24/7 - The Passion of Life Poster

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24/7 - The Passion of Life

(24/7 - The Passion of Life, 2005)

Dt.Start: 16. Februar 2006
DVD: 29. September 2006
Premiere: Oktober 2005 (Festival, Spanien)
FSK: ab 18 Genre: Drama
Länge: 116 min Land: Deutschland
Darsteller: Mira Gittner (Lady Maria), Marina Anna Eich (Eva Hohmer), Christoph Baumann (Dominik), Michael Burkhardt (Mike), Reinhard Wendt (Elfriede), Lydia Hippel (Lydia), Bernhard Keberle (Fischer), Patricia Koch (Stefanie Evans), Sabine Krappweis (Alexandra Loskant), Claire Plaut (Swinger), Anja Schoenleben (Esther)
Regie: Roland Reber
Drehbuch: Mira Gittner, Roland Reber


Inhalt

Durch Zufall macht die unsichere Hotelerbin Eva Bekanntschaft mit Magdalena, die unter dem Namen "Lady Maria" als Domina ihren zahlenden Kunden die bizarrsten Wünsche erfüllt. Eva ist fasziniert von dieser bisher fremden Welt und beginnt, trotz der Missbilligung ihres näheren Umfeldes, in zwielichtigen Etablissements nach ihrer sexuellen Identität zu suchen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

24/7 - The Passion of Life hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 39%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
24/7 - The Passion of Life hat eine Wertung von 39%
Das Erotikdrama 24/7 - The Passion of Life wurde vom Independent-Filmlabel WTP International ohne Filmförderungen produziert und distribuiert. Schaut man sich den Film an, verwundert das kaum: Die Thematisierung von sexuellen Fetischen aus dem SM-Bereich und die Infragestellung des christlichen Glaubens sind harter Tobak, der eine tiefer gehende Auseinandersetzung als diese provokative Farce mit fragwürdiger Moral verdient hätten.

Bild aus 24/7 - The Passion of Life Die Münchener Independentfilmschmiede WTP International arbeitet vollkommen autonom. Von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur DVD-Auswertung geschieht der Vermarktungsprozess der Spielfilme komplett im eigenen Haus - Filmförderungen und Senderbeteiligungen gibt es zugunsten vollkommener künstlerischer Freiheit nicht. Das kleine Team von WTP arbeitet an jedem Film gemeinsam und seit ihrem ersten Kinofilm 24/7 - The Passion of Life ist es seitens des Kern-Filmteams um den hauseigenen Regisseur Roland Reber die gängige Praxis, bei den entsprechenden Filmvorführungen persönlich anwesend zu sein und sich den Fragen des Publikums zu stellen. Soweit vorbildlich, wenn Letzteres nicht auch dringend notwendig wäre.

So radikal sind die Werke, so moralisch fragwürdig. Wenn man der ehemaligen ARD-Serienschauspielerin Antje Nikola Mönning in der WTP-Produktion Engel mit schmutzigen Flügeln beim Selbstfindungsprozess selbst in eindeutiger Pose bei echten Orgasmen (so betont sie es zumindest immer wieder) zusehen kann/muss, dann ist der als wirksames PR-Instrument gern in Kauf genommene Skandal obligatorisch. Und wenn in 24/7 - The Passion of Life eine betuchte Hotelerbin nach vorherigem Neuschreiben der Passionsgeschichte schließlich als triebhaftes, aber freies Geschöpf in einer blasphemischen Szenenfolge untermalt von Mozarts "Requiem" aus einer riesigen Gummivagina wiedergeboren wird (!), dürften nicht nur erzkatholischen Würdenträgern die Haare zu Berge stehen. "Finde und stehe zu dir selbst!", "Überwinde die uralte Sexualmoral!", "Lebe deine Sexualität ohne Schamgefühle frei aus!" - Das sind die Botschaften, die beide Filme vermitteln und die nicht nur bei den jüngst ans Tageslicht gebrachten Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche einen äußerst bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Das Proklamieren, Sexualität als etwas Normales zu betrachten, im gesellschaftlichen Diskurs zu etablieren, ist die eine und lobenswerte Sache. Den Fetisch zu glorifizieren, wenn Männer sich als Putzfrau verkleiden und gern als "Elfriede" angesprochen werden oder beim Tragen einer Schweinemaske und das Legen eines Rotweineinlaufs entmenschlicht werden wollen (und sei es auch, weil sie sich erst dann frei fühlen) ist problematisch. Wo wird die Grenze vom Leben gesunder sexueller Freiheit und krankhafter Paraphilie, zwischen freier, sexualfaschistischer und anarchischer Gesellschaft festgemacht? 24/7 - The Passion of Life wirft diese Fragen auf, beantwortet sie aber nicht. Am Ende steht die Einsamkeit: Sowohl die Domina (Mira Gittner), die von "Elfriede" umsorgt wird, als auch die Hotelerbin (Marina Anna Eich), welche Sex ohne Liebe erleben und ihren Trieb ausleben will, haben keinen Partner an ihrer Seite.

Das zweite große Ärgernis des Films ergibt sich aus selbigen Figuren und deren religiöser Aufladung. Die Domina hört auf den Namen "Lady Maria" und heißt im wahren Leben Magdalena, schwingt sich auf als Zeugin der Kreuzigung (ja, auch einen Kunden mit einem Jesus-Fetisch gibt es) und hilft gleichzeitig Hotelerbin Eva, deren konservativ denkender Vater ihr stets klarmacht, wie toll die Monogamie ist, sich nach einem sexuellen Erfahrungstrip selbst neu zu gebären. Bis es nach sich quälend hinziehenden 110 Minuten endlich soweit ist, nervt das Drehbuch mit allerlei pseudo-philosophischem, auswendig gelernt wirkendem Gequatsche um sexuelle Freiheit, Lust, Religion und Unterwerfung. Immerhin hält die mit harten Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitende, zunächst jedoch irritierende DV-Optik einige stilisierte Bildkompositionen und nachdenkenswerte Parallelmontagen um das gleichzeitige Erleben von "Lady Maria" bzw. Magdalena und Eva bereit. Schade nur: Es wird dadurch überdeutlich, wie das stets auf dem schmalen Grat zur unfreiwilligen Komik entlang torkelnde Erotikdrama inhaltlich nicht gegen die schiere Übermacht einiger ikonisch aufgeladener Bilder ankommt.

24/7 - The Passion of Life ist ein Film, der eine Kontroverse provoziert. Es ist ein Film, über den gesprochen werden muss. Es ist ein Film, der zum Nachdenken anregt. Und: Es ist ein Film, der die wichtigen Themen Sexualmoral und sexuelle Emanzipation zwar nicht mit Kneifzangen, aber zu reißerisch und plakativ anpackt. Warum gleich eine Domina als Sinnbild für sexuelle Freiheit? Wie soll eine Frau durch eine Odyssee durch Swinger-Clubs und Striptease-Bars zu ihrer sexuellen Identität finden? Funktioniert eine Gesellschaft ohne traditionelle sexuelle Institutionen? All das sind die unbeantwortet bleibenden Fragen, die ich im Anschluss des Films gern gestellt hätte.



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