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Renn, wenn Du kannst

(Renn, wenn Du kannst, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

54%



Inhalt

Ben, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist, sein Zivi Christian und die Cellistin Annika werden Freunde. Bald wird aus der Freundschaft mehr und Annika steht vor einer wichtigen Entscheidung. Sie weiß nicht, ob sie eine Beziehung mit dem leichtmütigen Christian eingehen möchte. Eigentlich hat sie eine viel stärkere Verbindung zu dem vom Leben gezeichneten Ben, der sich ebenso durch starke Gefühle an sie gebunden fühlt.

Kritik

von Carmen Porschen

Wertung Kritik

54%

Regisseur Dietrich Brüggemann schrieb zusammen mit seiner Schwester ein Drehbuch um einen querschnittsgelähmten jungen Mann namens Ben, der endlich echte Freunde findet, und machte daraus sein Kinodebüt. Dabei gibt es zwar durchaus einige gute erzählerische und visuelle Ideen und die Lenkung auf ein solches Thema macht sicherlich Sinn, doch der Film überzeugt dennoch nicht so recht. Ein eher oberflächliches Liebeswirrwarr tut dem ernsten Thema nicht gut, sondern erinnert vielmehr an die Unsicherheiten von unerfahrenen Teenagern, bei denen Männlein und Weiblein nicht einfach nur Freunde sein können. Das trifft zusammen mit Humor, Tragik und Lebensphilosophie - zuviel für den Film, denn trotz dieser Spannbreite wirkt Renn wenn du kannst zeitweise zu langatmig und ziellos.

Bild aus Renn, wenn Du kannst Benjamin ist jung, intelligent und hat Humor - und er sitzt im Rollstuhl. Damit hat er sich zwar inzwischen arrangiert, doch der Alltag bietet dennoch immer wieder neue Herausforderungen für ihn. Ihm zur Seite steht ein Zivi, der ihn bei allem unterstützt, was so anfällt. Aktuell ist es Christian, der sich an Bens Kommando-Ton erstmal gewöhnen muss. Nachdem dessen Magisterarbeit aus dem Fenster geflogen ist, bitten Ben und Christian beim Professor an der Uni um eine Verlängerung der Abgabefrist und bewähren sich dabei bereits als zusammenspielendes Team. Langsam entwickelt der eigensinnige Ben Sympathie für seinen neuen Zivi und die Beiden verbringen viel Zeit miteinander. Alles könnte ganz entspannt sein, wenn da nicht Annika wäre, die plötzlich in das Leben von Christian tritt, indem sie ihn mit ihrem Fahrrad fast über den Haufen fährt. Der ist angetan von ihr und bald lernt auch Ben die junge Cello-Spielerin kennen. Der hat Annika allerdings schon seit zwei Jahren im Visier, denn jeden morgen beobachtete er sie von seinem Balkon aus wenn sie mit dem Rad vorbei fuhr. Während Ben total hin und weg von Annika ist, entwickelt auch Christian zunehmend Gefühle für sie und so finden sich die drei jungen Menschen recht bald in einer schwierigen Dreiecks-Freundschaft wieder, in der Annika zum umschwärmten Mittelpunkt geworden ist. Dabei geht es ihr gar nicht so sehr darum sich zu verlieben, sondern endlich in ihrem Studium voran zu kommen und sich vom Orchestermitglied zur Solospielerin zu mausern.

Renn wenn du kannst ist der erste abendfüllende Spielfilm des deutschen Regisseurs Dietrich Brüggemann. Nach Dokumentar- und Kurz-Spielfilmen setzte er sich nun mit seiner Schwester Anna Brüggemann an das Drehbuch zu einer recht tragischen Geschichte rund um einen querschnittsgelähmten jungen Mann, der sowohl sich als auch seinen Mitmenschen das Leben nicht gerade leicht macht. Die Menschen um ihn herum sind sowieso an einer Hand abzuzählen: Seine besorgte Mutter, mit der Ben aber vorwiegend Meinungsverschiedenheiten ausfechtet und sein jeweiliger Zivi. Mit Christian tritt allerdings ein echter Freund in sein Leben, mit dem Ben auf einer Wellenlänge liegt. Erst Annika stellt die gerade entstandene Männerfreundschaft auf die Probe und damit beginnen auch allerhand Probleme. Die betreffen aber nicht nur die Handlung, sondern auch den Film an sich. Was mit dem sarkastischen und schlagfertigen Ben, gut gespielt von Robert Gwisdek, ganz amüsant und augenzwinkernd beginnt, driftet nach und nach in eine Tragödie ab, die noch dazu ihre Längen aufweist. Renn wenn du kannst hätte auch etwas kürzer ausfallen können, um die Quintessenz zu transportieren. Aber wie lautet die überhaupt? Wenn ein Regisseur ein so sensibles Thema wie Behinderung und das Leben damit angeht, dann sollte darin ja sicherlich auch eine Botschaft stecken. Doch Brüggemanns Werk verliert sich leider zu sehr in einem Gefühlswirrwarr, das leider auch nicht sonderlich authentisch wirkt.

Erst steigt Annika, die übrigens von Anna Brüggemann verkörpert wird, auf die Annäherungsversuche von Christian ein, um etwas später festzustellen, dass sie Ben auch ziemlich gut findet. Sie hat diese neue Dreierkonstellation zumindest voll und ganz ausgekostet. Schließlich entstehen so große Probleme, dass sie an ein großes "Hinsehen-fällt-schwer-Drama" erinnern, aber auch nur um später wieder völlig belanglos zu sein. Die drei Protagonisten, von denen der Zivi Christian, gespielt von Jacob Matschenz, immer mehr in den Hintergrund rückt, machen abwechselnd Mist, kriegen Stress und vertragen sich wieder. Das ist nach einiger Zeit doch etwas ermüdend, denn es taucht einfach zu geballt auf. Vielleicht ging es Regisseur Brüggemann darum, alle Facetten einer Freundschaft darzustellen und das auch noch unter dem Aspekt, dass eine Behinderung eine Rolle spielt. Aber dabei fehlt ihm eine klare Linie, denn als Zuschauer wird nicht so recht klar, was der Film vermitteln soll. Steht der humorvolle Blick auf alles im Vordergrund, oder doch die Tragödie von Bens Leben? Sollen wir einen Eindruck von den Problemen eines querschnittsgelähmten Mannes bekommen oder diesen Aspekt doch vergessen vor dem Hintergrund, dass Liebe und Freundschaft für alle Menschen die gleiche Rolle spielen? Man kann sich nicht entscheiden und hat am ehesten das Gefühl, Brüggemann wollte für seinen Film etwas zuviel des Guten. Gegen Ende tut sich auch noch eine philosophisch angehauchte "Tür" auf (im wahrsten Sinne des Wortes), die der Handlung zwar insgesamt etwas mehr Tiefe und Bedeutsamkeit gibt, aber in dieser Darstellungsweise einfach nicht so recht zum Rest des Filmes passen will.

Obwohl Renn wenn du kannst einige interessante Aspekte verarbeitet und einen zum Teil sehr ungeschönten und nüchternen Blick auf die Probleme eines körperlich eingeschränkten, jungen Menschen wirft, fehlt dem Film insgesamt ein wenig an Überzeugungskraft. Die Hauptfiguren handeln die meiste Zeit eher wie pubertäre Teenager, die mit ihren Gefühlen noch nicht viel anzufangen wissen und auch keine Ahnung haben, wo sie im Leben stehen. Ben, Annika und Christian sollten aus dieser Phase eigentlich schon heraus sein und diese eher standardisierten Abläufe zwischen Mann und Frau, die sich zwangsläufig attraktiv finden, hauen nun wirklich keinen mehr vom Hocker. Außerdem tut das der Geschichte um den benachteiligten Ben nicht gerade gut, denn bei ihm gelten eben keine Standards. Genau diese Hürde, die es zu nehmen gilt, führt in die große Tragik und überfordert den Zuschauer sofort, da der Film vorher gar nicht solch eine Härte vermitteln wollte. Auf der anderen Seite gibt es doch einige nette visuelle und poetische Ideen, doch das geht in der vorwiegend sehr harten und ungeschminkten Realität des Spielorts Duisburg vermehrt unter. Auch die Langatmigkeit des Filmes ist ein Manko, ab einem gewissen Zeitpunkt folgt eine "Katastrophe" der anderen und nach jeder rechnet man bereits mit dem Ende des Streifens. Doch dabei ist etwas Geduld gefragt, denn Renn wenn du kannst endet nicht mit einem Paukenschlag und großem Schockmoment, sondern eher mit einem ruhigen Ausklang und eben dieser poetischen Blickweise, die dem Film durchaus gute, schöne und kluge Momente gibt.

Keine weitere Wertung


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