Es ist Weihnachten 2010 und so ist nach 2005 und 2008 der dritte Teil der Narnia-Sagain allen Kinokalendern natürlich rot markiert. Die mit Special Effects um sich werfende Verfilmung der berühmten Bücher von C.S. Lewis gilt als Garant für Kinozuschauer in der Weihnachtszeit und auch diesmal gibt es viel zu sehen, sogar in 3D. Ob dieses "viel" bei dem heute üblichen Standard allerdings noch wirklich begeistern kann, steht auf einem anderen Blatt. Hier werden sich die Geister nämlich durchaus scheiden, denn qualitativ bietet Die Chroniken von Narnia: Reise auf der Morgenröte vermutlich nicht das, was sich einige versprechen.
Wenn sich Produktionsfirmen streiten, dann geht es meistens um Geld. Viel Geld in diesem Fall, denn statt den 100 Millionen, die Disney zur Verfügung stellen wollte, dachte Walden Media an üppige 140 Millionen Dollar für Die Chroniken von Narnia: Reise auf der Morgenröte und so gab Disney zum Start des zweiten Teils im Dezember 2008 bekannt, dass man den dritten Narnia nicht mehr finanzieren werde. Bei einer solchen Aktion bekommt man sofort das ungute Gefühl, dass es mit der Qualität des Drehbuchs und der geplanten Umsetzung nicht so weit her sein kann, wenn Disney mitten in der Reihe auf einmal einen Rückzieher macht.
Wie sich jetzt mit dem vorliegenden Film zeigt, war die Entscheidung der Disney-Verantwortlichen vermutlich nicht so falsch, denn mit einem so großen Produktionsbudget kann man heute durchaus etwas mehr erwarten als das, was man jetzt sehen kann. Auch wenn 3D für alle im Computer nachbearbeiteten Filme zum Standard gehört, sollten die Verantwortlichen endlich kapieren, dass es nicht immer sinnvoll ist, die Technik zu nutzen. Bei Die Chroniken von Narnia: Reise auf der Morgenröte fällt das ganz deutlich auf, dass der Film an kaum einer Stelle wirklich von der räumlichen Sicht profitiert, sondern oftmals der Hintergrund zwar plastisch wirkt (weil aus dem Computer) aber alles andere sich deutlicher davon absetzt. Konsequenz ist also, dass man kein so stimmiges Bild zwischen computergenerierten Inhalten und den gedrehten Teilen hat. Ein Rückschritt!
Abgesehen von den Effekten zählt bei den Narnia-Filmen natürlich immer auch die Umsetzung der Bücher in den Film. Ähnlich wie bisher hält man sich durchaus an die Geschichte der Bücher, kondensiert diese aber natürlich auf eine immer ähnliche Filmlänge zusammen. Für Zuschauer, die die Bücher nicht gelesen haben wirkt der Film - ebenso wie die bisherigen - damit aber insgesamt ein wenig leer und belanglos. Hier fehlen noch immer die Substanz und der besondere Zauber, die die Bücher ausmachen.
Je weiter die Reihe fortschreitet, umso schwieriger wird es für die Macher sein, die Leute ins Kino zu bewegen. Denn Die Chroniken von Narnia: Reise auf der Morgenröte ist kein Familienfilm, ähnlich wie Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia sind unsere Protagonisten in Gefahr und stellen sich Kämpfen um Leben und Tod. Inwiefern das kindgerechte Unterhaltung ist, muss wohl jeder für sich entscheiden und so werden mehr und mehr Zuschauer der Reihe an sich den Rücken kehren. Ohne Vorwissen der anderen Filme ist es ohnehin unmöglich, der Geschichte noch zu folgen.
Da der vierte Teil Die Chroniken von Narnia: Der silberne Sessel schon sicher scheint, gibt es also keine Hoffnung darauf, dass die Reihe noch ein gütliches Ende findet. Es wird so laufen wie es mit vielen Romanverfilmungen passiert: Man schlachtet das Thema solange aus, bis auch der Zuschauer angenervt von einem Besuch ablässt und ein fader Beigeschmack bei der Erinnerung an die Reihe zurückbleibt. Schade!