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Herbstgold

(Herbstgold, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

83%



Inhalt

Im August 2009 fand im finnischen Lahti die Leichtathletik WM der Senioren statt, bei welcher Athleten ab 80 Jahren gegeneinander um einen Platz auf dem Siegertreppchen antreten. Doch neben dem Kampf gegen die Konkurrenz ist es vor allem auch immer ein Kampf gegen den eigenen Körper. Regisseur Jan Tenhaven begleitet Fünf dieser Athleten bei ihren Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft, und versucht die Welt des Seniorensports einzufangen.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

83%

Wie hoch kann ein über 80-jähriger beim Hochsprung springen? Wie weit kommt eine 85-jährige beim Kugelstoßen? Wie weit schleudert ein 100-jähriger den Diskus und wie schnell läuft ein 95-jähriger die 100 Meter? Manch einem rutscht womöglich allzu vorschnell ein: Das interessiert doch wirklich niemanden!, heraus. Herbstgold beweist am Beispiel von fünf Senioren-Leistungssportlern, dass Leistungen existieren, die zwar durchs Medienraster rutschen mögen, in der Relation aber mindestens so respektabel sind, wie die der Top-Athleten. Sehenswerte Doku für Jung und Alt und alle, die ein Wettkämpferherz haben.

Bild aus Herbstgold Wir haben uns alle längst daran gewöhnt, Sport in der Öffentlichkeit besonders dann wahrzunehmen, wenn es um sogenannte Höchstleistungen geht oder gerade große Events wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften vor der Tür stehen. Warum aber ist die Leistung eines Top-Athleten, die er auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit erbringt, optimal trainiert und nach allen erlaubten wissenschaftlichen Methoden auf diese Punktlandung vorbereitet, scheinbar so viel mehr wert, als das, was jemand in einem beinahe methusalemischen Alter erbringt? Stellt es wirklich das Nonplusultra des Erreichbaren dar, wenn Usain Bolt die 100-Meter-Marke auf magische 9,58 Sekunden schraubt oder ist die relative Leistung, die ein 95-jähriger erbringt, wenn er die selbe Strecke in unter 18 Sekunden läuft, im Prinzip genauso anzusehen?

Die Dokumentation Herbstgold versucht zwar nicht direkt Antworten auf diese Fragestellungen zu geben, wirft diese streng genommen nicht einmal explizit auf; doch sie bauen sich unweigerlich wie von selbst in den Köpfen auf, wenn man die fünf Protagonisten bei ihren Bestrebungen beobachtet. Fünf Menschen im Alter zwischen 82 und 100 Jahren, die immer noch aktiv Leistungssport betreiben, wie es weltweit abertausende andere Senioren ebenfalls tun, die sich bei Leichtathletikevents, Europa- und Weltmeisterschaften treffen, um ihre Kräfte miteinander zu messen.

In der Medienberichterstattung würde man dennoch eher vergebens nach einer Übertragung solcher Veranstaltungen suchen. Vermutlich wäre auch das breite öffentliche Interesse gar nicht vorhanden. Die Medien richten ihr Programm bekanntermaßen immer stärker und stärker nach den Bedürfnissen der Masse aus, schließlich macht die Quote die Musik und bringt die Kassen zum Klingeln. Wem solche Überlegungen aber zu akademisch oder zu verworren sind, der kann sich an Herbstgold einfach auf eine völlig unbelastete Art und Weise erfreuen: Filmemacher Jan Tenhaven begleitete diese Sportler und Sportlerinnen während ihrer Vorbereitung zu einem großen Leichtathletikevent. Dabei werden viele O-Töne eingefangen und Einblicke ins Privatleben gewährt, die einzigartige Portraits dieser Senioren-Athleten zeichnen.

Wie diese Damen und Herren sich gewissenhaft und methodisch vorbereiten und mit welchem Elan sie an die Sache gehen, hat zugleich etwas Rührendes, wie auch etwas Beneidenswertes. Sieht man wie fit, beweglich und leistungsfähig diese Menschen sind, wird kaum jemand leugnen können, dass es durchaus Sinn macht, sich an solchen Beispielen ein Vorbild zu nehmen - ganz gleich welchen Alters man ist. Wer jetzt aber auf Pathos wartet oder einen besonderen moralischen Appell erwartet, wird von diesem Film im positiven Sinne überrascht: Herbstgold erzählt völlig unaufgeregt, aber nicht leidenschaftslos und vor allem mit der richtigen Portion Humor, vom Leben und sportlichen Streben in diesem hohen Alter.

Trotz aller Ernsthaftigkeit in der Wettkampfvorbereitung der Sportler wird die Verbissenheit aber irgendwann glücklicherweise von Alterweisheit ergänzt, die letztendlich dazu führt, dass die älteren Athleten dann gelegentlich doch auf die Signale ihrer Körper hören, zumindest mehr als sie es vor einigen Jahrzehnten vermutlich getan hätten und demzufolge einem ärztlichen Rat eher zu folgen bereit sind, selbst wenn das bedeutet, dass man trotz intensiver Vorbereitung aus Vernunftgründen auf einen Wettkampf verzichten muss. Diese Up-and-Downs gehören schließlich zu jeder Sportlerkarriere auch dazu. Und wenn überhaupt zeigt sich hier das Manko des Films, der durchaus mehr Impressionen von den Wettkämpfen hätte einfangen können. Abgesehen davon aber ist Herbstgold eine rundum gelungene Dokumentation, die vorbehaltlos empfohlen werden kann.

Keine weitere Wertung


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