Regisseur Zack Snyder bewies mit den Filmadaptionen von 300 und Watchmen - Die Wächter, dass er eines gut kann: knackiges Kino für Erwachsene inszenieren. Abhängig von der Qualität der Vorlage, lässt sich in seinen Filmen zudem durchaus über politische Systeme und Herrschaftsdenken tiefschürfen. Um das Thema der Freiheit drehten sich seine Filme in der einen oder anderen Form also schon immer. Das ändert sich auch nicht mit Die Legende der Wächter, der Adaption einer 15-teiligen Kinderbuch-Reihe als Animationsspektakel. Snyder schöpft dafür das technisch Machbare komplett aus, vergisst aber der Geschichte Seele zu verleihen.
Die halbwüchsigen Eulen Soren und Kludd und deren jüngere Schwester Eglantine, die noch ein richtiges Küken ist, leben zufrieden gemeinsam mit ihren Eltern in einer Höhle in ihrem Heimatbaum. Soren und Eglantine sind große Geschichtenfans, am liebsten lassen sie sich von ihrem Vater die Legende der Wächter erzählen. Vor vielen Jahren besiegten diese den bösen Eisenschnabel und seine Horden, genannt Die Reinsten, die vorhatten, alle anderen Eulen zu unterjochen. Derart von diesen Geschichten inspiriert, tollen Soren und Eglantine schon mal ausgelassen in der Höhle herum und spielen die Geschehnisse aus diesen längst vergangenen Tagen nach.
Kludd hält das alles für ausgemachte Zeitverschwendung. Seine Gedanken weilen, anders als bei seinem verträumten Bruder, mehr im Hier und Jetzt. Er versteht gar nicht, wieso ihr Vater derart nachsichtig mit Soren umgeht. Eines Nachts, während die beiden verbotenerweise alleine ihre Flugkünste trainieren wollen, während ihre Eltern auf der Jagd sind, stürzen sie von ihrem Baum. Der Boden ist ein äußerst gefährliches Terrain für zwei noch nicht richtig flugfähige junge Eulen. Als sie von einem wilden Raubtier attackiert werden, scheint ihr letztes Stündlein geschlagen zu haben. Plötzlich stoßen aber aus der Dunkelheit zwei gefiederte Wesen herab. Ihre Klauen schließen sich um Soren und Kludd, die beiden haben keine Chance sich zu wehren.
Gerade noch dem Untier entkommen, sind sie vom Regen in der Traufe gelandet. Ihre Entführer dienen den Reinsten - und Eisenschnabel. Soren, sein Bruder und viele andere verschleppte Eulenkinder sollen nun sklavengleich in einer finsteren Bergbehausung für sie schuften. Die alte Legende ist wahr. Eisenschnabel sammelt neue Schergen, um bald wieder auszuziehen und sich die Eulenlanden Untertan zu machen. Wenn aber dieser Teil wahr ist, müssen die Wächter ebenfalls existieren. Soren muss unbedingt einen Weg aus diesem Gefängnis finden und versuchen, zu den Wächtern zu gelangen. Sein Bruder scheint indes Gefallen an dem Herrenrasse-Denken der Reinsten zu finden. Er würde selber auch viel lieber herrschen, statt beherrscht zu werden.
Wenn ein Film gleich mehrere Bücher einer Reihe zu einem Werk verdichtet, bleibt wenig Zeit, die Vorgeschichte, Mythologie und die Charaktere in einem harmonischen Rhythmus zu etablieren. Die Legende der Wächter krankt daran vom ersten Augenblick an und wird dieses Manko im Prinzip bis zum Schluss nicht mehr los. Minute um Minute wird man zudem mit plapprigen Eulen konfrontiert, die derart vermenschlicht sind, dass es die grundsätzliche Fabel-Struktur des Films ad absurdum führt. Diese Eulen haben eine materielle Kultur, Schriftsprache und beherrschen sogar die Verarbeitung von Metallen. Es mag zwar eine Art Märchen sein, rein physisch sind es aber normale Eulen. Und wie sie demnach dazu in der Lage sein sollen, wirkt derart hanebüchen und nicht plausibel hergeleitet, dass dies auch in Kinderköpfen viele Fragen aufwerfen sollte.
Wenn Menschen nicht auftauchen, es aber immer wieder Ruinen ehemals gigantischer Bauwerke zu sehen gibt, fragt man sich überdies, wo diese nun hergekommen sein mögen. Vom allgemeinen Design her ist der Mittelerde-Einfluss deutlich präsent. Ein Eindruck, der sich ungebrochen auch beim schwülstig-getragenen Score fortsetzt. Düster ist die Stimmung und die Action weist eine verhältnismäßig hohe Frequenz auf. Snyder setzt wieder mal auf die Slomo-Technik, um die mitunter spektakulären Flugeinlagen überstark zu ästhetisieren. Zuweilen erreicht das bereits kitschiges Werbevideo Niveau. Nicht vergessen werden sollte dabei, dass diese Flugshow aber lediglich dem Computer zu verdanken ist. Da genießt man, was speziell diesen Aspekt betrifft, doch lieber solche Klassiker wie Die Möwe Jonathan.
Das technische Niveau der Inszenierung ist hoch. Das ist unbestritten. Snyder und das 500-Mann starke Team von Animal Logic, das für die Animation der Eulen verantwortlich war, haben eine fotorealistische Welt erschaffen und lassen die Eulen in nie gekannter Perfektion darin herumfliegen. Was die Ausreizung des technisch Machbaren und der zugehörigen 3D-Technik angeht, braucht sich Die Legende der Wächter nicht einmal von solchen Meilensteinen wie Avatar - Aufbruch nach Pandora zu verstecken. In puncto Erzählstruktur fällt er aber sogar im Vergleich zu dem schon nicht besonders starken Die Legende von Aang deutlich ab.
Vieles wird angerissen, wie biblische Kain-und-Abel-Motive; die Reinsten halten überdeutlich als Parabel auf den Faschismus und der Rassenideologie her; und die Wächter, die man nur erreicht, indem man weit übers Meer fliegt, mögen Assoziationen an die Weltpolizei USA wecken. Die Dynamik des Geschehens birgt überdies noch einiges von der Star Wars-Saga: Neben einer Mentorfigur mit Yoda-Zügen, erinnert Eisenschnabel sehr an den dunklen Lord Vader. Keines dieser Motive trägt aber sonderlich dazu bei, die Story stimmungsvoll auszugestalten.
Die eigentliche Frage lautet aber schlussendlich, warum man sich mit diesen Eulen überhaupt identifizieren soll? Eine spürbare Sympathieebene will sich partout nicht einstellen. Die längste Zeit versteht man nicht einmal, was da überhaupt vorgeht oder zumindest warum. Echter Dialogwitz fehlt überdies deutlich. Bestenfalls langt es zu klamaukigen Kalauern. In puncto Charme oder Ironie ist gleich komplett Fehlanzeige. So bleibt festzuhalten, dass ein enormer technischer Aufwand betrieben wurde, um real wirkende Eulenwesen zu kreieren, die emotional überhaupt nicht zu berühren vermögen. Einem stummen schwarzen Zeichentrick-Drachen in Drachenzähmen leicht gemacht gelang das vergleichsweise spielerisch. Außer der 3D-Optik und der State-of-the-Art-CGI-Animation, spricht somit nur wenig dafür, hart erarbeitete Euronen für eine Kinokarte zu opfern.