durchgehend überzeugendes Drama.
Der frühere Werbefilmer Alan Parker machte sich mit Filmen wie Fame, Angel Heart, der Romanverfilmung Die Asche meiner Mutter, dem Musical Evita und nicht zuletzt seinem genialen Pink Floyd The Wall einen Namen in der Filmwelt. Direkt nach letzterem brachte Parker 1984 mit Birdy die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft in die Kinos und versuchte sich im selben Zug auch daran, den Vietnamkrieg und seine Folgen zu kritisieren.
Leider kann Birdy dabei nicht so recht überzeugen. Ein Grund dafür ist die unglaubwürdige Figurenentwicklung zu Beginn des Films. Wie der Straßenviertel-Rowdy Al mit dem introvertierten Sonderling Birdy zusammenfindet, ist mehr als fragwürdig. Die beiden gänzlich gegensätzlichen Charaktere werden innerhalb weniger Filmminuten aus einer Konfliktsituation heraus zu Freunden. Eine Annäherung oder ein langsames Kennenlernen gibt es dabei nicht. Der Zuschauer wird hier also vor vollendete und obendrein noch unglaubwürdige Tatsachen gestellt. So kommt es auch zu einigen unfreiwillig komischen Stellen, die in teilweise beabsichtigt absurde Szenen übergehen, wobei einem jedoch vor allem unklar ist, warum sich Al auf die Verrücktheiten Birdys einlässt.
Ein weiteres Problem ist das recht ruhige, streckenweise träge Erzähltempo. Diese Trägheit zieht sich unglücklicherweise über die gesamte Spieldauer. Begünstigt wird dieser Eindruck durch einen chronischen Mangel an Storywendungen und einer fast unüberwindbaren Distanz zu den Hauptcharakteren, denn leider sind einem beide Figuren relativ gleichgültig. Der sonderbare Birdy wird zwar wirklich hervorragend von Matthew Modine (Full Metal Jacket) gespielt, doch ist seine Figur zu unnahbar und trotz seiner krankhaften, stets vordergründigen Vogelbesessenheit nicht interessant genug, um in die Herzen der Zuschauer zu dringen. Al, dargestellt von Nicolas Cage (Adaption), der wirklich keine Gelegenheit ungenutzt lässt, seinen durchtrainierten Körper zu präsentieren, funktioniert leider in keiner Weise als Identifikationsfigur. Einen klassischen Sympathieträger gibt es also in Birdy nicht. Die Probleme in der Charakterzeichnung sind aber vor allem dem misslungenen Einstieg in die Beziehung zwischen Birdy und Al geschuldet und ziehen sich durch den gesamten Film.
Der Vietnamkrieg ist es, der beide verändert und traumatisiert hat. Während Al mit seinem entstellten Gesicht zu tun hat, kauert Birdy nur noch katatonisch in einer Ecke seiner Psychiatriezelle. Die Vietnamkritik, die hiermit geäußert wird, wirkt recht bemüht, was vor allem daran liegt, dass die kurzen Vietnamsequenzen nicht eingängig und schockierend genug und insgesamt zu kurz sind, um als überzeugendes Fundament für die aktuelle Situation der Beiden zu fungieren.
Doch trotz aller Kritik ist Birdy bei weitem kein schlechter Film. Er vergibt nur leider sehr viel Potential und versiegt so im Mittelmaß. Die Idee an sich ist sicherlich interessant und der Ansatz durchaus lobenswert, doch weiß die Umsetzung, obwohl sie technisch solide ist, leider in keinem Moment so recht zu überzeugen. Alan Parker hätte da sicherlich mehr daraus machen können und müssen. Dennoch muss von Birdy keinesfalls abgeraten werden, allzu hoch sollte man jedoch seine Erwartungen nicht setzen.