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Ein Mann sieht rot

(Death Wish, 1974)

Dt.Start: 31. Oktober 1974
DVD: 12. März 2002
Premiere: 24. Juli 1974 (USA)
FSK: ab 18 Genre: Action, Krimi
Länge: 93 min Land: USA
Darsteller: Charles Bronson (Paul Kersey), Hope Lange (Joanna Kersey), Vincent Gardenia (Detective Frank Ochoa), Steven Keats (Jack Toby), William Redfield (Sam Kreutzer), Stuart Margolin (Ames Jainchill), Stephen Elliott (Police Commissioner), Kathleen Tolan (Carol Toby), Jack Wallace (Hank), Fred J. Scollay (District Attorney), Chris Gampel (Ives), Robert Kya-Hill (Joe Charles), Edward Grover (Lt. Briggs)
Regie: Michael Winner
Drehbuch: Brian Garfield, Wendell Mayes


Inhalt

Eigentlich ist der New Yorker Architekt Paul Kersey ein friedliebender Mensch. Das ändert sich jedoch schlagartig, als seine Frau und seine Tochter in ihrer Wohnung überfallen werden. Dabei stirbt Kerseys Frau und seine Tochter wird brutal vergewaltigt. Ohnmächtig vor Wut auf die hilflose Polizei, die bei der Aufklärung des Falles völlig versagt, sieht Paul Kersey nur eine Lösung: Er beschafft sich eine Schusswaffe und geht fortan als einsamer Rächer in den Straßen New Yorks auf Verbrecherjagd.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ein Mann sieht rot hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 89%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Ein Mann sieht rot hat eine Wertung von 89%
Charles Bronsons Rachefeldzug Ein Mann sieht rot zählt sicherlich zu Recht zu den großen Klassikern des Rache-Thriller-Genres. Auch wenn Michael Winners Film moralisch fragwürdig ist und die Antwort auf die schwierige Frage nach der Rechtfertigung von Selbstjustiz zu einfach ausfällt, ist Ein Mann sieht rot dennoch ein durchgehend empfehlenswerter Film. Dies verdankt er vor allem seiner nachvollziehbaren Charakterentwicklung und einem charismatisch abgeklärten Bronson.

Bild aus Ein Mann sieht rot Nachdem Charles Bronson nach unzähligen Filmen und 17 Jahren Filmerfahrung 1968 mit seiner Rolle im Westernklassiker Spiel mir das Lied vom Tod endlich der große Durchbruch gelang, drehten sich seine Filme zunehmend um das Thema Rache. Einer der berühmtesten Rachethriller mit Bronson ist Ein Mann sieht rot, der 1974 die Geschichte des rachedurstigen Architekten Kersey in die Kinos brachte. Bis heute zählt der Rachethriller von Regisseur Michael Winner (Scorpio) zu den großen Klassikern des Genres.

Ein Mann sieht rot, beziehungsweise Death Wish, wie er im Original heißt, war der erste Teil der Death Wish-Reihe und gilt als der mit Abstand Beste der fünf Filme. Von Anfang an polarisierte Winners Film und regte Diskussionen über Selbstjustiz an. Eine Verherrlichung des heiklen Themas wurde Winner vorgeworfen und tatsächlich lässt sich dieser Vorwurf nur schwer widerlegen. In keinem Moment wird das Handeln Kerseys in Frage gestellt, stattdessen ist Winner dreist genug, den Vigilante, wie er im Film bezeichnet wird, zum anonymen Volkshelden aufsteigen zu lassen und zu behaupten, dass sein Töten die Kriminalitätsrate senkt. Der Wahnsinn ist komplett, wenn alte Frauen, durch die Taten des "Rächers" ermutigt, die fiesen Gangster mit aller Kraft in die Flucht schlagen und all das nur diesem tapferen Mann verdanken, der jedem, der ihm dumm kommt, den Körper zersiebt.

Um sein Weltbild zu etablieren, schreckt Ein Mann sieht rot vor nichts zurück: Die Polizisten wirken mitfühlend aber machtlos, fast schon lethargisch, und die Kriminellen sind hässliche Frühpunks, die stark an die Freaks aus Police Academy erinnern und durchgehend peinlich sind. Mit dieser Bande von Witzfiguren, als dessen Anführer im Übrigen Jeff Goldblum (Die Fliege) sein Leinwanddebüt gab, nimmt sich der Film besonders in der so elementaren Vergewaltigungsszene einerseits Authentizität, sorgt aber andererseits für den nötigen Abscheu gegenüber der "Kriminellen", um entsprechenden Hass zu schüren.

Doch letzten Endes lebt der Film von eben dieser Provokation und folgt seinen eigenen Regeln. Denn im Grunde genommen ist Ein Mann sieht rot ein Großstadtwestern, der ein großes Stück vom Wilden Westen in die 70er Jahre katapultiert und sich dabei in einer nachgestellten Westernszene auch herrlich selbst parodiert. Wie man mit der moralisch fragwürdigen, fast schon infantilen ethischen Position des Filmes umgeht, bleibt dabei jedem Zuschauer selbst überlassen. Das Thema bleibt zeitlos brisant und wird so auch wieder und wieder aufgegriffen werden. Wobei man inzwischen mit Mord, Folter und dem Verletzen Unschuldiger offensichtlich besser leben kann, als noch vor ein paar Jahrzehnten: Während Ein Mann sieht rot bis heute indiziert ist, steht der deutlich härtere 96 Hours mit einer 16er Freigabe in den Regalen.

Sowohl mit seinem deprimierenden Großstadtbild, als auch mit seiner kompromisslos stringenten Erzählweise erinnert Ein Mann sieht rot zwangsläufig an zwei weitere Klassiker aus den 70ern: Taxi Driver und Dirty Harry. Die kühle, fast schon unmenschlich emotionsarme Attitüde, die den Figuren Eastwoods und Bronsons zu Grunde liegt, und das alleinige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten drängt den Vergleich zu Dirty Harry (1972) automatisch auf. Die Entwicklung eines einsamen Mannes hin zur Waffe und möglichen Gefahr für die Gesellschaft erinnert an Taxi Driver (1976), auch wenn Bronson natürlich nicht an die Klasse eines Robert DeNiro heranreicht und dem Film auch die Tiefe von Scorseses Meisterwerk fehlt.

Neben Charles Bronson waren auch Frank Sinatra (Botschafter der Angst, Clint Eastwood (Dirty Harry) und Gregory Peck (Kap der Angst) für die Rolle des Architekten Paul Kersey im Gespräch. Zungeschnalzend könnte man sich auch Eastwood als Vigilante vorstellen, doch auch Bronson, der über sich selbst sagte "Ich vermute, ich sehe aus wie ein Steinblock, den man in die Luft gesprengt hat", erweist sich als Idealbesetzung. Er spielt seine Figur kühl und unnahbar mit einem eigenwilligen Charme und rauer Robustheit.

Auch wenn es an Ein Mann sieht rot sicherlich einiges zu kritisieren gibt, ist das Gesamtbild durchgehend unterhaltsam und rund. Zu allen bereits erwähnten positiven Eigenschaften des Kultstreifens kommt auch noch ein großartiger Soundtrack von Jazz-Legende Herbie Hancock. Ein gelungenes Werk für Fans von Charles Bronson, Dirty Harry, Taxi Driver und Rachethrillern.



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