Ein Abiturprojekt artet aus: 160 Menschen arbeiten gemeinsam an einem abendfüllenden Spielfilm, holen sich Sponsoren ins Boot und drehen einen durchaus gelungenen Low-Budget-Streifen mit einer interessanten Story und ohne all zu große Aussetzer. Eine etwas innovativere Inszenierung, sowie eine an einigen Stellen etwas stringentere Erzählweise hätten dem Film allerdings sicherlich gut getan. Leider ist das Gesamtprodukt aufgrund der doch recht einfachen Technik etwas schwer genießbar, aber dennoch solide. Ein beeindruckendes Projekt ist Unforgettable allemal und hoffentlich auch der Auftakt weiterer Produktionen dieser begabten Filmemacher.
Es ist immer wieder erfreulich, wenn ein paar Filmfreunde und angehende Filmemacher ihren Hintern hochbekommen und tatsächlich, statt nur von Plänen und Ideen zu reden, einen Film machen. Unforgettable ist so ein Film. Produziert auf Basis einer guten Idee und einer Menge Idealismus, finanziert durch Sponsoren und schließlich mit einem Mini-Budget gedreht. Das Besondere bei Unforgettable ist dabei, dass es sich um ein Abiprojekt handelt! In anbetracht der Kosten, des Aufwands und des durchaus ansehnlichen Gesamtergebnisses ist das schlicht sensationell.
Der Regisseur Adrian Goiginger ist erst 18, das restliche Team, abgesehen von den beiden erfahrenen Darstellern Mark Möller (Der Alte) und Tom Flicker (Der Staatsanwalt), völlig unerfahren und großteils in etwa im selben Alter. Das allein ist schon bemerkenswert, macht aber noch keinen guten Film. Was aber einen guten Film macht, ist zumindest in vielen guten Ansätzen in Unforgettable zu finden, hier vor allem in Form einer soliden und überzeugenden Story. Aber auch an Kamera, Schnitt und Hauptdarsteller lässt sich wenig aussetzen, dazu kommt noch ein gelungener Soundtrack.
Ein typisches Problem vieler Amateurfilme sind die Darsteller. Denn all zu oft sind die ambitionierten Laien gänzlich unbegabt und wirken wie Fremdkörper auf der Leinwand. Hier muss man Unforgettable einerseits loben, andererseits steckt hier auch eine der großen Schwächen des Films. Während der Hauptdarsteller Maximilian Schmid seine Sache wirklich gut macht, wissen einige seiner Kollegen nicht besonders zu überzeugen, was besonders bei den Lehrkräften oder bei den über die Gedächtnismeisterschaft berichtenden Fernsehreportern auffällt, denen man nicht nur ihre Rolle kein Stück abnimmt, sondern die auch tatsächlich vollkommen talentfrei sind. So schwankt die Qualität des Filmes auch mit seinen Darstellern, absolute Tiefpunkte sind jedoch überaus selten.
Auch wenn der Film den Zuschauer erstaunlich gut über die volle Spieldauer bei der Stange hält, gibt es dennoch ein paar Szenen, an denen man zwingend die Schere hätte ansetzen müssen, um dem Film etwas mehr Fahrt zu verleihen. Besonders fällt dies ungünstigerweise bereits am Anfang auf. Hier sitzen die Protagonisten mit ihren Klassenkameraden beisammen, trinken Bier und labern im mehr oder weniger charismatischem Österreichisch vor sich hin. Die Meisten der hier vorgestellten Figuren spielen im späteren Filmverlauf keine Rolle mehr, handlungsdienlich ist diese Szene auch nicht und die Mundart schreckt sicherlich viele Zuschauer außerhalb Österreichs zusätzlich ab. Im Laufe des Filmes gibt es dann immer wieder ein paar Szenen, die ein wenig den Speed nehmen, hier hätte man gut daran getan, den Film einige Minuten kürzer zu machen.
Die Optik entspricht der einer Amateurproduktion, aber damit muss und kann man auch leben. Schwierig ist das natürlich für das ungeschulte Auge, das über die komplette Spieldauer von den kühlen Bildern nicht gerade verwöhnt wird. Allein das wird schon die meisten Freunde des Mainstreamkinos abschrecken.
Natürlich haben wir es bei Unforgettable nicht mit der österreichischen Filmsensation überhaupt zu tun, aber dafür mit einem soliden Film, der eindrucksvoll zeigt, dass ein gewaltiges Potential hinter den Machern steckt. Es ist sicherlich schwierig, einen geeigneten Maßstab für die Bewertung einer solchen Produktion zu finden, da es sich aber um einen Film handelt, der zumindest seinen Weg in einige österreichische Kinos findet, muss er sich leider der Konkurrenz großer Produktion stellen und ist so "nur" Mittelmaß. Wobei er damit allerdings unzähligen großen Produktionen schon weit überlegen ist. Respekt an die Macher! Weitermachen!