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Pippa Lee(The Private Lives of Pippa Lee, 2009)
| Dt.Start: |
01. Juli 2010
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Premiere: |
09. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland) |
| FSK: |
ab 12
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Genre: |
Drama, Romanze |
| Länge: |
98 min
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Land: |
USA |
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Darsteller:
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Robin Wright Penn (Pippa Lee), Alan Arkin (Herb Lee), Mike Binder (Sam Shapiro), Winona Ryder (Sandra Dulles), Ryan McDonald (Ben Lee), Cornel West (Don Sexton), Maria Bello (Suky Sarkissian), Arnie Burton (Doctor), Tim Guinee (Des Sarkissian), Drew Beasley (Chester Sarkissian - 6 Jahre), Madeline McNulty (Young Pippa - 7 Jahre), Beckett Melville (Chester Sarkissian - 13 Jahre), Zoe Kazan (Grace Lee), Keanu Reeves (Chris Nadeau), Julianne Moore (Kat) |
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Regie:
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Rebecca Miller |
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Drehbuch:
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Rebecca Miller |
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 Inhalt
Pippa Lee,50 Jahre, führt das perfekte Leben: Sie lebt in einer glücklichen Ehe mit dem 30 Jahre älteren Verleger Herb, hat zwei erfolgreiche Kinder und wird von ihrer Umwelt geschätzt und bewundert. Doch als sie gemeinsam mit Herb New York verlässt, um in ein Rentnerresort zu ziehen, zeigt sich, dass sie nicht immer die souveräne Frau war, die sie jetzt darstellt. Die Erinnerungen an die damalige Zeit kommen wieder hoch und Pippa wird von ihrem früheren wilden Leben eingeholt. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Carmen Porschen
Sie sieht für ihr Alter noch ziemlich gut aus, hat Familie, Freunde, ein schickes Haus und einen interessanten Namen: Pippa Lee. Es handelt sich um eine Romanfigur, die Autorin Rebecca Miller erfand und die sie nun auch auf die Leinwand brachte. Mit Starbesetzung und einem ungewöhnlicheren Blick auf das ereignisreiche Leben einer reifen Frau kreiert sie einen Film zwischen Drama und Komödie mit erfrischender Leichtigkeit. Doch ohne Klischees geht es anscheinend nicht, zudem fehlt es der visuellen Umsetzung von Millers Grundidee der Selbstfindung an Stimmigkeit. Ihr Streifzug durch die unterschiedlichsten Themen und Fragen des Lebens ist aber dennoch durchaus sehenswert.
Auf den ersten Blick erscheint Pippa Lees Leben perfekt zu sein: Ihr Mann ist gut verdienender Verleger, ihre beiden Kinder auf dem besten Weg, erfolgreiche Persönlichkeiten zu werden und im stilvoll eingerichteten Haus wird regelmäßig zur Dinnerparty mit guten Freunden eingeladen. Doch bei etwas genauerem Hinsehen wird deutlich, dass nicht alles eitel Sonnenschein im Leben der fast 50-Jährigen ist. Ihr Ehemann Herb ist nämlich gut drei Jahrzehnte älter als sie und befindet sich in einer ganz anderen Lebensphase als Pippa. Anstatt mit ihm eine liebevolle Partnerschaft zu führen, sorgt sie sich vor allem um seine Gesundheit und kommt ihm am nächsten, wenn sie seinen Blutdruck misst. Zwischen ihr und ihrer Tochter herrscht zudem Eiszeit. Während die junge Frau den Vater vergöttert ist Pippa völlig außen vor. Außerdem fehlt es der Ehefrau und Mutter an Beschäftigung. Das wird vor allem schlimmer als sie und Herb von der Großstadt in eine ruhige Seniorengegend von Connecticut ziehen. Nicht etwa Pippa ist es, der dort langweilig wird, sondern ihrem Mann, der ihre ständige Fürsorge und Behutsamkeit kaum noch aushält.
Als Pippa dann auch noch herausfindet, dass sie nachts schlafwandelt und dabei mal den Kühlschrank leer futtert, mal bis zum Wal Mart fährt und Einkäufe erledigt, merkt sie selbst, dass in ihrem Leben nicht alles so ist, wie es sein sollte. Gleichzeitig lernt sie den Sohn der Nachbarin kennen, der sich frisch von seiner Ehefrau getrennt hat. Obwohl es anfangs gar nicht danach aussieht, kommen die Zwei sich auf ganz zaghafte Weise näher. Während dieser Phase in Pippas Leben kommen ihr immer wieder Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in den Sinn, die leider nicht von Freude und Unbefangenheit geprägt sind: Eine Mutter, die sie entweder wie ein Püppchen schminkt, fotografiert und nach ihrem Vorbild stylt, oder wegen ihrer eingenommenen Drogen völlig unberechenbar in ihren Launen ist. Der Vater scheint das Geschehen zu ignorieren und die vier Brüder nehmen die Drogensucht der Mutter wie selbstverständlich hin. Auch der Ausbruch aus diesem schwierigen Familienleben macht es nicht viel besser: Von der Freundin der lesbischen Tante wird sie zu aufreizenden Fotos verleitet und als rebellisches Punkgirl schmeißt sie selbst so viele Drogen ein, dass sie nicht mal mehr weiß, wer gerade ihr fester Freund ist. So lernt Herb sie kennen, als aufsässige Göre ohne Ziel und Plan, aber mit viel Potential. Herb erkennt das sofort und freundet sich mit Pippa an. Ihre Erinnerungen an all das und wie schließlich die Frau aus ihr wurde, die sie inzwischen ist, geben ihr Grund, ihr Leben neu zu überdenken.
Pippa Lee ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rebecca Miller, die bei dem Spielfilm auch selbst das Drehbuch schrieb, Regie führte und mit produzierte. Es handelt sich damit bereits um ihren vierten Film, der dazugehörige Roman wurde auf Anhieb in über 30 Ländern veröffentlicht. Es handelt sich ganz klar um einen Stoff für Frauen, denn es geht ganz klassisch um Liebe, Gefühle, Familie und Freundschaft. Allerdings geht es auch um die Vergangenheit einer Frau, die nicht so makellos ist, wie sie zunächst erscheint. Ganz im Gegenteil verbergen sich hinter der schönen, immer perfekt gestylten Fassade eine Menge Schatten. Diese Traumata aus der Kindheit und Jugend werden sehr geschickt in die gegenwärtige Handlung des Filmes eingebaut. Durch diesen Weg der Darstellung wird außerdem ersichtlich, was für ein Mensch Pippa tatsächlich ist und warum sie versucht ein normales, stressfreies und harmonisches Familienleben aufrecht zu erhalten. Die Ursprünge für alle Ängste liegen in der bewegten Vergangenheit. Diese kleinen Reisen in alte Erinnerungen sollen eine Form der Selbstfindung beschreiben, indem sich Pippa ihrer Vergangenheit endlich stellt. Diese Absicht wird im Film allerdings nicht allzu deutlich. Die Erinnerungssequenzen scheinen primär den Zweck zu erfüllen, den Zuschauer darüber aufzuklären, wie sich das Leben der Hauptfigur entwickelt hat. Immerhin verlaufen diese Rückblicke ganz chronologisch und pö a pö. Würde sich so ein Mensch auf seine negativen Erfahrungen aus der Jugend zurück besinnen? Außerdem ändern diese Erinnerungen nicht viel an Pippa. Sie bleibt die brave, fürsorgliche Ehefrau für Herb, solange bis das Schicksal (oder der Zufall) eingreift. Doch vorher kann auch die angebliche Aufarbeitung der Vergangenheit nichts an Pippas Lebensweise ändern. Das lässt die Grundidee bzw. Aussage des Filmes ein wenig untergehen.
Was die Darsteller angeht, konnte Miller sich ein Starensemble sichern, das sich wirklich sehen lassen kann. Robin Wright Penn als Pippa gibt der Figur genau den richtigen Charakter und wirkt süß und liebenswert. Blake Lively übernimmt die Rolle der jungen Pippa und gibt ihr sowohl unsichere als auch rebellische Züge. In weiteren Rollen glänzen Alan Arkin, Keanu Reeves, Maria Bello, Monica Bellucci, Winona Ryder und Julianne Moore und geben ihren Figuren auf ihre Art und Weise eine besondere Note. Darstellerisch ist Pippa Lee Top und man merkt, wie sehr die Darsteller hinter Millers Geschichte stehen. Dennoch ist nicht alles rund in der Handlung. Obwohl man der Autorin lassen muss, dass sie das Thema der älter werdenden Frau, die vor der Frage steht, ob ihr Leben noch das hergibt, was sie glücklich macht, nicht konventionell angeht, wie es andere Drehbuchautoren vor ihr getan haben. Immerhin grast sie viele Themenbereiche auf einmal ab, geht auf Homosexualität, Drogenmissbrauch, Erziehung, Ehebruch, Eifersucht und einen großen Altersunterschied bei Paaren ein. Doch trotz dieser neuen Perspektive auf all das, kommen dennoch auch eine Reihe von Klischees zum tragen. Pippa macht ähnliche Fehler wie ihre eigene Mutter, versagt bei der eigenen Tochter und wird durch den gebildeten Herb als Ruhepol zu ihr ein ganz neuer Mensch. Sehr neu klingt das dann doch nicht. Auch beim Ende hapert es ein wenig, denn Konflikte lösen sich zu schnell, das Happy End ist wie einprogrammiert. Hier wirkt die Geschichte um Pippa doch zu konstruiert.
Was man Pippa Lee aber zu gute halten muss, ist dass der Film durch die guten schauspielerischen Leistungen, vor allem von Robin Wright Penn und den wohl dosierten Humor, eine erfrischende Leichtigkeit an den Tag legt. Durch die witzigen Szenen wirkt die gesamte Handlung nie lächerlich, aber gibt dem Ganzen etwas Lockerheit, damit es nicht zu sehr ins Drama abrutscht. Genau das will Millers Werk nämlich nicht sein. Außerdem ist ein interessantes Beispiel dafür entstanden, was hinter der Fassade eines Menschen stecken kann und wie sehr die Vergangenheit ihm anlastet, auch wenn er es nicht glauben will. Die Selbstfindung, die Miller in dieser Geschichte anstrebt, gelingt allerdings nicht so recht. Denn die Erinnerungen sind einfach zu stark für das Publikum angelegt, damit es weiß, wer Pippa Lee ist, um als ihre Aufarbeitung durch zu gehen. Zudem wartet auch gegen Ende des Filmes nicht ihre innere Erkenntnis, dass sie etwas ändern muss, sondern eigentlich passt sie ihr Leben lediglich den gegebenen Umständen an. Das Schicksal entscheidet letztlich darüber, wie es mit ihr weiter geht und schließlich hat sie auch keine Wahl mehr, ihr Leben zu ändern. Hierbei stehen die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit und das jetzige Handeln nicht im Einklang zu einander bzw. scheinen unabhängig voneinander zu sein. Doch genau das war es, was den Film ausmachen sollte. Das hat allerdings nicht so wirklich hingehauen, was den gesamten Filmgenuss vielleicht ein Stück weit trübt, aber deshalb nicht weniger sehenswert macht.  Weitere interessante Filme
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