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The Kids Are All Right

(The Kids Are All Right, 2010)

Dt.Start: 18. November 2010 Premiere: 25. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 106 min Land: USA
Darsteller: Julianne Moore (Jules), Mia Wasikowska (Joni), Mark Ruffalo (Paul), Annette Bening (Nic), Josh Hutcherson (Laser), Yaya DaCosta (Tanya), Kunal Sharma (Jai), Rebecca Lawrence (Brooke), Eddie Hassell (Clay), Joaquín Garrido (Luis Ramirez)
Regie: Lisa Cholodenko
Drehbuch: Lisa Cholodenko, Stuart Blumberg


Inhalt

Die Ärztin Nic und die Landschaftsgärtnerin Jules sind verheiratet und haben zwei Kinder im Teenageralter, die sie durch künstliche Befruchtung selbst austrugen. Alles läuft bestens, bis der 15-jährige Sohn Laser seinen biologischen Vater kennen lernen will. Er wird fündig und freundet sich mit dem Restaurantbesitzer Paul schnell an, sehr zum Missfallen von Nic. Doch damit noch nicht alles: Jules geht auf Pauls Angebot ein, den Garten seines Lokals neu zu gestalten, dabei kommen die Beiden sich näher.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Kids Are All Right hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 88%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
The Kids Are All Right hat eine Wertung von 88%
Haben homosexuelle Ehepaare andere Sorgen als heterosexuelle? Jules und Nic sind schon lange zusammen. Sie haben sogar Kinder. Jede eines vom gleichen Erzeuger, der Samen kam aber aus der Samenbank. In ihren Sorgen um ihre fast erwachsenen Sprösslinge unterscheiden sie sich nicht von jedem anderen Paar. Und auch ihre Beziehungsprobleme wirken recht alltäglich. Solange bis ihre Kinder beschließen, ihren Erzeuger kennen zu lernen. The Kids Are All Right ist eine exzellent getimte und süffisante Beziehungs-Dramödie, die mit allerlei Klischees Karussell fährt. Außergewöhnlich gespielt und äußerst sehenswert.

Bild aus The Kids Are All Right Voll akzeptierte gleichgeschlechtliche Beziehungen stellen noch ein relativ junges zivilisatorisches Phänomen dar. Besonders die USA, in der immer noch Bundesstaaten existieren, die Homosexualität unter Strafe stellen, ist diesbezüglich alles andere, als ein ausgesprochener Vorreiter der Gleichberechtigung. Dort brachen Filme wie Philadelphia einstmals mit vielen Tabus und unterstützten den gesellschaftlichen Umbau. The Kids Are All Right wandelt zwar auf anderen Pfaden und hat längst nicht die Intensität jenes Films, für den Tom Hanks für die Darstellung eines an HIV erkrankten Anwalts den Oscar erhielt. Im Gegenteil: The Kids Are All Right wirkt in der Abbildung der Eheprobleme einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft sogar über die Maßen trivial.

Jules und Nic (Julianne Moore und Annette Bening) leben seit vielen Jahren glücklich in einer gleichgeschlechtlichen Ehe. Da sie miteinander auf konventionellem Wege keine Kinder bekommen können, entschlossen sie sich vor langer Zeit, sich mit dem Samen eines Unbekannten von einer Samenbank abwechselnd befruchten zu lassen. Daraus entstanden zwei aufgeweckte Kinder: die lebenshungrige 18-jährige Joni (Mia Wasikowska) und der sportbegeisterte, aber leicht introvertierte 15-jährige Laser (Josh Hutcherson). Beide Halbgeschwister wissen von der Entscheidung ihrer Mütter, der sie ihre Existenz verdanken, gehen mit dieser Tatsache aber unterschiedlich um: Joni steht vor dem Sprung aufs College und ihr ist es leidlich Schnuppe, wer ihr biologischer Spender war. Laser hingegen treibt die Neugier - er würde nur zu gerne wissen, wer sein "Vater" ist.

Noch nicht Volljährig und darum wissend, dass seine Mütter nicht ohne weiteres einwilligen werden, dass die Samenbank ihm den Namen seines Erzeugers nennt, bittet er Joni Einsicht in die Dokumente einzufordern. Zuerst ist sie nicht besonders vom Gedanken angetan, erfüllt ihrem Halbbruder aber den Gefallen. Sie trifft sich sogar als erste mit dem Mann und ist prompt begeistert: Paul (Mark Ruffalo) sieht gut aus, ist charmant und ein weltoffener Typ. Er betreibt eine Öko-Gärtnerei und ist Inhaber eines einladenden Restaurants, in dem er die Erzeugnisse aus eigenem Anbau anbietet. Paul ist von der Situation zunächst überrumpelt. Eben noch ein recht leichtlebiger Single, plötzlich nun Vater zweier nahezu erwachsener Kinder. Es dauert aber nicht lange und er beginnt Gefallen an der neuen Rolle zu finden, was nicht überall auf Gegenliebe stößt.

Selten erlebt man im Kino eine vordergründig wenig aufregende Geschichte, die derart fabelhaft in Szene gesetzt wurde und Darsteller, die in ihren Rollen aufgehen. Es genügt, sich zurückzulehnen, unterhalten und gefangen nehmen zu lassen. Dabei besteht die Story im Grunde nicht nur im Wesentlichen aus Banalitäten, obendrein lassen sich die Wendungen relativ leicht vorhersehen und die Figuren sind zudem recht klischeehaft skizziert: zwei Lesben, eine offensichtlich vom feminineren Typ, die andere hingegen den eher männlichen Part ausfüllend; dazu der biologische Vater, als cooler motorradfahrender Sunny-Boy, des weiteren eine leicht renitente 18-jährige, die im aus dem Nichts auftauchenden Vater die Messlatte für künftige Männerbeziehungen sieht und schlussendlich ein pubertierender junger Mann, der sich mangels väterlichem Rollenvorbild ältere dominante Jugendliche als Ersatzleitfiguren sucht.

Aus solch einem wirr erscheinenden Sammelsurium von Motiven ließe sich ohne weiteres ein schlechter Film zusammenschustern. In diesem Falle wird damit aber höchst elegant jongliert und sogar das eine oder andere Klischee ins Gegenteil verkehrt. Es ist schon eine hohe Kunst, aus einem Film, der streng genommen keine Komödie ist, genau getimt ein feinsinniges Feuerwerk der wohl platzierten intelligenten Alltags-Komik zu gestalten. Zu verdanken ist dies manch einer skurrilen Situation: Jules und Nic schauen sich Schwulenpornos an, um sich in Stimmung zu bringen. Ihr Sohn entdeckt das Video zufällig und schaut sich das tags drauf aus Neugier gemeinsam mit seinem Kumpel an; plötzlich platzt seine Mutter ins Zimmer. Die beiden Damen sind nun der Meinung ihr Sohn könnte schwul sein und stellen ihn zur Rede. Er kontert und fragt warum sich Lesben ausgerechnet Schwulenpornos zu Gemüte führen; der anschließende Erklärungsversuch ist kultverdächtig.

Über solch pointierte Situationen hinaus erzeugt die Geschichte einen hohen Sogfaktor, indem sie sich immer wieder ein wenig neu erfindet, ohne aber den roten Faden zu verlieren. Das Geschehen in The Kids Are All Right befindet sich im steten Wandel, und trotz des nicht allzu großen Überraschungsgehalts, da vieles absehbar ist, besitzen die Wendungen einen hohen Unterhaltungswert. Das liegt vor allem an der gut ausgearbeiteten Dynamik zwischen den Figuren. Im entstandenen vielschichtigen Beziehungsgeflecht, in dem die Darsteller die sich veränderten emotionalen Zustände aus Nähe und Distanz mit ihrer ausgeprägt lebendigen schauspielerischen Leistung füllen, entsteht ein facettenreiches Spiel, das schlichtweg Freude macht.

Dabei ist im Grunde das einzig außergewöhnliche Motiv, das des Samenspenders, der vom freilebenden Filou plötzlich in der neuen Vaterrolle aufgeht - was nicht zwingend plausibel erscheinen muss; und die Kerngeschichte kreist indes weiterhin um ein Paar, das schon lange zusammen ist und Entfremdungsprozesse durchlebt, die es versucht zu bewältigen und hofft wieder zueinander zu finden. Etwas, was schon vielen anderen Paaren widerfahren ist - gleichwohl ob hetero- oder homosexuell. Aus diesen Allerweltsproblemen wurde eine ganz fabelhafte Geschichte zusammensetzt, der es gelingt, es völlig nebensächlich erscheinen zu lassen, ob das Paar zufälligerweise aus zwei Lesben besteht. Klasse Film, den man nicht verpassen sollte.



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